Im Zweifel nicht operieren

Expertenvorträge zu Wirbelsäulenbehandlungen boten die Oberärzte Privatdozent Dr. Achim Benditz (links) und Dr. Daniel Boluki von der Asklepios-Klinik Bad Abbach. Bild: Bühner
 

Eine Patientenveranstaltung einmal nicht von den Kliniken Nordoberpfalz ist in Weiden selten. Die Asklepios-Klinik aus Bad Abbach wagte sich auf fremdes Terrain.

(sbü) Stühle mussten zusätzlich in den Schlör-Saal der Max-Reger-Halle hereingetragen werden, so groß war das Publikumsinteresse am Thema Wirbelsäulentherapien. Experten der Asklepios Klinik Bad Abbach, Orthopädische Klinik der Universität Regensburg, informierten über nicht-operative und operative Wirbelsäulentherapien.

Der Publikumszuspruch belegt, Rückenschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten. Unter den zwanzig häufigsten Operationen stehen Eingriffe in die Wirbelsäule an dritter Stelle. "Aber man muss nicht immer alles operieren", sagte Privatdozent Dr. Achim Benditz. Der Mediziner befasste sich vorwiegend mit nicht-operativen Therapien.

Wenn sich ein akuter Rückenschmerz nach sechs bis neun Wochen nicht verändere, sollte man an eine stationäre Behandlung denken. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass der Schmerz chronisch wird. Bandscheibenvorfall, Arthrose im Wirbel, Spinalkanalstenose, Wirbelgleiten und osteoporotische Wirbelkörperfraktur seien die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen. In allen Fällen werde Druck auf den Nervenstrang im Rücken ausgeübt, was zu den Schmerzen führe. Oftmals strahlen diese in die Beine aus.

In vielen Fällen könne eine "stationäre injektionsgestützte Schmerztherapie", landläufig als Spritzentherapie bezeichnet, helfen. Je nach Ursache werden unterschiedlich viele Injektionen, teilweise mit, teilweise ohne Kortison-Zusatz, verabreicht. Neun Nächte müssten die Patienten normalerweise in der Klinik verbringen. Begleitmaßnahmen seien unter anderem Bewegungsbäder, Krankengymnastik, Rückenschule sowie Entspannungstechniken. "Wir versuchen, den Reiz herauszunehmen", erklärte Benditz. Eine Studie mit 60 Patienten habe ergeben, dass die Schmerzen laut allgemeiner Schmerzskala im Durchschnitt von "zwischen sieben und acht auf knapp über zwei" gesunken seien.

Über operative Therapien informierte Oberarzt Dr. Daniel Boluki. Er zeigte Fälle auf, in denen es ohne Operation keine Schmerzlinderung gebe. Dies gelte beispielsweise, wenn Wirbel weitgehend zerstört seien oder die Gefahr einer akuten Lähmung bestehe. Als weniger starker Eingriff gelte die "Ballonkyphoplasie" bei der mit Hilfe eines Ballons und Einführung von "Knochenzement, eigentlich aus Kunstharz" die nicht mehr tragfähigen Wirbelkörper stabilisiert würden.

Bei einem Bandscheibenvorfall werde der Nerv durch "Herausholen von Gewebe" ("Bandscheibe bleibt drin") mechanisch entlastet. Ähnliches geschehe im Fall der Spinalkanalstenose durch die sogenannte Dekompression. Bei der Diagnose "Wirbelgleiten" werde der Wirbel mit Schrauben und Stäben stabilisiert. Probleme kann es gebe, wenn die Wirbel dafür nicht mehr fest genug sind. Nach einer sechswöchigen "Ruhigstellungsphase" empfiehlt der Mediziner nach diesen Eingriffen eine Rehabilitationsmaßnahme.

Konkurrenz belebt Geschäft

Von Siegfried Bühner

Da wagt sich doch eine Klinik aus dem Süden der Oberpfalz in den Norden und wirbt um Patienten. Es zeigt sich, auch unter den Kliniken ist der Konkurrenzkampf längst ausgebrochen. Für den mündigen Patienten kann es wichtig sein, sich auch einmal eine zweite Meinung einzuholen. Genau dies haben die Ärzte der Asklepios-Klinik auch angeboten. Was in den Vorträgen gefehlt hat, waren ausführliche Empfehlungen zur Lebensweise, damit Rückenbeschwerden erst gar nicht entstehen. Das kam viel zu kurz. Dafür gab es mehrfach Stellungnahmen zu den Vor- und Nachteilen bestimmter medizinischer Verfahren und Untersuchungsmethoden. Zum Beispiel Mikrodiskotomie anstelle Endoskopie oder Eigenschaften von CT, MRT und Röntgenuntersuchungen. Das interessiert wohl eher den medizinischen Experten.

redws@oberpfalzmedien.de
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