19.02.2018 - 17:22 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Kein Weihwasser, kein Friedensgruß: Kirchen schützen sich vor Influenza Grippe lässt grüßen

Es schnieft an allen Ecken: Seit Freitag erreichten das Gesundheitsamt Neustadt/WN 60 weitere Fälle von an Influenza erkrankten Personen - Tendenz steigend. Schutz gibt es kaum gegen die Viren, die etwa an Treppengeländern und in der Luft lauern. Einige Kirchen greifen nun zu ungewöhnlichen Mitteln.

von Julia Hammer Kontakt Profil

Weiden/Neustadt. Sie sind unsichtbar und aggressiv: Influenzaviren. "Die Inkubationszeit ist kurz. Durchschnittlich beträgt sie ein bis zwei Tage, dann bricht die Influenza aus", informiert das Gesundheitsamt Neustadt/WN. 230 Fälle gebe es aktuell in Weiden und dem Landkreis. Täglich kommen neue dazu. Eine Entwicklung, die nun auch in den Gottesdiensten zu spüren ist.

Die Pfarrei Herz-Jesu in Weiden leerte das Weihwasserbecken und verzichtete auf den Friedensgruß, um die Gläubigen vor einer gegenseitigen Ansteckung zu schützen. Doch wie sieht es in den anderen Pfarreien aus? "Das Weihwasser haben wir noch nicht weg, denken aber stark darüber nach", berichtet Dekan Johannes Lukas von der Pfarrei St. Konrad Weiden . Am Sonntag habe er allerdings darauf verzichtet, die Gläubigen zum Friedensgruß aufzufordern: "zu hohes Risiko".

In der Pfarreiengemeinschaft Vohenstrauß-Böhmischbruck steht den Gottesdienstbesuchern weiterhin Weihwasser zur Verfügung. "Ob sie das am Sonntag benutzt haben, kann ich nicht beurteilen. Ich war stark erkältet", lacht Dekan Alexander Hösl. Auf den Friedensgruß verzichtet die Pfarrei derzeit auch. "Die Leute wollen das nicht, haben Angst, sich anzustecken. Der Gruß soll die Menschen zusammenbringen, sie wollen sich dabei wohlfühlen, sich nicht überwinden müssen. Auch ein Lächeln, ein Blick können verbinden, dafür muss man sich nicht unbedingt berühren." Dieser Ansicht ist auch Josef Häring, Stadtpfarrer von St. Georg in Neustadt/WN . "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute allgemein nicht gerne anfassen - ist wohl die Oberpfälzer Mentalität. Die wenigsten sind böse, wenn wir während der Influenza-Welle auf den Friedensgruß verzichten."

In allen fünf Messen am vergangenen Sonntag habe er die Leute aufgefordert: "Freundlich zunicken, das reicht. Überall schwirren Viren herum." Weihwasser gebe es weiter in St. Georg. "Das finde ich auch nicht so tragisch. Die Menschen trinken es ja schließlich nicht." Einige hätten sich dennoch die Hand gegeben, "aber das ist ihre Entscheidung".

Doch gibt es auch Ansteckungsgefahren in evangelischen Gottesdiensten, bei denen die Gläubigen auf Friedensgruß und Weihwasser verzichten? "Nach dem Ende des Abendmahls geben wir uns die Hand. Über mögliche Viren machen wir uns keine Gedanken", erklärt der Weidener evangelische Dekan Wenrich Slenczka. Ein Abendmahl gibt es bei den Protestanten nur in besonderen Gottesdiensten. Slenczka verabschiedet sich am Kirchenausgang auch weiterhin von jedem Gottesdienstbesucher mit Handschlag.

Ist es nicht unhygienisch, wenn alle aus demselben Kelch Wein trinken? Nein, ist sich der Geistliche sicher. "Wir desinfizieren den Rand mit Alkohol. Viele tauchen die Oblate nur in den Wein und trinken nicht aus dem Gefäß. Das hat aber nichts mit der Influenza zu tun." Auch ein Arzt habe ihm bestätigt, dass die Ansteckungsgefahr durch das Trinken des Weines nicht höher sei, als die Wahrscheinlichkeit, Viren aus der Luft aufzuschnappen. Angemerkt

Influenza liegt in der Luft

Es ist schnell passiert: Influenza. "Die Übertragung der Viren erfolgt meist durch Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen entstehen", informiert das Gesundheitsamt. Auch durch den Kontakt der Hände zu Oberflächen, die mit "virushaltigen Sekreten kontaminiert sind", kommt es zu einer Übertragung. "Vor allem, wenn die Viren mit Mund oder Nase in Kontakt kommen. Kurzer Hautkontakt reicht, um sich anzustecken." Untersuchungen, die eine Verbreitung der Viren durch Wasser belegen, seien nicht bekannt. "Wenn auch eine Gefährdung als unwahrscheinlich eingeschätzt wird, kann eine Übertragung bei Keimbelastung nicht ausgeschlossen werden." Die Gefahr, sich durch die Luft anzustecken, sei deutlich höher. (juh)

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