25.04.2018 - 12:04 Uhr
Oberpfalz

HNO-Arzt Dr. Martin Tichy über Pollen-Allergie und geeignete Gegenmaßnahmen Sonnig, warm, windig: Ein Wetter zum Weinen

Schönstes Frühlingswetter - und Ihnen ist trotzdem zum Heulen zumute? Die Nase läuft, die Augen brennen? Das könnte an einer Pollenallergie liegen - zurzeit wirbeln unter anderem die aggressiven Birkenpollen durch die Luft. "So schlimm wie im Moment war es seit Jahren nicht mehr", klagen Betroffene. Dr. Martin Tichy ist einer von ihnen. Aber einer, der sich und anderen zu helfen weiß. Tichy praktiziert als HNO-Arzt mit Schwerpunkt Allergologie in der Gemeinschaftspraxis Kopp und Tichy in Weiden.

Wohl dem, der mit Blüten so auf Tuchfühlung gehen kann. Bild: htl
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Stellen auch Sie fest, dass Allergiker im Moment besonders leiden?

Dr. Martin Tichy: Ja. Es ist warm, sonnig und trocken, und es regnet wenig. Letztes Jahr ließ sich das Frühjahr langsamer an, da hat sich der Flug der verschiedenen Pollen besser verteilt. Jetzt kommt alles auf einmal. Wir haben Wind und Sonne.

Welche Beschwerden verursacht das?

Viele Patienten klagen über tränende Augen, auch über Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Allergie ist weit mehr als Schnupfen. Sogar Husten und Schluckbeschwerden kann sie bedingen.

Wie können Sie helfen?

Es gibt inzwischen sehr gute Medikamente, Antihistaminika, mit denen sich die Symptome bestmöglich behandeln lassen. Früher wurde man auf diese Pillen etwas müde, aber inzwischen können wir auf eine stark verbesserte dritte Generation der Medikamente zurückgreifen. Sie wirken besser und haben keine Nebenwirkungen. Es gibt sie auch in Form von Schmelztabletten, die Sie einfach unter die Zunge legen. Vor allem für Kinder eine sehr angenehme Form der Einnahme. Die meisten Patienten sind dank dieser Mittel fast beschwerdefrei.

Und der beklagenswerte Rest?

Ihm empfehlen wir die Hyposensibilisierung. Dabei gibt es über drei Jahre alle sieben Wochen eine Spritze. Wir fangen mit der Immuntherapie aber immer erst nach der Pollensaison im Herbst an. Andernfalls wüssten wir nicht, warum eventuelle Symptome auftreten: wegen der Behandlung oder des Pollenflugs.

Wie hilfreich sind Nasensprays und Augentropfen?

Ein Antihistaminikum in Verbindung mit einem Nasenspray ist die Standardbehandlung. Falls die Symptomatik im Bereich der Augen ausgeprägt ist, sollte man auch noch Augentropfen nehmen. Das liefert sehr gute Ergebnisse.

Unter welcher Allergieform leiden die meisten Ihrer Patienten?

Das ist tatsächlich der klassische Heuschnupfen. Die Leute reagieren also allergisch auf Gras- oder Baumpollen. Da wiederum sind Birke, Erle und Hasel bei den Bäumen sowie Wiesen-Lieschgras und Roggen bei Gräsern führend. Die zweithäufigste Allergie betrifft übrigens Hausstaub.

Man hat den Eindruck, es gäbe heute weit mehr Allergiker als früher. Können Sie das bestätigen?

Im Vergleich zur Zeit vor zehn Jahren ist die Anzahl der Allergiker zweifellos gestiegen, besonders die der Kinder. Wie stark, kann ich allerdings nicht sagen.

Allergiker werden also auch immer jünger?

Nach meinen Erfahrungen durchaus. Früher waren Allergiker im Vorschulalter eher selten. Jetzt kommen verstärkt auch schon Kindergartenkinder mit den Symptomen.

Sind Sie eigentlich selbst allergisch?

Ja, ich bin Allergiker. Heuschnupfen. Und ich nehme die gleichen Medikamente wie meine Patienten, um die Symptome zu unterdrücken.

Birke geballt

Birkenpollen bereiten besonders vielen Allergikern Probleme - und im Moment sind sie geballt unterwegs. Verschiedene Online-Infodienste berichten von einer starken Birkenpollen-Belastung, die noch bis übers Wochenende anhalten kann. Außerordentlich geplagt sind im Moment offenbar auch Menschen, die auf Blütenstaub von Esche, Pappel und Weide allergisch sind. Eine mittlere bis schwache Belastung wird durch die Pollen von Buche, Ulme und Eiche attestiert. (rg)

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