Hundekot: „Da darf nichts beschönigt werden“
„Sch...“-Schild

Das Schild am Eingang des Max-Reger-Parks droht unvernünftigen Hundebesitzern mit Bußgeld. Bild: Schönberger

"Das ist Sch...!" steht auf dem Plakat. Das letzte Wort zu vervollständigen, fällt nicht schwer. Darunter ist ein Schuh, der gerade auf einen riesigen Hundehaufen zusteuert. Mit einer neuen Kampagne kämpft die Stadt gegen unvernünftige Hundehalter.

Seit einigen Wochen stehen die Schilder an verschiedenen Stellen in Weiden, auch am Ein- und Ausgang des Max-Reger-Parks. Die Idee zum Plakat kam einem Mitarbeiter des Sachgebiets Straßenreinigung der Stadt. "Das ist einfach spontan geschehen", erklärt der Leiter Johannes Zierock. Er ist sich der Wirkung durchaus bewusst: "Das ist ein knallharter Hinweis auf Fehlverhalten."

Andere Kommunen machten das auf die weiche Tour. Etwa mit einem Dackel mit Tirolerhut, der die Hundebesitzer auf lustige Art belehren will. "Viel zu harmlos", findet Zierock. "Da darf nichts beschönigt werden. Die Angelegenheit ist viel zu ekelig und so soll es auch wirken." Die Kampagne resultierte aus dem Ärger über unbelehrbare Hundebesitzer. Eine Werbefirma aus dem Landkreis habe die Vorschläge des kreativen Straßenreinigung-Mitarbeiters umgesetzt. Damit will die Stadt darauf hinweisen, dass sich Hundehalter strafbar machen, wenn sie die Hinterlassenschaften ihres Tieres nicht selbst beseitigen. "Bußgelder bis zu 100,00 Euro drohen Ihnen!", steht auf dem Schild.

Das Problem sei in Weiden seit Jahren präsent. Erst kürzlich habe eine Frau aus Almesbach sich beschwert, erzählt Zierock: Am Ende des Edeldorfer Weges lägen mehrere rote Hundekotbeutel. "Anstatt das zu Hause oder im Müll zu entsorgen", ärgert sich Zierock. Er sei sofort hin und habe die Beutel entsorgt. Werden die Leute "in flagranti" erwischt, sei das eine Ordnungswidrigkeit.

Effektiv oder eklig? Pro und Contra zum Hundekot-SchildAngemerkt von Friedrich Peterhans und Beate Luber

Friedrich Peterhans: Jawohl, das ist ekelhaft. Es würgt einen beim bloßen Gedanken. Das hat der Werber mit seinem plakativen Tritt in die Scheiße beabsichtigt. Und er hat es erreicht. Insofern kann sich die Stadt als Auftraggeberin gratulieren. Die Botschaft kommt an. Ob sie wirkt, ist die andere Frage. Passionierte Raucher hören nicht auf, seit auf Zigarettenschachteln verkrebste Kehlköpfe und pechschwarze Lungenflügel prangen. Tatsache ist aber, dass immer weniger junge Leute sich das Rauchen angewöhnen. Ein Effekt jahrelanger Aufklärungskampagnen - inklusive Schock- und Ekelfaktor. Ähnliches könnte sich bei Hundehaltern tun. Unbelehrbare wird das Plakat kaum erreichen. Aber vielleicht sterben sie mal aus, weil Neu-Hundebesitzer wie selbstverständlich zum Tütchen greifen. Auch weil sie dank des städtischen Schuhs in der Kacke mehr denn je die gesellschaftliche Ächtung fürchten.

Beate Luber: Scheiße. Man kann das ruhig schreiben. Vollkommen unverständlich, warum die Stadt das Wort nicht ausschreiben will und es hinter drei Punkten versteckt. Dafür aber einen riesigen Hundekothaufen in der Größe eines Kinderkopfes auf Schilder drucken lässt und das in der Öffentlichkeit ausstellt. Ein Nicht-Hundebesitzer läuft doch lieber in die Scheiße, als sich jeden Morgen dieses Plakat anschauen zu müssen. Das Schild ist mindestens so eklig wie die Hinterlassenschaft von Bello und Co. Der Anblick jedenfalls sorgt für Brechreiz. Als wären die aufdringlichen Plakate der Werbeindustrie nicht genug, fängt nun auch die Stadt an, den öffentlichen Raum mit Geschmacklosigkeiten zu zupflastern. Verdient hat hier einzig die Werbefirma, die das eklige Plakat gestaltet hat. Auf ihr Konto geht auch schon der Smiley zu der Kampagne „Für ein sauberes Weiden“. Eine weitere Geschmacksverirrung.
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