15.12.2017 - 10:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kampf ums Weihnachts-Revier: Weihnachtsmann und Christkind im Interview "Mehr Liebe, weniger Hass"

Weihnachten ist die Zeit der Liebe, der besinnlichen Augenblicke. Doch in der Redaktion von Oberpfalz-Medien geht es heiß her. Zwei große Egos treffen im Interview aufeinander - und markieren ihr persönliches Weihnachts-Revier.

Von Elisabeth Saller und Julia Hammer

Sie sind Symbole der besinnlichen Zeit – im Gespräch können der Weihnachtsmann und das Christkind aber auch ganz anders. Bild: gsb
von Julia Hammer Kontakt Profil

Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, schön, dass ihr heute gekommen seid. Wollt ihr was trinken? Eine Cola vielleicht?

Weihnachtsmann: (lacht) Cola habe ich immer zu Hause.

Christkind: Nein danke. Ich mag Glühwein lieber.

Wie ist das denn mit dieser Cola?

Weihnachtsmann: Coca Cola hat mich reich gemacht. Das Unternehmen finanziert mir meinen Jahresurlaub in der Südsee, wenn ich mal nicht am Nordpol bin. Das mache ich seit 1931.

Christkind: ICH wurde als Jesuskind schon vor 2000 Jahren geboren. Und selbst den Job als Christkind mach ich seit 1536. Das Jobprofil dafür hat damals der Luther Martin geschrieben. Weihnachtsmann: (leicht beleidigt) Eigentlich gibt es mich auch viel länger. Meine Ursprünge gehen 1700 Jahre zurück auf den Heiligen Nikolaus. Der Weihnachtsmann lässt sich von einer Limonaden-Firma bezahlen. Christkind, wie finanzierst du dich? Christkind: Ich muss mein Leben nicht finanzieren. Im Himmel ist alles da, was man braucht.

Weihnachtsmann: Du kommst also nur am 24. Dezember und lässt die Geschenke von jemand anderem produzieren? Hohoho. Ich leite eine Manufaktur am Nordpol!

Christkind: Ich bekleide ein Ehrenamt zum Wohl der Kinder.

Christkind, du bist das Rundum-sorglos-Paket für Eltern: Du schmückst den Baum, bringst Geschenke. Und du, Weihnachtsmann?

Weihnachtsmann: Bei jedem Besuch futtere ich Kekse und trinke Milch. Den Weihnachtsbaum schmücken können die Leute ja selber.

Eigentlich sagst du damit, dass du der Faulere von euch beiden bist ...

Weihnachtsmann: Was heißt faul? Ich führe ein Unternehmen!

Wie entscheidet ihr, in welche Familie ihr geht oder kommt ihr euch da mal in die Quere?

Christkind: Wir kommen uns in die Quere, wenn bei Geschwistern das eine Kind will, dass das Christkind kommt, das andere, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bringt. Jetzt wissen wir immer noch nicht, woher ihr wisst, wohin ihr an Weihnachten gehen müsst ...

Christkind: Also ich spür das. Und es gibt ja auch Wunschzettel. Weihnachtsmann: Am Nordpol kommen auch Briefe an. Zum Glück. Denn das mit der Internetversorgung ist dort schwierig. Vergleichbar mit Teilen der Oberpfalz.

Gibt es Kinder, die euch veräppeln wollen und Briefe an beide schicken?

Weihnachtsmann: Natürlich. Da kooperieren wir dann. Diese Kinder bekommen dann nichts. Da sind wir konsequent. Sind Internet-Versandhändler wie Amazon eine Konkurrenz für euch?

Weihnachtsmann: Ich bin nicht mehr der Jüngste. Mein Rücken macht Probleme. Ich passe immer schlechter durch Kamine – vermutlich bin ich zu oft beim Zoigl. Deswegen überlege ich, ob ich nicht eine Kooperation mit Amazon eingehe. Ich habe keine Berührungsängste mit amerikanischen Konzernen ...

Christkind: Da bin ich strikt dagegen! Ich bevorzuge traditionelles Schenken.

Christkind, du hast keine Angst, dass der Weihnachtsmann dir den Rang abläuft?

Christkind: Ich habe keine Angst vor einem alten, dicken, bärtigen Mann.

Weihnachtsmann: Ich denke, du verschwindest bald. Ich stehe nicht nur bei Coca Cola unter Vertrag, ich bin auch bei Lindt. Mein Imperium breitet sich aus.

Christkind: Ich habe es nicht nötig, als Schokoladen-Maskottchen zu arbeiten. Ich bin als Christkind in manchen Kirchen das ganze Jahr über präsent – zum Beispiel in der Kreuzbergkirche in Schwandorf. Es gibt eine Vitrine, da wirft man eine Münze rein, dann kommt aus einer kleinen Modell-Kapelle ein kleines Christkind raus und dreht seine Runde. Aber wie schaut es mit deiner familieninternen Konkurrenz aus? Frau Weihnachtsmann ist ja jetzt auch bei Lindt unter Vertrag.

Weihnachtsmann: Das muss sich wieder ändern! Wir hatten das über Jahrhunderte geklärt, das Frau Weihnachtsmann am Nordpol bleibt, während ich das Geld nach Hause bringe ... Weihnachtsmann, du hast zwölf Rentiere. Achtest du auf den Tierschutz? Weihnachtsmann: Die Rentiere werden nicht jünger. Rudolph hat ständig Schnupfen. Ich werde nicht leichter – da wird es für sie schwerer, mich in der Luft zu halten. Ich denke darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, sie in den Ruhestand zu schicken. Ich habe einen neuen Stall für sie bauen lassen. Was allerdings hinzukommt – die zwölf sind stark koffeinabhängig. Das Christkind mit den goldblonden Locken und der Weihnachtsmann mit dem Zauselbart: Geht ihr zum selben Frisör? Christkind: Bei mir ist alles Natur.

Weihnachtsmann: Natur? Ich weiß doch, wie du außerhalb der Weihnachtszeit ausschaust: Lange braune Haare und Bart! Auf einmal bist du erblondet und hast Löckchen wie der junge Thomas Gottschalk ... Von wegen Natur. Ich selbst benutze nur eine Bartspülung. Bist du nicht in Schirmitz?

Weihnachtsmann: Richtig. Da gibt es eine Frau, die kämmt ehrenamtlich Bärte. Zu der gehe ich auch gern.

Ihr arbeitet ja auch mit Doppelgängern. Ist das nicht Betrug?

Weihnachtsmann: Ist es Betrug, wenn die Kinder denken, sie sehen den wahren Weihnachtsmann und sich freuen?

Christkind: Wir erklären das so: Ich bin das wahre Christkind. Aber um auf der Erde präsent zu sein, gibt es junge Frauen, die mich verkörpern.

Was wolltet ihr dem anderen schon immer mal sagen?

Weihnachtsmann: Ich denke, du musst endlich erwachsen werden. Irgendwann zieht das süße Image nicht mehr. Professionalität wird sich durchsetzen.

Christkind, was möchtest du dem Weihnachtsmann sagen?

Christkind: Nimm dich zurück, alter Mann. Du bist omnipräsent. Aber: Auch wenn ich keine Koffein-Brause mag und kein Marken-Maskottchen bin. Am Ende des Weihnachtstages wollen wir beide doch das gleiche. Wir wollen Kindern Freude bereiten, für Frieden und Miteinander werben. Mehr Liebe, weniger Hass.

Weihnachtsmann: Besser könnte ich es nicht sagen. Darauf eine Cola ...

Christkind: Oder einen Glühwein.

Danke für das Gespräch – und einen erfolgreichen Dezember.

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