06.09.2017 - 19:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Herzenswunsch von Josef Beer erfüllt sich am Stadtfriedhof In der Urne von Wyoming zurück in die Heimat

Nichts wollte Josef Beer mehr, als irgendwann von Wyoming in den USA zurück an seinen Geburtsort nach Weiden zu kehren. Am Montag war es so weit. Exakt 8124,79 Kilometer überwand er damit. Allerdings in einer Urne.

Josef Beer als Soldat in Amerika. Repro: Schönberger
von Redaktion OnetzProfil

Trotzdem freuten sich Angehörige und Freunde. Sie erfüllten dem 87-Jährigen mit der Beerdigung im Familiengrab am Stadtfriedhof im Kreis seiner Lieben einen Herzenswunsch. Auch, wenn es ein Treffen der etwas anderen Art war.

In der Oberpfalz war es Josef Beer immer zu eng gewesen. Er träumte von der großen amerikanischen Weite und von einer besseren Zukunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. "Um 1950 herrschte hier sehr hohe Arbeitslosigkeit", erinnert sich der ehemalige Nachbar Konrad Hofmann, "und seit ich denken kann, hegte Josef schon diese große Sehnsucht nach Amerika". Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem er seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzte und die Schifffahrt über den großen Teich wagte. Dazu kam auch ein wenig Glück: Verwandte in Nord- und Süddakota bürgten für ihn. Die beiden Onkel waren Farmer. Für den Anfang kam er auf deren Mais-Farmen unter.

An seine Erzählungen über diese ersten Eindrücke erinnert sich auch Schwester Maria Pöllmann genau: "Da war er richtig entsetzt, als er das erzählt hat: 'Ja, um Himmels Willen, bei uns fressen das die Viecher und hier kriegen das die Leute!'" Die Landshuterin lacht. "Auf der Farm blieb er nicht lange." Schon bald trat Josef Beer der amerikanischen Army bei: Er diente in der 210. Company als Pionier in Bozeman, Montana.

Die Heimat trug er während dieser Zeit nicht nur im Herzen, sondern gerne auch in der Hosentasche mit sich herum: Mit einem Griff hatte er so die Zeilen seiner Liebsten stets griffbereit. Briefe von Verwandten und Freunden waren so von Bedeutung, dass er sie hier wochenlang aufbewahrte. Die Kontakte in die Oberpfalz ließ er nie abreißen. Bis zuletzt telefonierte er alle zwei Wochen mit seiner Schwester Maria.

Oft war Josef nicht zu Besuch in Weiden, Nachbar Konrad Hofmann erinnert sich aber noch ganz genau an den letzten Abschied: "Am 5. November 2007 stand er auf unserer Treppe, sagte Lebwohl - und jetzt ist er wieder hier." Josef Beer wurde beigesetzt im Grab der Familie Beer auf dem Stadtfriedhof in Weiden.

Zum Leben in Amerika

Noch in Weiden absolvierte Josef Beer seine Lehre als Schreibmaschinenmechaniker bei Karl Roscher. Zur Eröffnung seiner eigenen Firma, "Joe's Office Machines", kam es allerdings erst in Amerika: Zunächst tourte er mit seinem Auto als "mobile Werkstatt" quer durch Wyoming und reparierte Büromaschinen. "In Casper, das ist die zweitgrößte Stadt in Wyoming, ist er dann richtig angekommen", sagt Schwester Maria Pöllmann. "Dort hat er es schließlich sogar geschafft, ein richtig großes Geschäft aufzuziehen, wo er auch Büromaschinen verkauft hat."

In Casper lernte er auch die erste von insgesamt zwei Ehefrauen kennen. Vier Kinder hat Beer: "Seine vier Jungs: Curtis, Ken, David und Wes." Dieter Pöllmann lacht und schiebt hinterher: "Man könnte ihn schon als großen Fan der Frauen im Allgemeinen bezeichnen." (olr)

Am 5. November 2007 stand er auf unserer Treppe, sagte Lebwohl - und jetzt ist er wieder hier.Nachbar Konrad Hofmann bei der Beerdigung von Josef Beer

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