Kolumne: OTon
Um Himmels Willen! Eine Weihnachtskolumne

Weihnachten kann als Erwachsener auch magisch sein. Allerdings muss man sich selbst darum kümmern. Und am schönsten ist es immer noch bei der Familie. (Foto: dpa)

Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon Donnerstag, 22. Dezember. Noch zwei Mal schlafen, dann ist Heiligabend. Aktueller Zwischenstand: der Baum steht, die Lichterkette hängt, die Kugeln auch. Das Menü für den 24. Dezember ist ausgesucht. Fleisch und Wein eingekauft, die restlichen Zutaten auch. Geschenke sind besorgt. Vorbildlich! Weihnachtsstress? Nullkommanull.

Ich gebe es gerne zu, ich bin ein Weihnachtsmonster. Ich habe es gerne perfekt. Geerbt habe ich das wohl von meiner Mutter, allerdings in abgeschwächter Form. Sie ist das ganze Jahr über am Deko-Suchen und nennt eine stattliche Schneemann-Sammlung ihr Eigen. Spätestens Mitte November fängt sie an, Plätzchen zu backen. Sie lacht jedes Jahr herzlich über den gleichen Weihnachtsfilm und legt sich richtig ins Zeug, um die Feiertage für alle perfekt zu machen. Das bewundere ich.

Warten aufs Christkind

Vor allem, als wir noch Kinder waren, war Weihnachten wundervoll. Wir durften ab dem 23. Dezember nicht mehr ins Wohnzimmer. Die Tür war zu, weil das Christkind den Baum schmückte. Durch das Schlüsselloch schauten wir nicht, um das Christkind nicht zu verärgern. Wir waren brave Kinder und wagten es nicht.

Am Heiligabend schien die Zeit nicht zu vergehen. Wir wuselten aufgeregt durchs Haus. Am Nachmittag zogen meine Schwester und ich unsere schicksten Kleider an, dann gingen wir alle in die Kirche. Nach der Kinderchristmette hielten wir die Spannung kaum noch aus. Also heim, in die Küche und warten aufs Christkind. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte ein Glöckchen und kündigte die Bescherung an. Die Wohnzimmertür öffnete sich. Der Baum strahlte und funkelte, ansonsten war alles dunkel. Wir hörten "Stille Nacht" und standen wie verzaubert vor dem Christbaum. Nach dem Lied ging es dann endlich los mit der Bescherung. Päckchen wurden aufgerissen, Geschenkpapierkugeln durchs Zimmer geworfen, der Hund freute sich über die Geschenkpapierschleifen, die wir ihm umhängten.

Zeiten ändern sich

Oma und Opa kamen dazu. Im Esszimmer war alles festlich geschmückt. Das traditionelle Weihnachtsessen war das Beste am Fest. Es gab jedes Jahr Backschinken im Brotteig, von uns heißgeliebt. Nach dem Essen saßen wir alle zusammen und spielten bis spätabends. Weihnachten war wundervoll!

Als Erwachsener ändert sich dann vieles. Man wohnt nicht mehr bei seinen Eltern, feiert den Heiligabend nicht mehr miteinander. Eine schwierige Situation, für beide Seiten. Mir ging es jedenfalls die ersten Jahre so. Plötzlich war ich selbst verantwortlich, dass Weihnachten so magisch wird, wie es früher war. Aber ich habe bei einem Profi gelernt. Also mache ich, was meine Mutter schon immer macht: Ich stöbere nach Dekoration, backe Plätzchen, schmücke den Baum und die Wohnung. Erst am ersten Weihnachtsfeiertag geht's in die Kirche. Danach fahren wir endlich zu meinen Eltern. Und dann fühlt sich Weihnachten an, wie damals als Kind. Und ich stehe heute noch mit leuchtenden Augen vorm Weihnachtsbaum.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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