Kunstvolles Frauenbild in Porzellan

Uhrgehäuse "Stadtbild", Entwurf von Hertha Bucher, 1925
 
"Die ersten Rosen", Ida Schwetz-Lehmann 1924
 
"Rosenwunder", Ida Schetz-Lehmann, vor 1938

Die Arbeit wurde anfangs von nur zwei Modelleuren und Künstlern bewältigt. Diese waren "Entwurfslieferanten", arbeiteten als "freie Mitarbeiter". Ungewöhnlich war auch, dass bald insbesondere gut ausgebildete Frauen als Entwerferinnen tätig waren. Sie sorgten dafür, dass Augarten Wien zu einer der wichtigsten Porzellanmanufakturen in Europa wurde. Eine Ausstellung im Porzellanikon würdigt jetzt dieses Unternehmen.

Hohen Besuch erhielt die österreichische Firma 1962: Jackie Kennedy besuchte 1962 die Porzellanmanufaktur Augarten Wien, als sie ihren Ehemann, den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy 1962 zum legendären Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow begleitete. Jetzt zeigt das Porzellanikon in Hohenberg an der Eger in ihrer Ausstellungsreihe "Die großen Manufakturen" die Präsentation "Augarten Wien: Golden Twenties, Swinging Fifties".

Zur Ausstellung, die in Kooperation mit dem Porzellanmuseum im Augarten erstellt wurde und von der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten GmbH unterstützt wird, gibt es einen bebilderten Katalog der Wiener Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin Claudia Lehner-Jobst.

Im Zentrum der Sonderausstellung steht das Schaffen der 1923 gegründeten Wiener Porzellanmanufaktur. Vorgestellt werden zwei künstlerisch herausragende und äußerst erfolgreiche Dekaden des jungen Unternehmens. 280 Exponate aus dem Bestand des Porzellanmuseums im Augarten Wien und aus dem Besitz zweier Privatsammlungen aus Österreich zeichnen die wichtigsten, innovativsten und künstlerisch bedeutendsten Schaffens- und Themenschwerpunkte der 1920er/30er und 1950er Jahre in zahlreichen Kapiteln. Die gezeigten Stücke entführen in zwei Räumen in eine phantasievoll gestaltete Welt aus Porzellan. Bemerkenswert ist, dass die gezeigten Stücke nicht ausschließlich aus früheren Kollektionen entnommen wurden, sondern auch aus der aktuellen Produktion stammen, neue Entwürfe junger Designer sind.

Die Manufaktur wurde 1718 in Wien gegründet. Der Hochadel und ausländische Gesandte trugen zum Aufschwung und zur künstlerischen Inspiration der ersten Wiener Porzellanmanufaktur bei. Kaiserin Maria Theresia war begeistert vom künstlerischen Schaffen der Manufaktur und prägte es stilistisch durch ihre Vorliebe für eine eigenständige figurale Plastik. 1864 wurde die kaiserliche Manufaktur geschlossen, 1923 jedoch neu gegründet. Neben der Wiederaufnahme und Fortführung des Traditionsporzellans wurde jetzt auch eine Plattform für den Jugendstil geschaffen.

Ziel war es, "Qualitätsware mit ausgesprochenem künstlerischen Charakter herzustellen, die den Ruf des österreichischen Porzellans ins Ausland tragen sollte", erklärt Thomas Miltschus, Kurator am Porzellanikon. Finanzielle Unterstützung erhielt die Manufaktur bei der Wiedergründung durch Hofrat und Bankier Friedrich Wilhelm Gutleben aus Bayern. Und wieder machte die Manufaktur mit kunstvollen Plastiken auf sich aufmerksam. Innerhalb von zwei Jahren entstanden 80 Figurenmodelle und 50 Tierfiguren - zusätzlich zum selbstverständlich ebenfalls produzierten Geschirr.

Die Frauen hatten eine gute Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule erhalten. Mitunter abschätzig als "Weiberwirtschaft der Keramikweiber" kritisiert, verbanden die Mitarbeiterinnen das Wissen um die Eigenschaften des Materials Porzellan mit bildhauerischer Qualitätsarbeit. Bereits 1925 präsentierte sich die Manufaktur mit von Künstlerinnen entworfenen Porzellanen auf der legendären "Exposition des arts décoratifs" in Paris. "Vermutlich macht dies den besonderen Charme der Figuren aus", mutmaßt Thomas Miltschus.

Die in Hohenberg gezeigten Objekte aus zwei Epochen erzählen jedes für sich eine kleine Geschichte. Die Exponate sind von den jeweiligen Künstlerinnen mit unglaublicher Liebe zum Detail gestaltet. Mal ist es ein erhobener Finger, ein wacher Blick, ein schelmisches Lächeln oder eine Sandalenschnalle, die den Figuren eine besondere Lebendigkeit verleihen. Die Figuren scheinen eitel oder frech, sanft oder sportlich, mädchenhaft oder verrucht. Es empfiehlt sich, für den Besuch der Ausstellung Zeit einzuplanen, um auf die vielen kleinen Einzelheiten besonderes Augenmerk zu legen.

Form und Bemalung fesseln das Auge, weiten die Fantasie des Betrachters. Die Figuren spiegeln das Rollenbild der emanzipierten Frau, verbinden mitunter Weiblichkeit und eine gewisse Frivolität, offensichtliche und versteckte Verweise mit hoher ästhetischen Ausdruckskraft und Detailverliebtheit. Im Vordergrund der 1920er und 1930er Jahre stehen Frauendarstellungen als Spiegelbild der sich wandelnden Rollen in der Gesellschaft.

Zu den feinsten figürlichen Objekten Augartens zählen die Entwürfe von Mathilde Jaksch. Ihr gelang es, der Kleinskulptur aus Porzellan mit ihren zartgliedrigen, pastellfarben staffierten Gruppen und Figuren durch virtuose Modellierung höchsten Ausdruck zu verleihen. Ihre Gruppe "Peripherie" oder die "Fischerin", aber auch die unbemalte Figur "Pyjama", die ein neues, salonfähiges Kleidungsstück der emanzipierten Dame illustriert, bezaubern mit der Ausstrahlung ihres Zeitgeistes trotz des miniaturhaften, intimen Formats. Der Betrachter spürt die "Wiener Seele".

Ein weiterer Schwerpunkt der Figurenproduktion ist von den Musiktheatern Wiens inspiriert. Eine Reihe von Porzellanplastiken Augartens der 1920er und 1930er Jahre beschäftigen sich mit der künstlerischen Herausforderung, die Bewegung des Tanzes festzuhalten, stand doch der Tanz ebenfalls durch neue Kompositionen von Richard Strauss im Zentrum des zeitgenössischen Bühnengeschehens an der Wiener Oper.

Nach dem Ausstellungsende wird die Präsentation in Wien gezeigt. Damit ist das oberfränkische Porzellanikon international unterwegs.

ServiceAusstellung: "Augarten Wien Golden Twenties - Swinging Fifties". Bis 3. Oktober.

Ort: Porzellanikon Hohenberg, Schirndinger Straße 48, 95691 Hohenberg an der Eger.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag/Feiertage 10 bis 17 Uhr.

Information: 09233/7722-11

E-Mail: dpm@porzellanikon.org

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Weitere Informationen:

www.porzellanikon.org

Bild: © Porzellanikon/Andreas Gießler

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