Hubert Schneider hängt Schere an den Nagel
Letzter Schnitt des Schneiders

Hubert Schneider (rechts) übergibt Chef-Schere und Chef-Kamm an seine langjährige Mitarbeiterin Sandra Meier. Bild: Luber

In Weiden schneidet er Haare, in Schlammersdorf macht er Politik. So geht es über Jahre. Nun folgt der Schnitt. Hubert Schneider übergibt den ältesten Friseursalon Weidens an seine Nachfolgerin.

Weiden/Schlammersdorf. Kurz vor seinem Berufsjubiläum hört er auf. Nach 49 Jahren hängt Hubert Schneider die Schere an den Nagel. 38 Jahre davon führte er das älteste Friseurgeschäft in Weiden. Über 90 Prozent seiner Kundschaft sind Stammkunden. Der 64-Jährige übergibt das Geschäft seiner langjährigen Mitarbeiterin Sandra Meier.

Rückblick: Eher "aus Verlegenheit" begann Schneider 1968 seine Friseurausbildung in Bayreuth. Die wirtschaftliche Lage war schlecht, eigentlich wollte er etwas Technisches lernen. Nach Weiden kam er über eine Annonce in der Zeitung. Dort übernahm er den Friseur Holzgartner in der Schulgasse.

952 000 Kilometer

Seitdem fuhr Schneider 38 Jahre lang zwischen seinem Laden und seinem Haus in Schlammersdorf hin und her. Umziehen wollte er nie. "Mir gefällt's am Land besser." 952.000 Kilometer ist er in dieser Zeit zwischen Arbeitsstelle und Wohnort hin und her gefahren, hat er vor kurzem ausgerechnet. In Schlammersdorf war er bis 2002 14 Jahre lang Bürgermeister.

Am Friseurberuf liebt er am meisten "den Umgang mit den Menschen. Man kann sich über alles unterhalten." Früher seien die Leute nach Schneiden, Glätten, Föhnen noch geblieben und haben geredet. Dadurch sei der Friseur immer der am besten informierteste Mensch der Stadt gewesen. "Doch das hat sich geändert", erzählt Schneider. "Die Leute haben weniger Zeit. Ist der Termin vorbei, stehen sie sofort auf und gehen."

Renoviert wiedereröffnen

Schneider macht also in diesen Tagen seine letzten Schnitte. Ende des Jahres hört er auf. Von 24. Dezember bis 2. Januar hat der Friseur Holzgartner geschlossen. Frisch renoviert eröffnet dann die neue Besitzerin Sandra Meier, die der Friseurmeister selbst ausgebildet hat. Seit 25 Jahren arbeitet sie schon bei ihm.

Und was macht Schneider im neuen Jahr? Mit Politik und Haareschneiden will er jedenfalls nichts mehr zu tun haben. "Wenn ich aufhöre, hör' ich auf."

Das Politikressort hat übrigens längst seine Tochter Tanja Renner übernommen. Sie ist zweite Bürgermeisterin in Schlammersdorf. Im gemeinsamen Haus wartet eine schon ganz sehnlich auf mehr Zeit mit Schneider: die sieben Monate alte Enkeltochter.
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