In der Schmerztherapie hat Hypnose längst einen festen Platz
Kritik an der schwebenden Jungfrau

Chefärztin Elisabeth Eißner (Mitte) stellt beim Vortrag über Hypnose Systemfamilientherapeutin Silke Scharf (links) aus ihrem Team vor. Rechts Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger. Bild: sbü

Durch Fernsehshows mit schwebenden Jungfrauen ist die Hypnose in Verruf gekommen. Doch in der Medizin und der Schmerztherapie hat sie als alternative Heilmethode längst einen festen Platz.

Zum Auftakt der Reihe "Chefärzte informieren aus erster Hand" spricht Elisabeth Eißner, Chefärztin der orthopädischen Reha-Klinik Waldsassen, über Hypnose in der Schmerztherapie. Gleich zu Beginn stimmt die Medizinerin ihre Zuhörer mit dem Satz ein: "Wir reden über medizinische Hypnose als anerkanntes wissenschaftliches Verfahren. Nicht über Show-Hypnose."

Nur in den seltensten Fällen würden Patienten in eine tiefe Trance versetzt. Im Normalfall sei immer Kommunikation mit dem Therapeuten möglich und erforderlich. Hypnose werde zudem fast immer als ergänzende Therapie eingesetzt. "Schmerz ist nie ein isoliertes Geschehen eines einzigen Körperteils." Seltener bei akuten, häufiger bei chronischen Schmerzen könne Hypnose zur Schmerzlinderung beitragen. Als Beispiele nennt Eißner Kopfschmerzen, Schmerzen nach Operationen, Rücken-, Zahn-, aber auch Phantomschmerzen.

"In unserer Reha-Klinik ist der Schmerz ein tägliches Thema", berichtet Eißner. Deshalb empfiehlt sie häufig eine Schmerzkontrolle durch hypnotische Intervention. Dass die Chefärztin selbst die entsprechende Qualifikation dafür erworben hat, erwähnt sie nur nebenbei. Hypnosen können auch Erleichterung vor einer belastenden Operation bringen oder danach Heilungs- prozesse unterstützen. Angstbewältigung oder psychosomatische Störungen bei chronischen Schmerzen sind weitere Einsatzbeispiele.

Im belgischen Lüttich würden sogar Schilddrüsenoperationen im Hypnosezustand ohne Narkose durchgeführt. Generell ziele die Hypnose darauf ab, die eigenen Ressourcen des Patienten zu stärken, zum Beispiel, indem Erinnerungen an frühere Fähigkeiten erweckt werden. Auch soll der Patient lernen, das Verfahren bei sich selbst anzuwenden.

Hirnstrommessungen zeigen: "Hypnose ist kein Schlaf, aber die Veränderungen im Hirn sind im Kernspin erkennbar." Eißner schildert die möglichen Abläufe in der Hypnosetherapie. Um in Trance zu kommen, gebe es mehrere Möglichkeiten: Blickfixierung, Atmung, Geräuschfokussierung, eventuell auch das Pendel. In der Gedankenwelt des Patienten sollte eine alternative Wirklichkeit geschaffen werden. In dieser kommt der Schmerz nicht vor. Dies könne ein Ort sein, an dem sich der Patient wohl fühlt: Das könne der Oberpfälzer Wald oder auch ein Fußballplatz sein, das Meer oder ein warmes Thermalbad. Eine andere Methode sei, den eigenen Körper distanziert zu betrachten, "wie einen Garten". Eißner beschreibt auch die Levitation bei der ein Körperteil immer leichter gefühlt wird.

Allerdings sei Hypnose nicht bei allen Menschen einsetzbar. "10 bis 20 Prozent sind nicht suggestibel." Ausschlusstatbestände seien auch aktive Psychosen, ein gestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis oder eine bereits laufende Psychotherapie.
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