21.08.2017 - 15:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Immer wieder Impf(stoff)lücken

Diesmal also Polio. Nach Engpässen bei Impfstoffen gegen Grippe und Tollwut in den vergangenen Jahren ist nun das Schutzserum gegen Kinderlähmung nicht lieferbar. Manche Arztpraxen warten sogar schon seit Monaten darauf.

Ein kleiner Pieks schützt: Vorausgesetzt, der benötigte Impfstoff ist gerade auf dem Markt. Das ist seit einigen Jahren nicht mehr selbstverständlich. Aktuell fehlt die Polio-Auffrischimpfung für Erwachsene. Archivbild: Götz
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zumindest was den Impfstoff für Erwachsene betrifft. Da ist aktuell weder der Einzelimpfstoff noch die Vierer-Kombination mit Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Keuchhusten) lieferbar. Was tun? Dr. Johannes Weig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes am Landratsamt Neustadt, sieht die Situation nicht dramatisch. "Für Erwachsene ist das kein großes Problem. Wer als Kind eine Grundimmunisierung erhalten hat, braucht eigentlich nur eine Auffrischimpfung im 18. Lebensjahr." Es sei denn, derjenige reist in Urlaubsländer, in denen Polio herrscht, schränkt Dr. Weig ein. Nach seinen Informationen gelte das aktuell aber nur für Nigeria, Afghanistan und Pakistan.

Wer dringend auf den Schutz gegen Kinderlähmung angewiesen sei, sollte auf einen Mehrfachimpfstoff ausweichen, rät Weig. "Wenn der Vierfach-Impfstoff nicht da ist, wählt man eben einen Fünffach- oder Sechsfach-Impfstoff, der den gewünschten Schutz enthält", sagt Andreas Biebl, Sprecher der Weidener Apotheker. "Kinder bekommen in der Regel sowieso Mehrfach-Impfstoffe." Erwachsene, die eine Auffrischung benötigen, sollten mit ihrem Arzt besprechen, welche Ersatzlösung möglich ist. "In der Regel findet man eine Möglichkeit." Leider komme es seit einigen Jahren immer wieder zu Engpässen. "Die Impfstoffproduktion ist sehr träge."

Engpässe überbrückt

Das kann Dr. Roland Renz nur bestätigen. "Mit ein bis zwei Jahren muss man rechnen, bis ein Serum auf den Markt kommt." Die Herstellung sei extrem langwierig, erklärt der Kinderarzt. "Dazu kommen wahnsinnig strenge Qualitätskontrollen. Wenn mit einer Charge etwas nicht passt, müssen gleich Hunderttausend Stück weggeworfen werden." Letztlich diene das ja der Sicherheit der Patienten.

Nachdem es in seiner Praxis vor allem um die Grundimmunisierung von Kleinkindern geht, betreibt der Mediziner eine ziemlich große Vorratshaltung. So ließen sich Engpässe, die immer wieder mal auftreten , gut überbrücken. "Wir haben noch den Mehrfachimpfstoff inklusive Polio-Schutz."

Ständig neue Empfehlungen

Was Erwachsene betrifft, gelte inzwischen eine neue Empfehlung. Wer als Kind die Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung erhalten habe, gelte mittlerweile als ein Leben lang geschützt, sagt Renz. Dazu komme, dass in Westeuropa seit mindestens 20 Jahren kein Polio-Fall mehr aufgetreten sei. Überhaupt würden sich die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) häufig ändern. "Früher sollte die Impfung gegen Hepatitis A und B alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Heute heißt es, der Schutz hält 20 bis 30 Jahre."

Mittlerweile werde die Gefahr von Keuchhusten in westlichen Ländern weit höher eingeschätzt, als die Gefahr von Kinderlähmung. "Die Kinder sind zwar in der Regel gut durchgeimpft, aber bei Erwachsenen gibt es große Impflücken", erklärt Renz. "80 Prozent aller Keuchhustenfälle treten bei Erwachsenen auf." Der Schutz sollte deshalb nach Ansicht der Experten alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Vorausgesetzt, der Impfstoff ist gerade erhältlich.

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