19.01.2017 - 18:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kolumne: OTon Oh Schreck, ein Scheck

Kürzlich fischte ich einen Brief meiner Vermieterin aus meinem Postkasten. Auf dem Weg ins Haus zurück drehe und wende ich den Umschlag. "Es wird doch keine Mieterhöhung sein?", denke ich. "Ach geh', sie hätte mich sicher vorher angerufen", versuche ich mich zu beruhigen.

So sieht ein Euroscheck aus. Immer weniger Menschen benutzen ihn als Zahlungsmittel. Archiv: dpa |
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

In meiner Wohnung reiße ich ungeduldig das Kuvert auf und ziehe eine dreiseitige Nebenkostenabrechnung heraus. Als ich die Blätter auseinanderfalte, fällt ein Zettel, so groß wie ein Überweisungsschein, auf den Tisch. "Ups, ich habe wohl zu viel Wasser oder Strom verbraucht oder die Heizung zu sehr aufgedreht - und muss nachzahlen", denke ich. Formulare und Behördenschreiben sind mir ein Graus, im Studium wälzte ich gerne den ungeliebten Papierkram auf meine Eltern ab. Übung im Lesen der Nebenkostenabrechnung habe ich nicht, eine so ausführliche, manchmal verklausulierte Auflistung aller Kosten - für meine Wohnung und das ganze Haus - habe ich noch nie gesehen. Immer wieder schaue ich auf den Überweisungsträger. Als ich nach einiger Zeit endlich kapiere, dass ich nicht zu wenig, sondern zu viel an meine Vermieterin bezahlt habe, freue ich mich. Der Überweisungsschein entpuppt sich bei genauester Prüfung als Scheck.

Problem gelöst? Denkste! Wie verwandelt man das Stück Papier in Bares? In der Arbeit erhalte ich von einem amüsierten Kollegen den Rat, einfach zu meiner Bank zu gehen, und mir den Scheck auszahlen zu lassen. Am nächsten Tag verlege ich die Mittagspause in den frühen Nachmittag hinein, damit die Bank wieder geöffnet ist. Doch dort erhalte ich keinen Cent in bar. "Wir können Ihnen das Geld überweisen", schlägt der Angestellte vor und zieht das Formular aus einer Schublade hervor. Doch diese Überweisung kostet - und ich will die Auszahlung nicht minimieren. Der Banker rät mir, zu dem Institut zu gehen, das den Scheck ausgestellt hat. Also gut. Ich laufe los, hetze einmal quer durch die Stadt. Bei der zweiten Bank muss ich meinen Ausweis vorlegen, die Angestellte kopiert und speichert alle Daten. - Reichlich Aufwand für nicht einmal 30 Euro in bar.

Früher war es ja üblich, Schecks zu verteilen und zu erhalten, erzählen mir Eltern und ältere Freunde. Für mich war es nun das erste Mal, dass ich damit in Berührung kam. Sollte ich nächstes Jahr wieder bei den Nebenkosten gespart haben, weiß ich ja jetzt Bescheid.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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