18.10.2017 - 15:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Herrenausstatter Norbert Turban über die Kunst, den richtigen Hochzeitsanzug zu finden Verkleide dich nicht, Mann

Für den Bräutigam wird es eng – zumindest, wenn er das möchte: modisch up to date vor den Traualtar treten. Denn schmal geschnitten mit einer körperbetonten Silhouette ist das Maß aller Dinge beim Hochzeitsanzug. Aber wo bleibt da die Individualität, wenn alle künftigen Ehemänner in knackig engem Outfit, womöglich noch in der Trendfarbe Blau auftreten? „Mit Nuancen kann sich jeder Bräutigam seine ganz persönliche Note verleihen und von anderen abgrenzen.“ Norbert Turban muss es wissen, er ist Herrenausstatter. Und als solcher leitet ihn bei aller modischen Verantwortung auch und gerade dieser Gedanke: „Kein Mann sollte sich verkleiden, der Bräutigam muss sich in seinem Anzug wohlfühlen, damit er sich auf seiner Hochzeit wohlfühlen kann.“ Darüber muss gesprochen werden.

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Es kann nicht verkehrt sein, gleich zu Beginn mit Vorurteilen aufzuräumen, also: Der Bräutigam kauft sehr wohl gerne seinen Hochzeitsanzug – von wegen lästiges Übel, Hauptsache, die Braut sieht gut aus. Die einen kommen direkt mit ihrer zukünftigen Ehefrau, die anderen bringen jene oder jenen mit, welche das Brautkleid seiner ihm Anvertrauten kennen. Und so wird bereits das Aussuchen des Outfits zum Event. Man knabbert Salzstangen, nippt Orangensaft und nascht Süßigkeiten während Hose, Hemd, Weste und Sakko unter allerlei Gesichtspunkten entspannt beäugt werden. „Der Anzug muss zum Kleid passen, die Auswahl des Bräutigam-Outfits wird dabei jedoch nur in seltenen Fällen eingeschränkt.“ Denn die Trendfarbe Blau, beziehungsweise Blautöne wie etwa Petrol bis zu hellem Stahlblau harmonieren sehr gut mit klassischen Brautkleidern in Weiß. Und Schwarz beim Anzug ist out? „Bei der Anzugfarbe geht Schwarz als Klassiker immer, doch als Trend hat sich Blau seit einigen Jahren etabliert.“

Zurück zum generellen Trend des schmalen Schnitts und der körperbetonten Silhouette. „Gerade darum sollte auf den Tragekomfort geachtet werden, eng muss nicht zwingend unbequem bedeuten, vielmehr ist es wichtig, an den richtigen Stellen den individuellen, perfekten Schnitt zu gewährleisten, Markenhersteller sind hier oft einen entscheidenden Schritt voraus.“ Dazu gerne gesehen und getragen: die Weste. Idealerweise in der gleichen Farbe und aus dem gleichen Stoff wie der Anzug. „Um einer gewissen optischen Langeweile zu entgehen, bieten sich aber auch ein Muster und eine Farbe der Weste an, welche sich im Brautkleid wiederfinden.“

Betrachten wir das Hemd, sehen wir beim modebewussten Herrn in erster Linie Dezentes. „Farblich weniger Weiß, dafür diverse Champagner- und Crémetöne, vor allem Ivory ist trendig, ein gebrochener Ton von reinem Weiß.“ Zeitlos schön ist das Plastron, jene breite Krawatte und Vorläufer der heutigen Langbinderkrawatte. Norbert Turban: „Das Plastron wird aus dem gleichen Stoff wie die Weste gefertigt und sollte farblich unbedingt zum Brautkleid passen.“

Zurück zu den Vorurteilen. Dazu zählt auch, dass man vermeintlich das Rad, respektive den Hochzeitsanzug nicht permanent neu erfinden kann. Ein Vorurteil eben. Denn mit geschickten modischen Details hebt sich der Bräutigam sehr wohl von anderen ab, ja gelingt ihm sogar die Einzigartigkeit. „Abgrenzung gelingt durch farbliche Akzente mit Manschettenknöpfen oder Hosenträgern.“ Und vor allem in kongenialer Verbindung mit dem Brautkleid: Kürzer geschnittene Hosenbeine zeigen beispielsweise Socken, die zu einem farblichen Detail im Brautkleid passen. Mutig zwar, aber individuell.

Und sonst? Wie steht es um die Klassiker Smoking, Cut und Frack? „Diese Anzüge haben weiterhin ihre Berechtigung, nehmen jedoch nicht den hohen Stellenwert ein, wie noch in früheren Zeiten. Wer sich heute für einen Frack entscheidet, tut dies, weil der passende, möglicherweise aristokratische Rahmen dazu gegeben ist. Denn wenn Frack, dann stilvollendet mit Stock und Zylinder.“ Auf breiteren Hochzeitsboden fällt hier schon der Vintage-Trend. „ Zu den typischen Vintage-Farben zählen Olivgrün und Weinrot, ebenso gern gewählt werden Beige oder Hellgrau. Muster wie das karierte Plaid, welches an Tweed erinnert, sind denkbar, wenn auch weniger festlich als Fischgrät oder Jacquard Musterungen.“ Ein No-Go: Niemals gewöhnliche Krawatte tragen, vielmehr eine Schalkrawatte oder gleich zur Fliege greifen. Besondere Akzente setzen Nostalgie-Elemente wie Hosenträger oder eine Taschenuhr, deren Kettchen gerne vorne zu sehen sein darf.

Fazit und Wiederholung: „Kein Mann sollte sich verkleiden, der Bräutigam muss sich in seinem Anzug wohlfühlen, damit er sich auf seiner Hochzeit wohlfühlen kann.“ Und dazu gehört auch eine ehrliche Beratung – denn schmal geschnitten mit einer körperbetonten Silhouette steht nicht jedem Bräutigam, respektive Mann. Und dennoch ist dies möglich, perfekt up to date gekleidet sein für den großen Tag; es gilt, das Besondere eines jeden Bräutigams herauszufinden und zu akzentuieren. Dann passt alles perfekt zusammen. Bräutigam. Anzug. Und dazu natürlich die Braut in ihrem Kleid.

Text: Norbert Eimer

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