Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft "Kavalier der Straße"
Verbandskasten statt Actionfilm

Regierungspräsident Axel Bartelt und Viola Vogelsang-Reichl, Geschäftsführende Verlegerin der Oberpfalz-Medien, danken Gerhard Pflaum aus Weiherhammer für sein beherztes Eingreifen. Bild: Meister
 
"Wer bremst, verliert nicht. Wer bremst gewinnt." Zitat: Regierungspräsident Axel Bartelt

2016 verunglückte alle 79 Sekunden ein Verkehrsteilnehmer auf Deutschlands Straßen. Diese Menschen sind dann oft auf Passanten angewiesen, die stehen bleiben und helfen. Die Arbeitsgemeinschaft "Kavalier der Straße" zeichnet diese Helfer regelmäßig aus.

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen "Kavalier der Straße". Ihr Ziel ist es, Verkehrsteilnehmer zu ehren, die etwas besonderes geleistet haben. Dabei sei es nicht entscheidend, ob etwas spektakuläres geleistet wurde, "sondern, dass man hilft", betonte Gerd Brunner, einer der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, im Kultursaal Hans Bauer. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft trafen sich Mittwoch und Donnerstag zur ihrer 58. Jahrestagung in Weiden, bei der auch Kavaliere der Straße - darunter vier aus dem Verbreitungsgebiet der Oberpfalz-Medien- ausgezeichnet wurden. Wie wichtig es ist, zu helfen, zeigen die Zahlen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, die Gernot Sittner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, präsentierte: Im Jahr 2016 kamen pro Tag 9 Menschen im deutschen Straßenverkehr ums Leben. Insgesamt waren es 3206. Zum Vergleich: 1970 waren es noch mehr als 21 000. Bei den Verletzten ist es noch drastischer. 396 666 waren es im vergangen Jahr.

"Alle 79 Sekunden verunglückte jemand im Straßenverkehr, alle 8 Minuten gab es einen Schwerverletzten", verdeutlichte Sittner, der Ute Hammer, die Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, vertrat. In Zeiten, in denen das Smartphone eher zum Filmen genutzt werde, als dazu, den Notruf zu wählen, sei das Handeln der Kavaliere wichtiger denn je, fuhr Sittner fort. Die Rücksichtslosigkeit auf den Straßen nehme zu.

Dieses Gefühl hat auch Regierungspräsident Axel Bartelt. Er habe den Eindruck, dass die Devise auf den Straßen immer häufiger "Wer bremst, verliert" laute. "Jeder will recht haben, keiner will nachgeben." Deshalb sei es notwendig, dass der Straßenverkehr durch Verbote und Gebote reguliert werde, aber die Eigenverantwortung der einzelnen Verkehrsteilnehmer sei noch wichtiger. Zudem würden "Unglücke nur noch als reale Actionfilme gesehen", betonte Bartelt. Gaffer griffen eher zum Handy als zum Verbandskasten.

"Sie haben ohne lange zu überlegen zugepackt. Das ist eine emotionale Leistung und Fähigkeit, die sie denen voraus haben, die einfach vorbeifahren", dankte Bartelt den ausgezeichneten Kavalieren. Die Devise müsse deswegen heißen: "Wer bremst, verliert nicht. Wer bremst gewinnt." Aber: "Ich predige zum falschen Publikum", betonte der Regierungspräsident. Denn die Anwesenden hätten vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr gezeigt. Bartelt erzählte auch, dass er die Berichte über die Kavaliere der Straße in der Tageszeitung bereits als Schüler und Student aufmerksam verfolgte. "Das hat mich damals schon beeindruckt."

Vorschläge für Kavaliere der Straße erhält die Arbeitsgemeinschaft häufig von den zuständigen Polizeiinspektionen, aber auch Betroffene melden sich. So zum Beispiel eine Mutter die in einem berührenden Brief schildert, wie ihr 17-jähriger Sohn bei einem Motorradunfall ums Leben kam und wie sich zwei Ersthelfer, darunter ein gleichaltriger Freund ihres Sohnes, um diesen kümmerten, während zahlreiche Erwachsene an der Unfallstelle vorbeifuhren. Auch bei der Verleihung dabei war Jutta Dachs aus Oberbayern. Sie war selbst Opfer eines Fahrradunfalls und konnte bei der Verleihung ihrem Kavalier der Straße noch einmal persönlich danken. Am meisten schockiert hat Dachs, dass "Autofahrer keine Erste Hilfe leisten, sondern um einen hilflosen Menschen wie um ein verletztes Tier herumfahren."

1200 Kavaliere seit 1964Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen "Kavalier der Straße" gibt es seit 1959. Ihr gehören 40 Tageszeitungen aus ganz Deutschland an. In regelmäßigen Abständen zeichnet die Arbeitsgemeinschaft Menschen für ihre Verdienste im Straßenverkehr aus.

Die Oberpfalz-Medien gehören seit 1964 dazu. "In dieser Zeit wurden aus dem Verbreitungsgebiet knapp 1200 Kavaliere ausgezeichnet", berichtet Hans Klemm. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft war viele Jahre Chefredakteur bei den Oberpfalz-Medien. "Das ist eine beeindruckene Zahl", betonte er. "Sie steht für die Oberpfälzer, ihre Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit und ihr Miteinander."

"Wir als Medium freuen uns, wenn wir positive Nachrichten verkünden können", betonte Viola Vogelsang-Reichl, Geschäftsführende Verlegerin der Oberpfalz-Medien. "Heute sind Sie es, die uns positive Nachrichten bringen", dankte sie den Kavalieren. Jeder Kavalier erhält eine Urkunde, eine Anstecknadel und Plakette für das Auto. (ehi)


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