Heike Bossers ungewöhnlicher Job
Die Tatortreinigerin

(Foto: gsb)
 
Ohne Handschuhe, Schutzanzug und Atemmaske betritt Heike Bosser keine Wohnung, in der ein Mensch gestorben ist. Bild: Schönberger

Heike Bosser hat in ihrer Berufslaufbahn schon einiges gerochen und gesehen. Zum Beispiel ein Gemälde von Picasso. Das musste sie aber entsorgen. Ein Toter lag darauf. Bosser ist zertifizierte Tatortreinigerin. Ihre Arbeit beginnt dann, wenn Polizei und Bestatter fertig sind.

Heike Bosser säubert Räume, in denen jemand gestorben ist. Das ist nicht immer einfach, denn alles muss desinfiziert werden. Besonders heikel wird es, wenn der Tote mehrere Tage oder Wochen unbemerkt in der Wohnung lag. Dann kommt auch noch Ungeziefer hinzu.

Alles, was nicht gereinigt werden kann, wird von Bosser und ihrem Team in luftdichte Fässer verpackt, von einer Spezialfirma entsorgt und verbrannt. "Holzböden zum Beispiel. Wenn der Tote auf dem Parkett liegt, muss es raus." Nicht immer stößt die Tatortreinigerin dabei auf das Verständnis der Angehörigen - vor allem, wenn es um Wertvolles oder Erbstücke geht. "Manche weinen Rotz und Wasser, aber was soll ich machen? Wenn der auf dem Picasso stirbt, kann ich das nicht ändern", erklärt sie. Die Szene habe sich tatsächlich so abgespielt, auch wenn nicht klar ist, ob das Gemälde echt war. Bei Schmuck ist das einfacher. "Der kommt in eine Reinigungslösung und wird desinfiziert."

Auf die Frage, wie es riecht, wenn ein Toter länger liegt, hat Bosser eine einfache Antwort: "Packen Sie ein Stück Fleisch in eine Plastiktüte und legen sie es eine Woche in die Sonne." Sohn Dominik, der in der Firma mithilft, ergänzt: "Wir hatten auch schon einen Fall, da hat es nach altem ranzigem Frittierfett gerochen." Nach dem Tod tritt Fett aus dem Körper aus, vor allem, wenn es warm ist.

Grundsätzlich die Erste

Für die 46-jährige Bosser ist das kein Problem. Seit 2000 betreibt sie in Weiden eine Gebäudereinigungsfirma, seit 2015 ist sie staatlich geprüfte Desinfektorin. Sieben Wochen hat dieser Lehrgang gedauert. "Einer muss es ja machen", begründet sie die Entscheidung für diese Fortbildung. Unterstützung bekommt sie von ihren Mitarbeitern. Wobei Bosser grundsätzlich die Erste ist, die das Objekt betritt und eine Grobreinigung vornimmt. "Das will ich meinen Angestellten nicht zumuten", sagt sie. Die Endabnahme muss ebenfalls sie als Desinfektorin erledigen.

Es sei schon vorgekommen, dass noch Haare mit etwas Kopfhaut oder ein Finger in der Wohnung lagen. Was sie in so einem Fall macht? "Die Polizei anrufen." Die Spurensicherung müsste dann noch einmal kommen, um die Teile abzuholen. "Die Beamten wissen aber auch nicht immer, wie sie reagieren müssen." Bosser braucht dafür aber ihre Hilfe. Die menschlichen Überreste müssen ebenfalls spezialentsorgt werden. "Außerdem bin ich der Meinung, dass ein Mensch komplett beerdigt werden soll."

Fünf bis sechs Tatortreinigungen führt Bosser im Jahr durch. "Viel zu wenig", sagt sie. Nicht, weil es ihr ums Geschäft geht. "Viele rufen einfach eine normale Entrümpelungsfirma, weil sie es nicht besser wissen." Das sei gefährlich. Ein Leichnam gebe Körpersekrete ab, auch Bakterien oder Viren. "Ein Toter ist hochinfektiös." Das alles könne bei Menschen schwere gesundheitliche Schäden auslösen. "Wir tragen eine komplette Schutzausrüstung inklusive Atemschutz, manchmal sogar mit Sauerstoffflasche." Bei schweren Fällen kommt ein Ozongerät zum Einsatz. Das entzieht dem Raum den Sauerstoff und tötet Ungeziefer. "Dann darf sich aber niemand im Raum befinden."

Schlimme Tatorte, wie nach einem Gewaltverbrechen, sieht Bosser nur sehr selten. Einmal musste sie an der Bahnstrecke die Teile eines Selbstmörders einsammeln, einmal ein Badezimmer reinigen, in dem sich jemand erschossen hat. "Gott sei dank ist der ins Bad gegangen. Fliesen lassen sich leicht abwischen", sagt sie. Ihren Humor hat sie nicht verloren. "Das darfst du auch nicht, sonst gehst du daran kaputt", sagt Sohn Dominik.

"Animal Hoarding"

Es sind aber nicht nur menschliche Tragödien, mit denen die Reinigungsfirma konfrontiert werde. Dominik Bosser erzählt von einem Fall von "Animal Hoarding". Ein Mann hatte seine Katzen nicht mehr unter Kontrolle, das ganze Haus war voll mit den Tieren. "Wir standen bis über die Knöchel in der Scheiße", erinnert sich Heike Bosser.

Meistens hat sie aber Aufträge, bei denen ein Toter unbemerkt mehrere Tage in der Wohnung lag. "Ich frage mich dann immer, warum musste wieder jemand alleine und unbemerkt sterben", erklärt sie nachdenklich. Sie selbst könne das nicht nachvollziehen. "Wenn ich von einer kranken Freundin länger nichts hören, fahre ich hin."

Einer muss es ja machen.Heike Bosser


Die TV-Serie"Der Tatortreiniger" ist eine deutsche Comedy-Serie im Norddeutschen Rundfunk. In der Hauptrolle spielt Bjarne Mädel Tatortreiniger Heiko "Schotty" Schotte. Die erste Staffel mit vier Folgen wurden im Dezember 2011 ausgestrahlt. Aktuell laufen die drei Folgen der sechsten Staffel. (ehi)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.