06.09.2017 - 17:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Harvester-Einsätze im Wald ärgern Bürger Wald und Krise

Wenn der Harvester anrollt, geht's den Bäumen an den Kragen. Wie das passiert, ärgert Bürger aus dem Landkreis. Die Staatsforsten klären auf und bitten um Verständnis. Denn aktuell gibt's zwei große Probleme.

Die Ergebnisse von Holzfällarbeiten im Waldnaabtal.
von Julian Trager Kontakt Profil

Kohlberg/Tannenlohe. Für Brigitte Herman ist das Waldnaabtal ein Ort der Erholung. Alle zwei Wochen gehe die Irchenrietherin mit ihrer kleinen Familie dort spazieren. Von der Jugendherberge Tannenlohe bis zur Blockhütte - und wieder zurück. "Ein ruhiger Weg in der Natur. Das ist sehr angenehm", findet Herman. Besonders angenehm, gerade bei sommerlicher Hitze: die Bäume neben dem Wanderweg.

Bei ihrem letzten Spaziergang waren die Schattenspender weg. Abgeholzt. Nur noch Baumstümpfe gucken aus dem grünen Hang hervor. Am Wegrand liegen dicke Stämme und umgeknickte, zerfledderte Bäume. "Da herrscht jetzt Sodom und Gomorra", findet die Irchenrietherin. "Ohne Rücksicht auf Verluste wird da alles niedergemacht und liegen gelassen." Man solle ein bisschen mehr auf die Natur achten. Gerade bei beliebten Wanderwegen. "Ich finde das unmöglich. Warum machen die das?"

Borkenkäfer schuld

Gerhard Schneider, Forstbetriebsleiter Waldsassen, klärt auf: "Reine Borkenkäfermaßnahme. Wir waren dazu verpflichtet." Im Waldnaabtal gebe es massive Borkenkäferprobleme. Die kleinen Käfer richten große Schäden in den Wäldern an. Die Bayerischen Staatsforsten mussten eingreifen, sagt der Forstbetriebsleiter. "Es wurden alle Bäume entfernt, die befallen waren." Darunter auch grüne Bäume, die Laien auf den ersten Blick nicht als befallen erkennen. Im Vorfeld sei bei der Bevölkerung aber um Verständnis gebeten worden.

Das versucht Schneider nun auch. Denn: Die Stämme sind noch immer da. Das Holz werde erst Ende September abgefahren. Geht nicht anders, versichert er. "In Bayern brennt die Hütte wegen des Borkenkäfers." Dazu kommen jetzt die Sturmschäden, im Freistaat sind über zwei Millionen Festmeter Holz zerstört. "Das verschärft die Situation." Die Kapazitäten der Staatsforsten seien begrenzt. "Wir müssen uns einreihen." Der Wanderweg sei passierbar, in seinem ursprünglichen Zustand sei er aber erst wieder nach der Holzabfuhr und den Pflegemaßnahmen. Danach wird aufgeforstet. Und zwar mit Mischwald, der vom Borkenkäfer eher gemieden wird.

"Durch Natur geackert"

Auch in Kohlberg ärgert sich ein Bürger über Fällarbeiten der Bayerischen Staatsforsten. Dass im Wald, direkt neben seinem Grundstück, gearbeitet wird, stört Mehmet Begen nicht. Was ihn aber aufregt: Wie gearbeitet wird. "Der Harvester ist durch die Natur geackert ohne aufzuschauen." Begen wolle sich gar nicht vorstellen, wenn Kinder an der Stelle im Wald gewesen wären.

"Die Maschine hat gut 5 Meter hohe und 13 Zentimeter dicke Bäume einfach abgeknickt." Auf die Natur sei nicht geachtet worden. "Hinter unserem Haus schaut's aus, als hätte ein Bombe eingeschlagen." Gute Nachbarschaft sehe anders aus. Große Aktionen direkt hinterm Gartenzaun könnte man doch ankündigen, findet Begen.

Im zuständigen Forstbetrieb Schnaittenbach versteht man die Aufregung nicht. Stellvertretender Leiter Klaus Bichlmaier kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: "Ein Harvester ackert nicht durch die Bestände, er fährt auf Rückegassen." Eine Ankündigung vor den Einätzen sei nicht möglich. "Wir haben tausende Nachbarn." Bichlmaier sagt: "Wenn ein Grundstück an den Wald grenzt, muss man damit rechnen, dass da etwas passiert." Durchforstung, in dem Fall. "Ein ganz normaler Einsatz." Dabei wurden die "Bedränger" der Z-Bäume (Zukunftsbäume) entfernt.

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