01.02.2018 - 11:27 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Kolumne: OTon Schön anständig

"Sei nur immer schön anständig" -  ein Rat, den mir meine Eltern mit auf meinen Weg gegeben haben. Einer, den ich immer versuche zu befolgen. Das erwarte ich auch von meinen Mitmenschen: Anstand. Doch scheint das jeder anders zu definieren.

Freundlichkeit kann ansteckend sein. Ein nettes Wort zur Verkäuferin lohnt sich auf jeden Fall.
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Reicht es schon, in der Bäckerei die Verkäuferin zu grüßen? Bei der Bestellung der Breze "Bitte" und "Danke" zu sagen? Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Und dennoch fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen das nicht tun. Für mich gehört es zum Grundverständnis des Anstands zu grüßen, wenn ich einen Raum oder ein Geschäft betrete. Oder eben zu bitten und zu danken.

Kann es denn sein, dass viele nicht so denken? Dass viele meinen, sie müssten sich nicht um ein freundliches Miteinander bemühen? Macht das diese Personen dann zu "unanständigen" Menschen? Vielleicht haben die, die ich beim Einkaufen beobachtet habe, schlecht geschlafen, sind krank oder einfach mal schlecht drauf. Das kenne ich auch. Aber kann da die Kassiererin im Supermarkt etwas dafür? Die schlechte Laune an ihr auszulassen, wäre mehr als ungerecht. Freundlichkeit ist außerdem ansteckend. Schon mal ausprobiert? Einfach mal ein nettes "Hallo" mit einem Lächeln an den Verkäufer/die Verkäuferin schicken - und schon kommt ein freundliches Wort zurück.

Anständig zu sein heißt aber nicht, sich alles gefallen lassen zu müssen. Wenn einer meiner Mitmenschen meint, mich grundlos blöd anzureden, kann auch ich mal unfreundlich werden. Wer kann schon von sich behaupten, ein Heiliger zu sein? Andere zu kritisieren fällt einem immer leichter, als bei sich selbst anzusetzen. Wer hat nicht schon mal über den Autofahrer vor sich geschimpft, weil er zu langsam war? Also ich schon.

Mir fällt immer wieder ein Spruch ein, den mein Opa oft gesagt hat:  "Wenn alle so wären wie ich sein sollte." Die Ansprüche, die man an andere stellt, auch bei sich selbst anwenden. Nicht nur von anderen verlangen, nett und respektvoll zu sein, sondern auch an sich arbeiten und überlegen: Wie würde ich selbst gerne behandelt werden und welches Verhalten erwarte ich von meinen Mitmenschen? Der Spruch "Wie man in den Wald hinein schreit, so kommt es auch zurück" kommt nicht von ungefähr.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp