14.07.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kochkurs für angehende Studentinnen am Elly-Heuss-Gymnasium Rezept fürs Studentenleben

Als frischgebackene Abiturientinnen haben sie von Mathe und Fremdsprachen eine Menge Ahnung. Nicht aber unbedingt davon, wie und was sie für sich gesund und günstig demnächst in der Studentenbude kochen sollen. Deshalb sitzen am "Elly" einige Schülerinnen freiwillig nach. In der Mensa.

Festmahl am Schluss: Alle Speisen werden gemeinsam genossen.
von Externer BeitragProfil

Als erstes riecht man den Zimt. Schon im Treppenhaus ist er zu erschnuppern. Süßlich, appetitanregend. Als sich dann die Küchentür öffnet, strömt einem eine Wolke weiterer Gerüche entgegen: Mit dem Zimt vermischen sich der Duft von Schnitzel und noch viele weitere, in diesem Moment kaum definierbare Geruchsnoten. Hinter der mittig im Raum stehenden Kücheninsel hören derweil fünf junge Frauen der Köchin zu. Sie erklärt die Zubereitung des guten, alten Schnitzels.

Günstig, aber gesund

Diese Szenen spielen sich nicht in einem Restaurant ab, sondern in der Mensa des Elly-Heuss-Gymnasiums. Beim ersten Teil der "Studentenküche". Fünf frischgebackene Abiturientinnen und das Team der Mensaküche unter der Leitung von Tina Pregler kochen bei diesem Angebot gemeinsam einige Gerichte der Mensa-Karte nach. Ziel: Die jungen Frauen auf ein Leben außerhalb der Schule und weit weg von zu Hause vorzubereiten. Ein Leben, in dem nicht "Hotel Mama" oder die Schulmensa jeden Tag gesundes Essen vorsetzen - in dem die angehenden Studentinnen selbst kochen müssen.

Unter anderem steht eine Bolognese-Soße auf dem Plan. Pregler kippt klein geschnittene Zwiebeln in eine Pfanne und brät sie an. Während alles vor sich hinbrutzelt, widmet sich die Köchin dem Fleisch. Zur Überraschung ihrer Schülerinnen hält sie eine Discounter-Packung Hackfleisch in der Hand. "Grundsätzlich ist es schon so, dass Metzgerfleisch immer besser und frischer ist", erklärt sie. Aber Discounter-Ware könne genauso alles andere als schlecht sein.

Sie zeigt anhand der Packung, worauf es bei Fleisch aus dem Supermarkt ankommt: Es soll neutral riechen, keine grauen Stellen haben und die Verpackungsfolie glatt sein.

Die Initiative zur "Studentenküche" war von den "Ellys" selbst gekommen. Vielen war gegen Ende ihrer Schulzeit klar geworden, wie wertvoll das Mittagessen in der Mensa eigentlich für sie ist: Gesundes zu einem angemessenen Preis ist eben nicht selbstverständlich. Die Sorge vor täglicher Tiefkühlpizza und Leberkässemmel wuchs. Als Pregler davon erfuhr, hatte sie eine Idee: Warum den Abiturientinnen nicht zeigen, wie es geht? Also arbeitete sie zusammen mit den jungen Frauen ein Konzept aus. Einfache, gesunde Rezepte für jeden. Gerichte, die die Schülerinnen kennen und lieben.

Fast wie im Wirtshaus

Zurück im Kochkurs: Nach der Bolognese ist eine Bechamel-Soße an der Reihe. "Das ist eine helle Grundsoße, die bestens für die Herstellung vieler anderer Lebensmittel geeignet ist", erklärt Pregler, während sie Butter in einen Topf gibt. "Heute machen wir daraus eine Champignon-Soße."

Sobald die Butter flüssig ist, gibt sie Mehl, Milch und Wasser zu. Auch hier schauen die Abiturientinnen genau auf Preglers Finger und greifen schließlich selbst an. Sobald die frischen Champignons und verschiedene Gewürze im Topf schwimmen, wird probiert. Sie schmeckt fast schon so, wie man sie aus dem Gasthof kennt. Dass eine so gute Soße so schnell geht und so wenig Aufwand benötigt, überrascht.

Hochkonzentriert beobachten die angehenden Studentinnen die Köchin. Bierernst geht es trotzdem nicht zu - ein paar Späße gibt es immer wieder. Die gute Stimmung liegt auch daran, dass Pregler schon während der Oberstufenzeit ein gutes Verhältnis zu den jungen Frauen hatte. "Es ist mir wirklich eine Freude, das heute zu machen", erklärt sie lächelnd. "Es macht mir Spaß, mit den Mädels zu kochen." Ein Kompliment, das ihre Mädels gerne zurückgeben.

