Kriebelmücken verursachen schwerwiegende Bissfolgen
Wen kriebelt's?

 
Eine Salbe kann helfen: Heilpraktikerin Judith Ignaszak kennt sich mit den Bissfolgen der Kriebelmücke und hilfreichen Hausmittelchen aus. Bild: Dreßler

Übel geschwollene Knöchel, Waden oder Unterarme als Reaktion auf Mückenstiche werden immer häufiger. Schuld daran soll nicht zuletzt die Kriebelmücke sein. Ein Anstieg der Art konnte in den letzten zwei Jahren beobachtet werden. Mit gravierenden Folgen.

In der schwülen Sommerluft fühlen sich die blutsaugenden Insekten pudelwohl. Wenn man das Summen der Mücken im Schlafzimmer hört, ist es oft schon zu spät. Es gibt aber auch Mücken, die fliegen lautlos an ihre Opfer. Der Mückenstich macht sich als kleiner, roter, juckender Punkt bemerkbar. Normalerweise sind die Stichstellen nicht größer als ein Zwei-Cent-Stück. In den vergangenen Jahren nahmen aber andere Auswirkungen zu.

Besonders heftige Reaktionen treten nach dem Biss einer Kriebelmücke auf. Dabei handelt es sich um ein blutsaugendes Insekt, das eher einer kleinen Fliege ähnelt. Sie sticht auch nicht. Sie beißt. Und: Sie nähert sich lautlos. Ihre Spezialspucke mit Blutgerinnungshemmern und Giftstoffen macht den betroffenen Menschen nach dem Biss zu schaffen. Rötungen, starke Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen treten neben Juckreiz auf. "Die Patienten wissen oft gar nicht, was los ist. Teilweise schwellen ganze Unterarme, Unterschenkel oder Knöchel an", meint Heilpraktikerin Judith Ignaszak.

Diese Entwicklung bestätigt auch Kinderärztin Claudia Lauterbach. "Die Mückenstiche schwellen zunehmend heftiger an", sagt sie. Sie beobachte in ihrer Praxis verstärkte lokale Reaktionen bei kleinen Patienten. Persönlich führt sie das auch auf vermehrte Umweltgifte und Spritzmittel zurück, die beim Stich zusätzlich in den Körper gelangen. Allergisch könne man auf Mückenstiche jedenfalls nicht reagieren.

Angstkäufe


"Die Stiche, beziehungsweise Bisse, können sehr problematisch sein und bis zur Blutvergiftung führen", weiß auch Beate Kojetin von der St. Georgs-Apotheke-Neustadt. Zur Kriebelmücke sagt sie: "Das ist der Horror. Es brennt wie Feuer und tut weh." Früher habe fast niemand so reagiert. Heute würden die Stichstellen quasi explodieren. Frei verkäufliche antiallergische Säfte und Hydrocortison würden deshalb immer häufiger nachgefragt. "Die Menschen bevorraten sich regelrecht." Auch vorbeugende Mückensprays seien bei den Kunden beliebt.

Überfragte Ämter


Keinerlei genauere Angaben zu den Bissfolgen oder vermehrtem Auftreten der Kriebelmücke kann Johannes Weig vom Gesundheitsamt machen. "Wir haben keine Meldungen zu gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund des Tieres", erklärt er. Die Mückenart gebe es bei uns. Allerdings seien weder Mücken noch Insektenstiche eine meldepflichtige Gesundheitsgefährdung, meint Weig. Es könne deshalb gut sein, dass die Beobachtungen der Kollegen zutreffen. Auch Stadtförster Wolfgang Winter kennt den bissigen Plagegeist. Dieses Jahr habe ihn die Kriebelmücke bisher verschont. "In anderen Jahren war ich persönlich schon mehr betroffen."

Bei weniger schlimmen Verläufen könne man sich auch mit Hausmittelchen gegen den Juckreiz behelfen. "Bemerkt man den Biss direkt, ist es wichtig, das Kühlen zu unterlassen und stattdessen einen erwärmten Löffel auf den Stich zu drücken. Das zerstört die Struktur des Mückensekretes. Besteht bereits eine Schwellung ist aber Kühlung angesagt, um die Entzündung einzudämmen", erläutert Ignaszak. Salben mit pflanzlichen Bestandteilen, die kühlen oder Arnika und Ringelblume sollen ebenfalls Erleichterung bringen. "Essig auf der Stichstelle lindert den Juckreiz", verrät Kinderärztin Lauterbach. Schwillt der Stich stark an oder entzündet er sich, sei ein Arztbesuch dringend anzuraten.

Bild: dpa/P. Hartmann

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