Kolumne: OTon
Ich bin ein Kind der 90er

(Foto: dpa)

Kinder, wie die Zeit vergeht. Wer kennt sie noch, die Diddl-Mäuse, Benjamin-Blümchen-Hörkassetten, den Furby oder das Yo-Yo? Die Jüngeren unter euch kratzen sich vermutlich gerade verwirrt am Kopf. Diddl-Was? Na, diese großen Plüschmäuse in Latzhosen mit noch größeren Füßen und eigenen Notitzblättern zum Sammeln. In den 90ern waren die der Hit.

Da gab es die Diddl-Maus, die vor einem Kaktus flüchtet, Tiger-Diddl im Urwald oder zehn Mäuse, die huckepack gestapelt auf einem Fahrrad balancieren. Auf dem Schulhof "dealten" die Mädchen geradezu damit. Besonders begehrt waren Diddl-Blätter mit goldener Schrift. Es hieß, die sind selten. Sogar Diddl-Papier, das duftete, wenn man mit dem Finger darüber rubbelte, kam auf den Markt. Ich besaß alles. Mein Ordner füllte sich nach jedem Geburtstag, Namenstag und Ostern wieder ein Stück mehr. Neue Motive gab es schließlich genug, in groß, klein und mini. Auf meine Sammlung war ich mächtig stolz, und rückte ungern Schätze raus. In Verhandlungen mit Mitschülern war ich deshalb knallhart.

Die 90er prägten aber nicht nur Diddlmäuse. Mit Polly Pocket beschäftigte ich mich genauso gern. Auf eine Handfläche passte ein ganzes Cinderella-Schloss. Alles war im Mini-Format: Kutsche, Prinz, die gute Fee. Das faszinierte mich. Hatte ich genug davon, legte ich mir eine Benjamin-Blümchen-Kassette in den Rekorder und ließ mich vom freundlichen Elefanten-"Töööröööö" oder dem neugierigen "Sensationell" der rasenden Reporterin Karla Kolumna unterhalten. Vielleicht der Grund, warum ich heute selbst eine Karla Kolumna bin. Legte ich meine Hörkassetten nicht ordentlich in die Hülle zurück, verhedderten sich die Tonbänder und ich musste sie mit einem Stift wieder aufwickeln. Kinder der 90er, ihr wisst Bescheid. Hach, was für eine schöne Zeit.

Die 2000er waren dann schon digitaler. Für mich eröffneten sich die Weiten des Internets und damit hing ab und zu auch der Haussegen schief. Zum Beispiel zu ICQ-Zeiten. Viele Stunden verbrachte ich auf dem Stuhl vor diesem klobigen Kasten, den man Computer nannte, um zu chatten. Als mein Vater am Monatsende die Rechnung öffnete, traf ihn fast der Schlag. Über hundert Deutsche Mark. Das gab Ärger. Weil die Kosten im nächsten Monat nicht weniger wurden, ließen sich meine Eltern schließlich für eine Flatrate erweichen. Halleluja. Der Weg für die digitalen 2000er war damit geebnet. Trotzdem werde ich den Satz "Geh aus dem Internet, ich muss telefonieren" vermissen. Ganz 90er eben.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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