24.08.2017 - 14:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kolumne: OTon Lesestoff für die einsame Insel

Drei Bücher für eine einsame Insel? Eine schwierige Entscheidung. Über der Frage brüte ich schon längere Zeit.

Bild: Gerhard Götz
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

François Armanet stellte Schriftsteller aus aller Welt über mehrere Jahre die Drei-Bücher-Frage. Umberto Eco („Der Name der Rose“) hatte im Jahr 2006 geantwortet: „Wenn ich zwei Tage auf der Insel bleiben soll, würde es mir reichen, eine Ausgabe des Nouvel Obs (dabei handelt es sich um ein französisches Nachrichtenmagazin; Anm. d. Red.) mitzunehmen. Wenn ich so lange bleiben muss wie Robinson, bräuchte ich 50 000 Bände aus der Bibliothek, die ich zu Hause habe. Deswegen würde ich das Telefonbuch mitnehmen. Mit all den Namen könnte ich unendlich viele Geschichten schreiben.“ Da ich aber bei Weitem nicht so talentiert bin wie Umberto Eco, müsste ich mir etwas anderes einfallen lassen.

Charmanter finde ich da schon die Antwort des algerischen Schriftstellers Boualem Sansal: „Drei Bücher und Schluss? Auf einer einsamen Insel braucht man eine Menge Dinge, um sich dem Wüten der Zeit zu widersetzen: eine sich alle fünf Jahre erneuernde Bibliothek, Fernsehen, Internet mit Skype, einen Billard-Tisch, einen Deltasegler, eine Sporthalle, und man braucht Freunde, am besten Schiffbrüchige, die etwas zu erzählen haben. Man braucht was man braucht. Was sollte man sonst auf einer einsamen Insel machen?“ Auch wenn ich mir bei dieser Antwort sofort wünsche, schiffbrüchig zu werden, kann ich die Antwort nicht gelten lassen.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton. Das heißt allerdings nicht, dass ich mich nach langem Überlegen zu einer Antwort durchgerungen habe. Heute denke ich so, morgen so. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Da lobe ich mir meinen Kollegen. Er brauchte einen Tag, um sich für drei Druckerzeugnisse zu entscheiden. In seinem Koffer landen Judith Schalanskys „Atlas der abgelegenen Inseln: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und nie sein werde“ und Herbert Rosendorfers „Briefe in die chinesische Vergangenheit“. Bei seiner dritten Wahl trickst er etwas. Nicht in dem Maße von Boualem Sansal. Sondern so, dass ich die Antwort noch zählen lassen kann. Mein Kollege würde sich für ein Abo des Neuen Tags per Nachsendeantrag entscheiden. Jeden Tag Lesestoff und die neuesten Nachrichten von Burglengenfeld bis Auerbach – Chapeau!

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