18.01.2018 - 14:07 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Kolumne: OTon Höher, schneller, weiter

Zufriedenheit ist selten geworden. Selbst das Beste reicht manchmal nicht mehr aus. Alles soll noch größer, schneller und schöner sein. In gleichem Maße wie unsere Gier wächst, schrumpft aber unser Bewusstsein dafür, einfach mal dankbar zu sein für das, was wir schon haben. Dass wir so gut leben können, ist nämlich nicht selbstverständlich.

Viele Menschen sind unzufrieden, weil sie immer mehr haben wollen und vergessen, für das dankbar zu sein, was sie schon haben.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Ich bin in einer Welt groß geworden, in der ich nur die Hand ausstrecken muss, schon habe ich, was ich brauche - oder besser gesagt, was ich meine, zu brauchen. Im Supermarkt bin ich überfordert, weil es so viele Käsesorten gibt, dass ich Wochen bräuchte, um alle ausgiebig zu testen. Und im Dekoladen reiht sich ein schönes Teil an das andere. Zu widerstehen fällt mir da nicht leicht, dabei habe ich schon so viele Sachen. Wirklich brauchen tue ich davon nichts. Aber im Laden ist alles neuer, vielleicht auch schöner als das, was zuhause liegt. Mit diesem Streben nach immer Besserem bin ich nicht allein. Die Unzufriedenheit verbreitet sich wie eine chronische Krankheit in unserer Gesellschaft. Und ich habe das Gefühl, es wird immer schlimmer.

Wenn ich dann aber zu Besuch bei meinem Opa und meiner Oma bin, merke ich, wie glücklich wir sein können, in einer Zeit wie dieser aufgewachsen zu sein und überhaupt etwas unser Eigen nennen zu dürfen. Meine Großeltern erzählen oft davon, wie zufrieden sie heute sind. Sie haben alles, was sie brauchen: Familie, Garten und Gesundheit. Materielles ist ihnen nicht so wichtig. Oma und Opa haben beide schon harte Zeiten durchgemacht. Heute leben sie im Vergleich wie die "Könige in Frankreich", genauso wie ich und viele andere in unserem Land. Nur, dass es oft zu selbstverständlich geworden ist, wenn man auf seinem Sofa sitzt und in eine Decke eingekuschelt das Geschehen auf dem Fernseher verfolgt - dabei vielleicht noch einen Teller deftige, dampfende Nudeln mit Soße auf dem Schoß. Wenn ich aber dann von meinen Großeltern nachhause gehe, sehe ich die Welt wieder mit anderen - zufriedeneren - Augen. Mir wird bewusst, was wirklich im Leben zählt: Gesundheit, Freunde und Familie. Ein Grund mehr, meinem Opa und meiner Oma öfter einen Besuch abzustatten.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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