Kolumne: OTon
Ich habe noch nie ...

Das Musikfestival Lollapalooza. (Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)

"Ich hab noch nie Titanic gesehen. Oder einen Star-Wars-Film." Das löst bei meinen Gesprächspartnern meistens Entsetzen aus. Sage ich dann: "Ich habe noch nie ein Videospiel gespielt", werde ich noch komischer angeschaut. Dabei gibt es bei mir ziemlich viele "Ich habe noch nie"-Dinge.


Mir ist es in letzter Zeit öfter passiert, dass ich gesagt habe: "Das hab ich noch nie gemacht." Zum Beispiel: Bei einem Pullover trennt die Naht auf. Den will ich aber unbedingt retten. Also: Mama muss her. "Kannst du das nicht selber?" Nein. Ich hab noch nie genäht. Nicht mal einen Knopf.

Ich lese: Blutspende-Termine ganz in der Nähe. Würde ich gerne mal. Hab ich aber noch nie. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich lasse mich ungern piksen. Ich hab mir auch noch nie ein Körperteil gebrochen - darüber bin ich froh. Ich habe mich noch nie geprügelt. Ich glaube aber nicht, dass ich da etwas verpasst habe. Und ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei. Zum Glück.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sachen fallen mir ein: Ich habe noch nie Chucks getragen. Ich war noch nie auf einem Festival. Ich habe noch nie ein Buch nicht zu Ende gelesen. Ich war noch nie alleine im Urlaub. Ich habe noch nie getwittert. Ich habe noch nie Fußball gespielt. Ich habe noch nie Karaoke gesungen. Ich habe noch nie eine Mutprobe gemacht. Ich habe noch nie etwas aus Höflichkeit gegessen, obwohl es mir eigentlich nicht schmeckte. Ich habe noch nie eine fremde Zahnbürste benutzt. Ich habe noch nie versucht, auf einen Baum zu klettern. Die Liste ist ewig.

Erst vergangenen Sommer habe ich ein "Ich habe noch nie" in ein erstes Mal umgewandelt: Ich habe tatsächlich unter freiem Himmel geschlafen. Aber: Da wird es bei dem ersten Mal bleiben. Das war mir zu gruslig. Aber andere Sachen will ich noch angreifen. Auf jeden Fall. Irgendwann.


OTonWir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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