Salzig und süß

Nach einstimmigem Lob zur Soße kümmert sich die "Studentenküche" um die schon am Morgen vorbereiteten gefüllten Zucchini und überbackt sie mit Käse. Sobald diese wieder im Ofen sind, geht es mit den Rohrnudeln weiter. Dabei gibt Pregler zu, dass die Gruppe an diesem Tag bereits Schwierigkeiten mit dem dafür nötigen Hefeteig hatte. "Die Maschine wollte mich heute früh einfach ärgern", erzählt sie, während sie die Nudeln auseinanderzieht. Sobald diese mit Puderzucker bestreut sind, kommen sie auf einen Tisch in der Mensa. Dort lagern alle fertigen Gerichte, die im Kurs entstanden sind. Dazu zählen auch Zucker-Zimt-Schnecken, Hefetaler, Kokos-Vanille-Pudding mit heißen Himbeeren oder Kartoffelsalat.

Als die Frage aufkommt, ob die Schülerinnen bei sich zu Hause auch schon gekocht haben, geht ein verlegenes Lächeln durch die Runde. "Ja, schon. Nudeln und Reis mit Päckchen-Soße oder so", gibt eine der Abiturientinnen zu. Das ist ein weiterer Grund für Pregler, den jungen Frauen auch Soßen-Rezepte beizubringen. "In diesen Päckchen-Soßen sind so viele ungesunde Inhaltsstoffe", sagt sie. "Sucht mal im Internet nach all den Zusatzstoffen, die da hinten drauf stehen. Da wird euch schlecht."

Umso besser kommt dafür die "Studentenküche" an. Das wird am Ende sehr deutlich. Die Frauen haben in sechs Stunden neben elf Rezepten noch viel mehr gelernt: über Inhaltsstoffe, Tipps und Tricks in der Küche und Möglichkeiten, gesundes Kochen mit Sparen zu verbinden.

Fünf Euro wegen der Unkosten haben die "Ellys" für alles berappen müssen. Dafür lernen sie nicht nur eine Menge, sie bekommen das Gekochte natürlich selbst. Außerdem hat Pregler für sie ein liebevoll gestaltetes Heftchen mit insgesamt vierzig Rezepten aus der Mensaküche, Tipps für den Einkauf, die Hygiene in der Küche und in der Waschmaschine. So sind sie in ihrem baldigen Studentenleben gut ausgerüstet - und haben ein Stück "Elly" immer bei sich.

Aus Tina Preglers Rezepte-Heft

Pfannkuchen (für bis zu 15 Personen)

Zutaten: 1 l Milch, 5 Eier, 500 g Mehl, 80 g Zucker, 1 Prise Salz. Zubereitung: Die Milch mit den Eiern, Zucker, Salz gut vermischen, das Mehl zugeben und nochmal gut durchrühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Den Teig ca. 10 Minuten ruhen lassen. In einer beschichteten Pfanne etwas Öl bei mittlerer Stufe erhitzen, einen Schöpfer Teig in die Mitte der Pfanne geben und durch Drehen der Pfanne den Teig verlaufen lassen. Kurz backen und dann mit Hilfe einer Holzspatel den Pfannkuchen wenden.

Gemüsechili (für bis zu 10 Personen)

Zutaten: 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 500 g Zucchini, je eine Paprika (rot, gelb, grün), 1 Päckchen passierte Tomaten, 2-3 frische Tomaten, 1 Dose weiße Bohnen mit Soße, 1 Dose Kidneybohnen, 1 Dose Mais, 500 ml Brühe, Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer, Kreuzkümmel, etwas Zucker. Zubereitung: Die Zwiebel und den Knoblauch klein schneiden und in etwas Olivenöl andünsten. Zucchini und Paprika waschen, in kleine Stücke schneiden und mit dünsten, dann mit Brühe aufgießen. Die passierten Tomaten sowie die weißen Bohnen, Kidneybohnen, Mais und die frisch gewürfelten Tomaten dazugeben und gut durchrühren. Mit den Gewürzen abschmecken und bei geringer Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen.

Hackfleisch-Soße (für bis zu 10 Personen)

Zutaten: 600 g Hackfleisch, 1 Zwiebel, 1 bis 2 Knoblauchzehen, 1 Päckchen passierte Tomaten, Salz, Pfeffer, Brühepulver, Pizzagewürz, nach Geschmack Chili-Pulver. Zubereitung: Die Zwiebeln und den Knoblauch klein schneiden. Das Hackfleisch in etwas Öl heiß anbraten, die Zwiebeln und den Knoblauch dazugeben, mit den passierten Tomaten auffüllen, würzen und bei geringer Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen. Für eine schärfere Soße Chili-Pulver zugeben.

Sucht mal im Internet nach all den Zusatzstoffen, die da hinten drauf stehen. Da wird euch schlecht.Tina Pregler

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