12.03.2017 - 13:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kliniken AG erarbeitet Konzept gegen Delir Zu viel Lärm auf der Intensivstation

Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser sollen Menschen geheilt werden. Eigentlich. Denn Lärm und falsches Licht machen krank. Am Klinikum Weiden will man dies ändern.

Über Maßnahmen zur Bekämpfung der Delir-Krankeit spricht Dr. Florian Neuhierl vor dem internationalen Publikum des Kongresses "Engineering Trends". Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Noch vor wenigen Jahren galt es in der Medizin als normal, wenn Patienten nach einer Operation erst einmal geistig verwirrt waren und noch Orientierungsprobleme hatten. Heute hat man längst erkannt, dass es sich dabei um ein Krankheitsbild handelt: Delir. Es basiert im Wesentlichen aus einem mehr oder weniger starken Gehirnversagen. Das Klinikum in Weiden hat jetzt ein Maßnahmekonzept entwickelt, das vorbeugend gegen Delir wirken soll. Dr. Florian Neuhierl, Oberarzt an der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin, stellte es beim OTH-Kongress "Hospital Engineering Trends" einem internationalen Publikum vor.

Wachgerüttelt worden sei die Medizin durch eine klinische Wissenschaftsstudie aus dem Jahr 2012: Viele Patienten, die an einem Delir von bis zu drei Tagen litten, erreichten nicht mehr den vorherigen Ausgangszustand ihrer Gehirnleistung. Bei längerem Delir blieben starke Folgen für das Gedächtnis. Laut Neuhierl haben andere Untersuchungen ergeben, dass 48 Prozent der Schlaganfallpatienten ein Delir erleiden. Delir werde ausgelöst durch bestimmte Umgebungsfaktoren in den Kliniken, die vor allem in den Intensivstationen vorherrschen.

Lärmspitzen bis zu 90 Dezibel seien in einer Studie in der Frühschicht auf einer Intensivstation gemessen worden. Patienten seien auch zahlreichen Dauergeräuschen wie zum Beispiel dem Sauerstoffgerät mit 53 Dezibel ausgesetzt. Mehr als die Hälfte der Patienten müsste am Tag schlafen, weil nächtliche Geräusche den normalen Schlafrhythmus stören. Je länger der Patient diesen Faktoren ausgesetzt ist, desto größer das Risiko der Entstehung eines Delirs. Neuhierl stellte die Maßnahmen vor, die Delir entgegenwirken sollen: Wenn Patienten aus der Narkose aufwachen, sollten sie nicht flach liegen und an eine leere Decke starren. Gegen Lärm helfen Ohrstöpsel. Neu sei in Weiden, das Bett, das in "30-Prozent-Hochlage" gebracht werde. Große Fenster auf der Station sollen Tageslicht bringen und den "Blick auf die Stadt" ermöglichen. Sehr wichtig sei auch, mit den Patienten zu kommunizieren.

"Am besten ist das Ein-Bett-Zimmer", stellte Neuhierl fest: Patienten bräuchten Platz, "um ins Leben zurückzufinden". Generell teilt er die erforderlichen Maßnahmen in "Lärm-Management und Licht-Management" ein. Schritt für Schritt werde am Klinikum Weiden versucht, die Stationen "nachzurüsten". Die Intensivstation der Zukunft sei allerdings nur langsam zu verwirklichen: Alle Arbeitsabläufe müssten von einem Team aus vielen Fachrichtungen untersucht und einbezogen werden.

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