17.10.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kepler-Schüler erstellen Reiseführer über Macerata Gelebte Städtepartnerschaft

Städtepartnerschaften sind nicht als Familientreffen für Stadträte gedacht, sondern als Begegnung von Jonas und Vittoria, Jacques und Vaclav. Diesen Leitgedanken erfüllt das Italienisch-P-Seminar des Kepler-Gymnasiums auf originelle Weise mit Leben.

Wie viel Platz bekommen die Museen und welchen die Sportangebote? Die Schüler des Italienisch-P-Seminars am Kepler-Gymnasium müssen für ihren Reiseführer über Macerata bewerten, aussieben, layouten und texten. Für fachliche Fragen stehen ihnen Joachim Strehl und Norbert Wittmann (stehend, von links) vom Städtepartnerschaftsverein zur Seite. Bild: Schönberger
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Macerata? So heißt der Platz vor der Volksbank. Viel mehr wussten acht Mädchen und ein Junge nicht über die italienische Partnerstadt, als sie vergangenes Jahr in die Q 11 aufrückten. Ihre Lehrerin Diana Wagener hatte die Idee, das zu ändern. Als Mitglied im Städtepartnerschaftsverein hatte sie zusammen mit ihrer Kollegin Ursula Bock die Vorstellung, ihre Italienisch-Schüler einen Reiseführer über Macerata erstellen zu lassen. Das sollte kein Baedeker werden, der die mittelalterliche Geschichte der Stadt wiederkäut, sondern einer, der speziell jungen Leuten praktische Tipps für einen Trip in die Marken gibt.

Man darf gespannt sein. "Im Januar sollte es fertig sein", mahnt Ursula Bock ihre Truppe zur Eile. Danach könnten sich die Jugendlichen auf ihr Abitur im Mai konzentrieren. Noch aber sind einige Eindrücke von einer Recherche-Reise ganz frisch. Vier P-Seminaristen und Ursula Bock sahen sich vor kurzem zweieinhalb Tage vor Ort um. Der Leiter des Macerateser Tourismusbüros, Pierluigi Tordini, betreute die Gäste dabei persönlich. Der Städtepartnerschaftsverein sponserte den Aufenthalt mit 1000 Euro. Auch von der Stadt gab's einen Zuschuss.

Dafür sollte es keine Vergnügungstour sein, auch wenn die Autoren noch von der heißen Schokolade im Café "Maga Cacao" schwärmen. Das ist einer der Hotspots für den Reiseführer. Das Werk dürfte älteren Nutzern interessante Einblicke in die Denke junger Traveller vermitteln. So können die Keplerianer mit der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts im Palazzo Ricci wenig anfangen, finden aber das Kutschenmuseum ganz cool. Dort gibt es Laser-Screens und einen Simulator, der einen am eigenen Leib erfahren lässt, wie sehr es den Italienreisenden Goethe vor 230 Jahren auf den Straßen durchgeschüttelt hat.

Beim Gespräch mit einheimischen Studenten erfuhren die Keplerianerinnen, dass am Abend die Discothek "Tartaruga", zu deutsch "Schildkröte", angesagt ist. Ebenfalls hip: die Bar "Fabric". Die Gymnasiasten empfehlen aber ebenso altehrwürdige Sehenswürdigkeiten wie das Theater Lauro Rossi oder die Freiluft-Arena Sferisterio.

Was aber macht die Partnerstadt jenseits von Kultur, Sport und Lokalen aus? Das erkunden die Schüler in Interviews mit Ulderico Orazi und Norbert Wittmann. Orazi ist Verbindungsstadtrat nach Weiden und kann gut beurteilen, was Deutschen an seiner Stadt gefällt. Wittmann kennt Macerata wie kein zweiter Weidener. Kurzzeitig hat er sogar dort gelebt. Heute arbeitet er als Stadtplaner im Rathaus. Er betreut das Projekt des Kepler intensiv und wird den Reiseführer auch mal durchredigieren.

Orazi wird den Lesern des Werks in anderer Form noch öfter begegnen. Die Keplerianer fanden ihn auf Anhieb so sympathisch, dass er auf jeder Seite als Maskottchen in Form der drolligen Maus namens "Ulderico" auftaucht.

Auftritt im Fernsehen

In welcher Form der Macerata-Reiseführer erscheinen wird, ist noch nicht klar. Entweder gibt es eine reine Online-Version oder eine Print-Ausgabe. Letztlich hängt es auch vom Geld ab. Sponsoren sind den Keplerianern daher willkommen. Sie selbst haben ebenfalls Großzügigkeit bewiesen und der Macerateser Vizebürgermeisterin Federica Curzi eine Spende für die Erdbebenopfer in der Partnerstadt überreicht. Das würdigte auch der lokale Fernsehsender Emmaus-TV, der einen Beitrag über das Projekt der deutschen Freunde sendete. (phs)

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