15.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kranke Hände, kranker Mensch

Schon Albrecht Dürer hat sie gemalt. Auf Stoppschildern gebieten sie Einheit. Die menschlichen Hände sind nicht nur ein Sinnes- und Tastorgan, sondern auch Ausdruckssymbol. Sind sie krank, leidet der ganze Mensch.

"Passen Sie auf Ihre Hände auf!" Das empfiehlt Oberarzt Ahmet Mestan. Mit Oberarzt Dr. Thomas Neubauer Gartzke (links) informiert er über Hand-Probleme. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Selten gibt es medizinische Vorträge über Krankheiten der Hände. Schließlich geht es bei den Händen nicht um Leben und Tod. Dennoch kann der Zustand der Hände entscheidend für die Lebensqualität eines Menschen sein, denn über dieses Sinnes- und Tastorgan wird auch viel von der Umwelt wahrgenommen. Weil das so ist, wurde das Thema "Wenn die Hände nicht mehr so wollen - orthopädische Ursachen" in die medizinische Vortagsreihe 2017/18 am Klinikum Weiden aufgenommen. Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke, zuständig für Handchirurgie, sprach mit Oberarzt Ahmet Mestan über dieses Thema.

"Fast 30 einzelne Knochen und viele Sehnen, Nerven und Arterien haben unsere Hände", begann Neubauer-Gartzke. Deshalb seien die Hände auch sehr verletzungsgefährdet. Statistiker hätten ausgerechnet, dass sich die Hände im Leben eines Menschen im Durchschnitt 25 Millionen Mal beugen und strecken müssten. Der Chefarzt zählte eine lange Reihe der häufigsten Beschwerden und Missbildungen an Händen auf. Dazu zählt der so genannte Schnappfinger, die Sehnenscheideentzündung sowie die Dupuytren-Krankheit, bei der sich in der Nähe der Fingergelenke ein gutartiger Tumor bildet. Meistens können dabei einzelne Finger nicht mehr gestreckt werden. Weitere Stichworte waren Überbeine und das Nervenengpass-Syndrom als eine Art Nervenquetschung.

Die Ursachen der Schädigungen und Missbildungen liegen laut Neubauer-Gartzke teils in Überreizungen, teils in Stoffwechselerkrankungen. Manchmal seien Ursachen auch noch nicht bekannt. Wenn "konservative Behandlungen" wie Schmerzmittel, Salben oder Ruhigstellung nicht mehr helfen, wären operative Eingriffe erforderlich. Diese könnten fast immer ambulant erfolgen. Physiotherapeutische Maßnahmen unterstützen den Heilungsprozess.

Oberarzt Mestan erweiterte dann die Liste der Handkrankheiten und Missbildungen. Angesprochen wurden Schädigungen von Bändern, Knorpeln, auch des "Mondbeins", einem Handwurzelknochen. Erläutert wurden auch rheumatische Beschwerden, "bei denen die Hände fast immer beteiligt sind", und die Fingergelenksarthrose. Der Oberarzt zeigte Hilfen auf, die operative Eingriffe liefern können, wenn Schmerzmittel, Ruhigstellen, Hyaluronsäure oder Eigenfett-Transplantation nicht mehr helfen können.

Manchmal müsste "prophylaktisch operiert werden", damit sich Wucherungen nicht in Sehnen fressen. Ein defektes Mondbein könne durch die Implantation eines Beckenknochenstücks ersetzt werden. Häufig befreie auch die Versteifung eines Handwurzelknochens von den Schmerzen. Es gebe Silikonimplantate an Fingergelenken, Ersatzsehnen, notfalls eine Handprothese.

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