Jugendschöffengericht verurteilt 18-Jährigen zu Jugendstrafe
Missbrauch am Spielplatz

(Foto: Schönberger)

Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Weiden spricht einen 18-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einer Elfjährigen schuldig. Das Urteil: 1 Jahr und 2 Monate Jugendstrafe zur Bewährung. Bei der Tat waren "keinerlei Gewalt und Drohungen" im Spiel, so das Gericht.

Die Tat ereignete sich am Pfingstsonntag zwischen 18.30 und 20.30 Uhr auf einem Spielplatz in Weiden. Dort fand an diesem Tag ein Sommerfest statt. Der Iraker (18) wollte eigentlich mit seinem 15-jährigen Freund zum Schwimmen, als er auf dem Gehweg dorthin zufällig auf die Elfjährige traf und sie ansprach. Staatsanwalt Peter Frischholz spricht vor Gericht von einem weit entwickelten Mädchen: "Man stellt sich unter einer Elfjährigen andere körperliche Voraussetzungen vor." Allerdings bestätigt der Angeklagte vor Gericht, dass er sehr wohl wusste, wie jung die neue Bekanntschaft war. Man unterhielt sich über das Alter. Der gemeinsame Weg führte zum Fest - und dort in die Kabine der WC-Anlage. Hier kam es über fünf Minuten zu einer sexuellen Handlung, bis ein Besucher an die Tür klopfte.

Aussage später revidiert

Die Mutter erstattete am Tag darauf Anzeige. Bei der Kriminalpolizei sagte die Elfjährige anfangs aus, sie sei mit Schlägen gezwungen worden. "Sie hat diese Aussage einen Monat später revidiert", erinnert der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er glaubt dem Angeklagten zwar nicht, dass die Elfjährige aus eigenem Antrieb aktiv wurde. "Ich gehe davon aus, dass die Initiative von ihm ausging." Aber das Mädchen sei "zumindest sexuell neugierig" gewesen. Nach Aussage des Kriminalbeamten machte die Geschädigte bei den drei Vernehmungen keinen traumatisierten Eindruck, eher einen gelangweilten.

Dennoch: Eine sexuelle Handlung eines 18-Jährigen mit einer Elfjährigen erfüllt den Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs. "Der Gesetzgeber möchte hier unter allen Umständen unter 14-Jährige schützen." Der Staatsanwalt fordert eine Jugendstrafe, die stärkste Sanktion im Jugendstrafrecht, und zwar in Höhe von 1 Jahr und 4 Monaten. Verteidiger Engelbert Schedl plädiert auf 1 Jahr. Er erinnert an Zeugenaussagen, nach denen sich die beiden nach dem WC-Besuch voneinander verabschiedeten und Facebook-Daten austauschten. Der 18-Jährige saß zwei Wochen in Untersuchungshaft, die nachhaltigen Eindruck hinterließen: "Wenn so etwas bekannt wird, gibt es Hiebe in der JVA. Ins Gefängnis will er mit Sicherheit nicht mehr."

Das Gericht tagt dreieinhalb Stunden. Das Mädchen ist nicht geladen. Dafür wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Stunde lang der Kriminalbeamte vernommen. Am Ende kommt Richter Otmar Schmid zu dem Schluss: "Vor mir sitzt nicht der pädophile Straftäter, der sich an kleine Mädchen heranmacht und an Kindern vergeht." Schmid betont aber auch: "Man darf hier nicht dem Kind irgendeine Schuld geben. Das wäre vollkommen falsch. Der Angeklagte ist schuld. Er hat gewusst, dass er sich so nicht verhalten darf."

Asylantrag abgelehnt

Das Jugendschöffengericht verhängt 1 Jahr 2 Monate Jugendstrafe, zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil wird sofort rechtskräftig. Angewandt wurde Jugendstrafrecht. Das Gericht sieht Reifeverzögerungen. Als Sohn einer kurdischen Familie im Kampfgebiet des Nordirak habe er nur sporadisch die Schule besucht. Nach Aussagen seines ältesten Bruders, der schon länger in der Oberpfalz lebt und eine Art Vaterersatz ist, erlebte er Gräueltaten an engsten Angehörigen mit. Der nicht vorbestrafte Angeklagte reiste 2015 ein. Sein Asylantrag wurde 2016 abgelehnt. Über die Widerspruchsklage wird im September am Verwaltungsgericht entschieden.

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Thomas Webel aus Theisseil | 21.09.2017 | 11:18