11.03.2018 - 16:02 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Hunderte besuchen Orthopädietag der Kliniken Nordoberpfalz Oberpfälzer Hüften sanieren

Hüftleiden gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten in Deutschland. Alleine in Bayern werden jährlich 28 000 künstliche Hüften eingesetzt. Kurios: Besonders häufig klagen Nordoberpfälzer über Hüftleiden. So heißt es beim Orthopädietag der Kliniken Nordoberpfalz.

Oberpfälzer haben häufiger Hüftleiden, sagt Professor Dr. Rudolf Ascherl (links). Bei diesen Nachrichten hören die Besucher des Orthopädietags gut hin, darunter auch Kliniken-Chef Josef Götz (Zweiter von links). Bilder: Bühner (4)
von Siegfried BühnerProfil

"Bei den Oberpfälzer Männern rutscht der Hüftkopf besonders häufig nach außen", stellte Professor Rudolf Ascherl vom Krankenhaus Tirschenreuth fest. Dies sei bei 45 Prozent aller Männer mit Arthritis in der Region zu beobachten. Er sprach beim Orthopädietag der Kliniken AG in der Max-Reger-Halle zum Thema "Die Oberpfälzer Hüfte - zwei Hüftleiden, die in Nordbayern häufiger sind".

"Zuerst kommt es im Wachstumsprozess der Oberschenkel zu einer sogenannten Wachstumsfugenstörung, dann wird viel Sport getrieben, und später drückt das Übergewicht den Hüftknopf nach außen", beschreibt Ascherl. Indiz dafür könne sein, wenn jemand nachts das Deckbett zwischen die Beine klemme, um die Fehlstellung auszugleichen. Auch die Frauen in der Region seien in Sachen Hüfte auffällig. Bei rund jedem dritten weiblichen Säugling müsse eine Hüftdysplasie diagnostiziert werden - "das ist zehn Mal so oft wie in Hessen". Eine spätere Arthrose werde dadurch wahrscheinlicher.

Sechs Stunden ging es beim Orthopädietag am Samstag ausschließlich um Hüftleiden und die Möglichkeiten ihrer Behandlung. Es gab Vorträge, praktische Übungen und zahlreiche Infostände. Das Publikumsinteresse war groß. Am Vormittag war im Schlör-Saal kaum mehr ein freier Platz zu finden. Die Referenten, überwiegend leitende Mediziner der Kliniken AG, standen den Besuchern zudem Rede und Antwort. Lehrbuchhaft wurden systematisch alle Fragen rund um die kranke Hüfte behandelt.

Thematisiert wurde auch, wie mit Arthrose umzugehen und Hüftleiden vorzubeugen seien. Dr. Lukas Parik etwa empfahl Bewegung und Muskelkräftigung - aber nicht zu einseitig. Zu den Risikofaktoren zählten falsche Ernährung und zu hohes Körpergewicht. Dass es in allen Altersgruppen, beginnend beim Säugling, krankhafte Probleme mit der Hüfte geben könne, erläuterte Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke. Ein Vortragsschwerpunkt lag auf Hüftoperationen und künstlichen Hüftgelenken. Sogenannte Hüfttotalprothesen kämen am häufigsten vor, sagte Dr. Michael Kampe. Die Erfolgsquote bei Implantationen künstlicher Hüftgelenke sei hoch. Nach zehn Jahren gäbe es bei über 95 Prozent noch keine Probleme. "Prothesen halten heute 20 bis 25 Jahre", sagte Ahmet Mestan. Allerdings sei die Operation des Prothesenwechsels meist komplizierter.

Johannes Weiß vom Zentrum für Orthopädie-Unfallchirurgie und Neurochirurgie (ONZ) in Weiden demonstrierte mit Dr. Elmar Baumer eine Operation an der Hüfte. Auf der Leinwand war alles in Großaufnahme zu sehen. Hüftgymnastik und Ernährungstipps zu Arthrose-Vorbeugung rundeten das Programm ab. Eva Götz von OTV moderierte.

Der Vorzeigepatient

Um Geduld bat die Chefärztin der Orthopädischen Rehabilitationklinik in Waldsassen, Elisabeth Eißner, die Reha-Patienten nach einer Operation. Akupunktur, Hypnose und "Tanzen mit der Endoprothese" ergänzten neuerdings das vielfältige Angebot der Reha-Klinik. Ein Angebot, das Erfolg verspreche. Als Beweis präsentierte Eißner ihren ehemaligen Patienten, den 76-jährigen Ludwig Wolf. Er berichtete über seine Erfahrungen mit seinem künstlichen Hüftgelenk: "Damit kann ich gehen wie früher." Also habe er damit den Jakobsweg beschritten - und bewältigt. (sbü)

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