Jagdgenossenschaft Weiden vor Schäden weitgehend verschont
Wildschweine bleiben eine Herausforderung

Solange die Wildschweine wie hier im Wildgehege Stückberg bei Eslarn eingesperrt sind, richten sie keine Schäden in der Landwirtschaft an. In freier Wildbahn sind die als Frischlinge noch niedlichen Tiere allerdings nicht überall gern gesehen. (Foto: Schaller)
Weiden in der Oberpfalz: Gasthof Dagner | Das Schwarzwild ist und bleibt das bestimmende Thema bei Jägern und Landwirten. Dies zeigte sich auch in diesem Jahr in der Jahresmitgliederversammlung der Jagdgenossenschaft Weiden in der Gastwirtschaft Dagner. Trotz andernorts vielfach vorhandener Probleme fiel das Resümee von Jagdvorsteher Alois Lukas positiv aus: Bei den vereinzelten Schwarzwildschäden hätten sich Jagdgenossen und Jagdpächter immer gütlich geeinigt.

Der Jagdberater der Stadt Weiden, Herbert Burger, lobte die Jäger für ihr Engagement bei der Bejagung der Wildschweine. Sein Fazit leitete er aus der Schwarzwildstrecke in Bayern ab: Diese sei im vergangenen Jagdjahr erneut gestiegen – auf über 85 000 Stück. Dies ist ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum vorhergehenden Jahr. Burger nahm für die Vermeidung von Wildschäden nicht nur die Waidleute in die Pflicht. Auch die Landwirte könnten und müssten ihren Beitrag dazu leisten. Dafür hatte er einige Ratschläge mitgebracht.

Abschreckender Dünger

So gebe es Hinweise, dass schwefelhaltiger Dünger die Sauen vom Mais abhalte. Jedenfalls sei auffällig, dass die Wildschweine manche Äcker gerne annähmen, während sie andere, oft direkt daneben, verschmähten. Jagdvorsteher Lukas zog in diesem Zusammenhang auch unterschiedliche Maissorten in Betracht. Eine weitere Idee ist nach Ansicht Burgers der Ersatz von Energiemais durch Silphie, eine Korbblütlerart, die im Energieertrag durchaus vergleichbar sei, aber, anders als Mais, keine Wildschäden provoziere.

Was Grundbesitzer zu tun haben, wenn dann doch einmal Wildschäden auftreten, schilderte der Leiter der Unteren Jagdbehörde, Reinhold Gailer: Zunächst sei der Schaden innerhalb der gesetzlichen Frist bei der Behörde anzumelden, sonst entfielen die Ansprüche. Anschließend solle man versuchen, sich gütlich zu einigen. Scheitere dies, beraume die Jagdbehörde einen Gütetermin mit einem Schadensschätzer an. Gebe es auch hier keine Einigung, sei die letzte Maßnahme die Festsetzung des zu ersetzenden Schadens durch das Amt, gegen die eine gerichtliche Klage möglich sei. "Doch die Kosten dafür übersteigen häufig den eigentlichen Schaden."

Wildlebensraum verbessern

Ersatzpflichtig sei laut Gesetz die Jagdgenossenschaft, also der Zusammenschluss der Grundeigentümer. Oft werde die Ersatzpflicht jedoch im Pachtvertrag – zumindest teilweise – auf den Jagdpächter abgewälzt. Dies ist auch im Jagdrevier Weiden der Fall, das aufgrund seiner Größe in drei einzeln verpachtete Jagdbögen aufgeteilt ist. Gailer verwies auf einen Trend in der Rechtsprechung, demzufolge Schäden nicht auszugleichen seien, die im Energiepflanzenanbau auftreten. Der Behördenleiter informierte schließlich über Angebote zur Verbesserung des Wildlebensraums.

In seinem Jahresbericht schilderte Jagdvorsteher Lukas seine Arbeit seit der letzten Mitgliederversammlung. Er klagte über die Störungen in der Natur durch frei laufende Hunde und durch querfeldein fahrende Mountainbiker. In letzter Zeit seien sogar immer wieder Motorradfahrer unerlaubterweise im Fischerberggebiet unterwegs.

Schriftführer Hans Dittrich legte die Niederschrift der letzten Mitgliederversammlung vor. Kassenführer Karl Grünbauer erntete für seine gewissenhafte Arbeit Anerkennung vom Kassenprüfer, Stadtförster Wolfgang Winter. Dieser erläuterte die Pläne, die es für den Ausbau und die Sanierung der Forstwirtschaftswege gebe. So sei der Neuriedweg Richtung Schirmitz dringend sanierungsbedürftig. Für den Fischerbergwerg Nord stellt sich Winter einen Lückenschluss zwischen den beiden Wendehämmern vor. Ein Teil des Reinerlöses der Jagdverpachtung fließt, so beschlossen es die Mitglieder, in solche Wegebaumaßnahmen.

Umsatzsteuerpflicht umschifft

Ein wichtiges Thema war schließlich eine gesetzliche Änderung, nach der künftig auch Jagdgenossenschaften umsatzsteuerpflichtig sind. Für die Dauer von vier Jahren könne sich die Grundeigentümergemeinschaft davon befreien, wenn sie eine sogenannte Optionserklärung gegenüber dem Finanzamt abgibt, erläuterten Behördenchef Gailer und Jagdvorsteher Lukas. Die Jagdgenossen sprachen sich einstimmig für diesen Schritt aus. Zum Abschluss spendierten die Jagdpächter wieder ein Rehessen, für das sich Lukas im Namen der Mitglieder bedankte.
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