09.05.2018 - 14:30 Uhr
Oberpfalz

Kein Platz mehr in Familienkutsche Mama muss in den Kofferraum

Die Autofahrerin beobachtet Verdächtiges. Dienstag, 20 Uhr: Eine Frau verschwindet im Kofferraum eines roten Ford Focus. Dann rollt der Wagen auf die Autobahn. Mafia-Methoden? Geiselnahme? Entführung? Die Zeugin ruft die Polizei. Ihren Namen sagt sie nicht, nur, dass der Wagen nun bei Wernberg-Köblitz auf der A 93 unterwegs sei. In Richtung Norden.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Folge: "Da aufgrund der dubiosen Umstände eine Gewalttat nicht ausgeschlossen werden konnte, löste die Polizeieinsatzzentrale Oberpfalz eine Fahndung nach dem Pkw aus", wie es im Bericht der Weidener Verkehrspolizei heißt. Nach etwa 15 Minuten erspäht die Besatzung eines Streifenwagens das gesuchte Fahrzeug bei Altenstadt/WN. "Unter maximaler Eigensicherung" halten die Polizisten den Ford an und kontrollieren den 29-jährigen Fahrer. Ferner im Wagen: vier Kinder. Und eine Durchsuchung fördert tatsächlich die ominöse Frau zutage. Noch immer kauert die 30-Jährige im versperrten Kofferraum.

Bei ihr handelt es sich um die Mutter der Kinder und die Ehefrau des Fahrers. Eine sechsköpfige Familie - auf dem Heimweg. Das vermeintliche Verbrechen ist schnell aufgeklärt, wie die Polizei mitteilt: "Da die Sitzplätze für die gesamte Familie nicht ausreichten und den Eltern die Sicherung der Kinder wichtig erschien, stieg die Mutter kurzerhand freiwillig und ohne sich weiter Gedanken zu machen in den Kofferraum des Fahrzeugs."

Vorbildlich immerhin, "dass alle vier Kinder durch Sicherheitsgurte und Rückhalteeinrichtungen ordnungsgemäß gesichert waren". Zudem hält Polizeihauptkommissar Georg Fritsch den Eltern zugute, dass der Nachhauseweg nicht mehr weit gewesen sei. Und schließlich habe die Kontrolle"bei allen Fahrzeuginsassen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen". Festzuhalten bleibt aber auch: "Natürlich ist das Verhalten der Mutter, wie auch des verantwortlichen Fahrers, nicht in Ordnung. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Wäre es zu einem Verkehrsunfall gekommen, möchte man über die Folgen gar nicht nachdenken."

Die Polizeibeamten hätten die "einsichtigen, von der Kontrolle erkennbar mitgenommenen" Eltern eindringlich belehrt und es bei einer mündlichen Verwarnung belassen. Ausreichend Plätze hat der Ford deshalb natürlich immer noch nicht. Aber auch hier hilft die Polizei. Die Streife bringt die Mutter im Dienstwagen nach Hause. Sie darf auf dem Rücksitz Platz nehmen.

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