30.04.2018 - 12:46 Uhr
Oberpfalz

Klinikum organisiert gut besuchten Diabetikertag Mit Diabetes leben

Wer zum Diabetiker wird, muss sich damit abfinden, dass die Krankheit ihn das ganze Leben lang begleitet. Wie man damit zurechtkommt, war beim Diabetikertag zu erfahren.

Großes Publikumsinteresse am Diabetikertag in der Personalcafeterie des Klinikums in Weiden
von Siegfried BühnerProfil

Rein rechnerisch hat jeder zehnte Mensch Diabetes. Entsprechend groß war das Interesse beim 21. Weidener Diabetikertag. Weil Diabetes die Patienten lebenslang begleitet und von ihnen eine tägliche Selbstbehandlung erfordert, stelle die Krankheit auch unter psychischen Aspekten eine besondere Herausforderung dar, legte Diplom-Psychologe Dr. Berthold Maier aus Bad Mergentheim in seinem Vortrag dar. "Wie gelingt es, sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren?", lautete seine Ausgangsfrage.

Durchhänger und Krisen sollten möglichst vermieden werden. Risiken würden auch von "verzerrten Wahrnehmungen" über die tatsächliche Lebensführung entstehen. "Formulieren Sie sich immer wieder neue Ziele, zum Beispiel zu Gewicht, Blutdruck oder Blutzucker." Sie sollten möglichst schriftlich abgefasst werden und konkret sein, wie zum Beispiel: "3000 Schritte auf dem Schrittzähler" oder "Joggen bei jedem Wetter". Vertrauenspersonen sollten über das Krankheitsbild eingeweiht werden. So könnten auch Angehörige und Freunde unterstützen. Man könne auch ein Esstagebuch führen, Selbsthilfegruppen besuchen und sollte regelmäßigen Kontakt zum Diabetologen halten.

Ratschläge für Diabetiker aus medizinischer Sicht wurden in weiteren Vorträgen formuliert. Chefarzt Professor Dr. Frank Kullmann wies darauf hin, dass Diabetiker im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung das doppelte Herzinfarktrisiko hätten. Es gebe einen Zusammenhang zwischen Unterzucker, Herzfrequenzanstieg, Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße und Herzrhythmusstörungen. Kontrolliert werden müssten auch andere Faktoren wie Blutdruck und Blutfette. Kullmann empfahl, Diabetes auch frühzeitig, "aber nicht mit einer zu raschen Blutzuckersenkung" zu bekämpfen. Es sollte der individuell richtige Blutzuckerwert angestrebt werden. Ausführlich beschrieb er auch die zur Verfügung stehenden Diabetes-Medikamente und nannte Metformin als "erste Wahl".

Laut Kullmann gibt es eine große Zahl "unerkannter Diabeteserkrankungen". Das Thema diskutierte er dann auch mit dem Publikum und empfahl ab dem 50. Lebensjahr einen "großen Gesundheitscheck", bei dem "als spezieller Laborwert" der HbA1c-Wert (Blutzuckerlangzeitwert) gemessen werde.

Über Fettstoffwechselstörungen sprach Dr. Franz Beckmann, Leitender Arzt am FfH-Nierenzentrum Weiden. Ausgangspunkt sei der Zusammenhang zwischen Nierenerkrankungen, hohen Blutfettwerten und einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen. Ausführlich erläutert wurden im Vortrag LDL- und HDL-Cholesterinspiegel sowie das Neutralfett Triglyceride. Wenig Aussagekraft hätte der Gesamtcholesterinwert. Beckmann empfahl einen LDL-Wert unter 120 und einen HDL-Wert über 40 und Neutralfette unter 150. Diabetiker sollten einen LDL-Wert unter 100 haben, was Beckmann als "ehrgeizig" beschrieb. Erhöhte Blutfettwerte seien bei Diabetikern besonders gefährlich.

Begrüßt worden waren die Besucher eingangs von Chefarzt Kullmann und Karl-Heinz Stupka vom Diabetikerbund Bayern. Die Moderation hatten Dr. Susanne Friedrich-Kraus und Dr. Georg Aderbauer übernommen. Eine große Ausstellung über Hilfsmittel für Diabetiker ergänzte das Programm.

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