Kolumne: OTon
Selbst ist die Frau - oder auch nicht ...

Bild: Schönberger

Malm, Pax und Kallax? Kein Problem, Ikea-Möbel bau ich im Schlaf auf. Eine Wohnung fleckenlos streichen? Kann ich. Ebenso: Wasserhähne reparieren. Der Werkzeugkasten unter meinem Bett rüstet mich für alle Eventualitäten. Außer, wenn es um mein Auto geht. Davon hab ich keine Ahnung und trau mich auch nicht ran. Zu groß ist die Angst, was kaputt zu machen. Blöd nur, dass mit der Karre immer irgendwas ist.

So auch letztens: Federbruch! Für die Zwischenzeit leih ich mir das Auto meines Bruders. Zwei Wochen später bin ich zum Essen verabredet. Anschließend sollte es weiter nach Regensburg zum Rücktausch gehen. 45 Minuten vor dem verabredeten Zeitpunkt stehe ich am Parkplatz. Die vergangenen Nächte lagen die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Nach 20 Minuten hatte ich das Auto endlich von Schnee und Eis befreit und steige ein.

Dann der Schock: kein Leuchten im Display, der Schlüssel lässt sich nicht drehen. Mir schwant übles. Hilflos ruf ich meinen Papa an. „Musst halt überbrücken“, lautet sein pragmatischer Tipp aus der Ferne. Überbrückungskabel? Keine Ahnung, ob das Auto sowas hat. Außerdem würd ich eh nicht rankommen: Kofferraum ist zugefroren und lässt sich auch mit Gewalt nicht öffnen. Ich stapfe los. Zwei Häuser weiter kann ich einen älteren Herren überzeugen, mir sein Kabel zu leihen. Im Radgeschäft gegenüber findet sich ein junger Mechaniker mit Überbrückungskompetenz.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Kurze Zeit später brummt das Auto wieder. Ich steige ein und düse los. Keine zwei Meter gefahren, fängt die Kiste an zu piepsen. „Ja, willst du mich denn verarschen?“, fauche ich das Auto wütend an. „Kofferraum offen“, lautet die Antwort des Displays. Die Kofferraumklappe bewegt sich keinen Millimeter - weder in die eine, noch in die andere Richtung. Genervt, fluchend, durchgefroren, dafür mit gemütlichen 120 km/h, aus Angst, die Klappe könnte plötzlich aufgehen – für mich wohl die größte Strafe - tuckere ich über die Autobahn. Komme gut 15 Minuten zu spät zu meiner Verabredung. Innerlich freue ich mich schon auf die Weiterfahrt, endlich wieder Gasgeben.

Denkste: Zwei Stunden später macht die Kofferraumklappe immer noch keine Anstalten, sich zu bewegen. Ich lasse den Motor an – immerhin das funktioniert: „Kofferraum offen!“ Also weiter im Schneckentempo. „Fahr nicht so schnell“, kommt es jedes Mal vom Beifahrersitz, wenn mich das Kriechen auf der rechten Spur dann doch zu sehr nervt und ich zum Überholen ansetze. Endlich angekommen, tausche ich das kaputte, blöde Auto gegen mein frisch repariertes. Die Heimfahrt macht endlich wieder Spaß. Am Abend baue ich dann das neue Küchenregal auf. Alleine! Ha!
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