09.05.2018 - 13:18 Uhr
Oberpfalz

Kunstverein bietet Kino aus der Region Zwischen Feinsinn und Provokation

"Kino im Kunstverein". Ein Slogan, der auf dem besten Weg scheint, zur festen Einrichtung im Weidener Kulturleben zu werden. Filmemacher aus der Region stellen dabei ihre Werke vor.

Film ab... für eine weitere Folge von "Kino im Kunstverein". Diesmal begrüßen Wolfgang Herzer (links) und Tobias Punzmann (rechts) den Regensburger Regisseur Hans Schröck. Bild: hll
von Autor HLLProfil

Wie auch beim Abend mit Erik Grun vor wenigen Wochen präsentiert sich bei der zweiten Auflage der neuen Reihe ein Cinéma-Connaisseur aus der Regensburger Szene. Es ist ein Wiedersehen mit bereits bekannten Gesichtern vor und auf der Leinwand.

Wie gewohnt hingebungsvoll kuratiert von Tobias Punzmann, steht an diesem Abend Hans Schröck im Mittelpunkt, der dem Wiederholungsbesucher bereits als Darsteller in so einigen Grun-Filmen bekannt gewesen sein dürfte. Schröck, im Alltag beschäftigt als Heilpraktiker, Masseur und medizinischer Bademeister, ist eigenproduzierender Filmemacher aus Leidenschaft und hat seine letztendliche Berufung über die Mitwirkung in verschiedenen Regensburger Theatern gefunden. Und wie Vorgänger Grun ist auch er so etwas wie ein Oberpfälzer Robert Bresson, zumindest was den Aspekt betrifft, ausschließlich mit Amateur-Schauspielern zu arbeiten und aus ihnen das Maximum herauszuholen.

Der Kino-Abend dient zudem als kleine Werkschau und erlaubt Einblicke in die künstlerische Entwicklung des Regisseurs im Laufe der letzten zehn Jahre, angefangen bei seinem Erstlings-Kurzfilm "Erstkontakt", gefolgt von "Der Weltverdruss", einem Streifen, der bereits einige Motive des Hauptfilms vorwegnimmt: etwa das erzählerische Talent Schröcks für unverhoffte wie plötzliche Wendungen sowie die Thematisierung von Missbrauch innerhalb der Kirche.

Letzteres findet schließlich seine Fortsetzung im Krimi "Schneehuhn ermittelt", der demzufolge die Provokation nicht scheut in seiner Darstellung von beflecktem Kirchenmilieu und Regensburger Schwulenszene. Doch nichts kommt, wie man es womöglich erwarten mag, und so ist der Geistliche, um den es sich anfangs dreht, nicht die klassische vorgeblich vorbildliche wie hochangesehene Figur, die schließlich tief fällt, sondern von Anfang an ein alkoholkrankes Wrack mit langen, fettigen Haaren. Bis zum unweigerlichen Mord irrt es versoffen und verranzt durch die Stadt wie seinerzeit Pete Doherty bei seiner Regensburger Eskapade in die Filmlandschaft.

Und dann ist da eben der Kommissar, Schneehuhn mit Namen, meisterlich interpretiert von Werner Rösch. In seiner Darstellung irgendwo zwischen Maigret, Clouseau und Gustl Bayrhammer zu dessen Tatort-Tagen, verleiht Rösch dem Werk eine zutiefst bayerische Seele, zwischen Feinsinn, Leichtigkeit und heimatlichem Grant. So trinkt er Wein im Biergarten, betört die Diözesen-Sekretärin, ist aber auch einer Weißwurst am Morgen nicht abgeneigt.

Alles in allem ein liebevoll gestalteter Charakter zwischen intellektuell anmutenden Sinnsprüchen und Bodenständigkeit, dem man in kriminalistischen wie religiös-geistlichen Dingen nichts vormachen kann, denn das einzige an das er glaubt ist, "dass ein Pfund Rindfleisch eine gute Supp'n gibt". Ein Film, der geradezu nach einer Fortsetzung verlangt - und logischerweise auch nach einer Rückkehr in den Kunstverein zu einem künftigen Kino-Abend.

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