Herzinfarkt der GAU des Körpers

Über "Das schwache Herz" referieren die Experten Dr. Gerhard Jilge, Dr. Gudrun Graf und Professor Robert Schwinger (Erster, Zweite und Vierter von links). Begrüßt hat die Zuhörer Bürgermeister Lothar Höher. Bild: sbü
 
Unterhaltsam mit Filmsequenzen angereichert sprach Professor Schwinger über Herzchirurgie

Kaum ein Leiden beschäftigt die Menschen so sehr wie die Erkrankung des Herzens. Für die meisten ist dieses Organ das Symbol für das Leben überhaupt. Dennoch muss es oftmals vieles ertragen.

Die wichtigste Botschaft der Informationsveranstaltung "Das schwache Herz" formulierte Professor Robert Schwinger. Er forderte bei einer Herzattacke in häuslicher Umgebung: "Nur wenn die Angehörigen aktiv werden, können sie ihre Liebsten retten." Der Chefarzt der Medizinischen Klinik II sprach von der "Rettungskette, die nicht unterbrochen werden dürfe". Dazu zählen auch die Angehörigen. Deshalb sollten diese "112 rufen und nicht nur daneben stehen".

Mehrfach nannte der Herzspezialist in seinem Vortrag die Notrufnummer. Im Film wurden dann Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage vorgeführt. Im Falle eines Herzinfarkts gelte: "Je schneller reagiert wird, desto weniger Herzmuskelgewebe geht verloren." Starker Verlust von Herzmuskelgewebe führe später zu Herzrhythmusstörungen und erfordere oftmals die Implantation eines Defibrillators. Noch während der Fahrt werde das EKG des Patienten aus dem Notarztwagen an die Intensivstation des Klinikums übertragen. Auch ein externer Defibrillator könne dort angewandt werden. Keinesfalls sollte man selbst den Herzattacke-Patienten ins Klinikum fahren.

Behandlungsmöglichkeiten

Schwinger schilderte die Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten im Herzkatheder-Labor. "Es gibt keine bessere Methode." Falls allerdings ein Herzkatheder nichts mehr helfe, "ist die Herzchirurgie erforderlich". Gezeigt wurden die Bypass- und Herzschrittmacher-Implantation sowie die Implantation des Defibrillators mit Sonde im Herzen oder in subkutaner Form unter der Haut. Anschließend erläuterte Schwinger die Behandlungsmöglichkeiten von Herzklappenerkrankungen.

In weiteren Vorträgen wurde den Besuchern aufgezeigt, was sie tun können, damit es möglichst nicht zum "Körper-GAU Herzinfarkt" kommt. Zunächst von Dr. Gudrun Graf aus Sicht einer Internistin und Rettungsärztin. Anzeichen für ein schwaches Herz seien unter anderem Atemnot bei Belastung, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Schwellungen an Knöcheln oder ein rascher Herzschlag. Herzschwäche müsse keine eigenständige Erkrankung sein. Ihre Ursache läge oftmals in koronaren Erkrankungen oder im Bluthochdruck. Die "Herzfalte im Ohr" könne ein Hinweis auf Herzschwäche sein.

Untersucht werde mit Ultraschall, durch Ruhe-/Belastungs-EKG, aber auch durch den Biomarker NT-proBNP bei Blutuntersuchungen. Negative Auswirkungen auf das Herz hätten unter anderem zu viel Kochsalz ("maximal drei Gramm pro Tag"), manche Medikamente, Alkohol, Lungenembolie, Vorhofflimmern und vor allem Bluthochdruck. Die Internistin empfahl bei Bluthochdruck "konsequente Blutdrucksenkung". "Es gibt keine Hundertjährigen mit Blutdruck 200", stellte sie fest.

Über das Thema "medikamentöse Therapie" sprach der Chefarzt für Innere Medizin am Krankenhaus Kemnath, Dr. Gerhard Jilbe. Patienten mit Herzschwäche müssten täglich mindestens fünf verschiedene Medikamente einnehmen. Bevor der Mediziner dies erläuterte, meinte er allerdings: "Am liebsten würde ich aber darüber sprechen, dass für viele Beschwerden oftmals nicht das Herz, sondern die kranke Muskulatur ursächlich ist." Die schlechte Durchblutung der Muskulatur könne nur mit regelmäßiger "angemessener" sportlicher Bewegung verhindert werden. Herzkranke, die trainierten, könnten auch "extrem leistungsstark" sein.

Wichtige Medikamente

Beta-Blocker seien "ein absolutes Muss", betonte Jilge. Nebenwirkungen könnten durch Sport verhindert werden. Auch ACE-Hemmer oder als Alternative die Sartane ordnet Jilge als "zwingend" ein. Und die MRAs (Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten) seien heutzutage ebenfalls fester Bestandteil der Therapie.

Angesprochen wurde zudem die Medikamentengruppe ARNI (Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor), Herzglykoside und Diuretika, die das Wasser aus dem Körper schwemmen. Veranstaltet haben den Abend Professor Schwinger und die Kliniken Nordoberpfalz AG mit der AOK Bayern, den Oberpfalz-Medien und der Deutschen Herzstiftung.
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