16.05.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Interview Vier Fragen an Pauline Füg

Wie bist du zum Poetry Slam gekommen?

von Redaktion OnetzProfil

Pauline Füg: Ich habe mit 15 in der Zeitung gelesen, dass es Poetry Slam in Nürnberg gibt. Damals wohnte ich in Ansbach, da gab es keinen in meiner Nähe. Aber als ich 18 Jahre alt war, gab es das endlich auch in meiner Stadt. Damals bin ich dann einfach dort hin und aufgetreten. Und ich war wirklich super aufgeregt. Ich wusste zum Beispiel nicht, wie ich mich hinstellen oder mein Blatt halten soll, wie hoch der Mikrofonständer einzustellen ist. Und natürlich war ich mir total unsicher, wie die Leute meinen Text finden.

An diesem Abend war auch ein Journalist anwesend, welcher in der Zeitung über den ersten Poetry Slam in Ansbach berichtete. Über alle hatte er etwas geschrieben, nur über mich nicht. Dementsprechend war ich total frustriert. Gleichzeitig hat es mich aber unheimlich motiviert weiterzumachen, damit ich auch mal in der Zeitung stehe. Übrigens habe ich drei Jahre später genau diesen Journalisten noch einmal getroffen. Es stellte sich letztlich heraus, dass der Chefredakteur seinen Text kürzte, da der Artikel zu lang war.

Was halten deine Familie und deine Freunde davon?

Mein Mann steht absolut hinter mir. Als Deutschlehrer ist das wohl auch nicht verwunderlich (lacht). Meine Familie war am Anfang tatsächlich weniger begeistert. Da kamen häufig Sprüche wie "von der Kunst kann man doch nicht leben". Aber als ich die ersten Preise gewonnen habe und ich im Fernsehen und Radio zu sehen war, haben sie erkannt, dass ich damit auch wirklich etwas erreichen kann. Ab dem Augenblick fand es auch meine Familie eigentlich ganz gut.

Gibt es im "Poetry Slam"-Bereich auch Meisterschaften?

Es gibt jährlich die deutsche Meisterschaft. Dieses Jahr findet sie in Zürich statt. Der Veranstaltungsort ist aber jedes Mal in einer anderen Stadt. Übrigens möchte jeder unbedingt eine Meisterschaft gewinnen, da man auf diese Weise unheimlich schnell bekannt wird. Bisher hat erst einmal eine Frau gewonnen, weshalb alle darauf warten, dass es endlich mal wieder mit einer Siegerin klappt.

Kannst du denn davon leben?

Ja, ich kann tatsächlich davon leben, weshalb ich mich sehr glücklich schätzen kann. Es sieht aber jeden Monat anders an. Es gibt Phasen, da verdiene ich eher weniger und bin vor allem kreativ. Dafür verdiene ich in einem anderen Monat so viel, dass ich ein Vierteljahr davon leben kann. Aber ich bin mein eigener Chef. Mich kann niemand feuern. Und ich darf mir Urlaub geben, wenn ich ihn möchte. Problematisch ist es hingegen, wenn ich krank bin, denn wenn ich nicht auftrete, verdiene ich auch kein Geld.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp