11.09.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kurios, was Hotelgäste alles so mitgehen lassen Clopapier und Wasserspender

Bademäntel und Handtücher - geschenkt. Jeder weiß, dass die in Hotels gerne mal eingepackt werden. Doch das ist beileibe nicht alles, was die Gäste so mitgehen lassen. Mitunter beweisen die Diebe ganz kuriose Vorlieben.

Radiowecker mit Ketten gesichert? Spaß beiseite. Ganz so martialisch geht Juniorchef Thomas Heigl nicht vor, um sein Inventar im "Klassik-Hotel am Tor" vor Dieben zu schützen. Tatsächlich benutzt er Kabelbinder, um die Stromkabel von Weckern und Nachttischlampen zusammenzuzurren, damit die Geräte nicht abwandern. Bild: gsb
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Weiden/Neustadt. Zum Beispiel für Klopapierrollen. Die gehen im Hotel Igel in Püchersreuth weg wie die warmen Semmeln, verrät Chefin Beate Bothner. "Vielleicht haben wir ein zu gutes Luxuspapier", rätselt sie schmunzelnd. Was die Gäste sonst noch gerne einstecken? "Obst" kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. "Was wir zum Frühstück aufdecken, wird ganz, ganz gern als Tagesverpflegung eingesackt". Dabei sei das - wie in jedem Hotel - nur zum Verzehr vor Ort vorgesehen. Beate Bothner hat deshalb umgestellt: "Bei uns gibt's fast kein Obst mehr zum Frühstück, sondern Gemüse." Das ist als Tagesvorrat weit weniger begehrt.

Zu helfen weiß sich offensichtlich auch Juniorchef Thomas Heigl vom Klassik-Hotel am Tor in Weiden. Er hat die Stromkabel von Radioweckern und Nachttischlampen mit Kabelbindern zusammengezurrt. "Da bräuchte man schon einen Seitenschneider, um das zu lösen." Und welcher Gast hat den schon im Gepäck. So aber bleiben die Radiowecker vor Ort. Die wandern in anderen Hotels gerne mal in den Koffer, hat er gehört. "In München sollen sie sogar schon mal ein Bett aus einem Hotel gestohlen haben. Oder einen Fernseher oder einen Stuhl. So etwas gab's bei uns noch nie."

Jim Beam und Bilder

Überhaupt seien Diebstähle relativ selten in seinem Hotel. Selbst der Schwund von Handtüchern und Bademänteln sei gering. Als "Klassiker" bezeichnet Thomas Heigl dafür die kleinen Schnapsfläschchen aus der Minibar, "weil die recht teuer sind." Zwei Zentiliter Jim Beam, Fränkische Pflaume oder andere Obstler: "Die verschwinden schnell in der Tasche." Das Kurioseste, das ihm mal abhanden kam, waren zwei Bilder aus einem Lithographie-Zyklus "Die vier Jahreszeiten". "Die hingen bei uns im Treppenhaus. Eines Tages waren nur noch zwei da. Dabei waren das keine wertvollen Werke."

Fernbedienungen oder Zimmerschlüssel vermisst er dagegen öfter mal. "Solche Dinge werden in der Regel versehentlich eingesteckt, und die Gäste schicken sie dann wieder zurück." Meistens jedenfalls, schränkt Thomas Heigl ein. Denn auch hier erinnert er sich an einen ungewöhnlichen Vorfall. "Ein Mitarbeiter vom Bauhof hat uns mal angerufen, dass sie bei Straßenreinigungsarbeiten einen Zimmerschlüssel von uns gefunden haben." Die Nachforschungen des Juniorchefs ergaben dann, das gute Stück war bereits seit fünf Jahren abgängig. Bilderklau, davon kann auch Josef Heining ein Liedchen singen. Deshalb hat der Juniorchef des Hotels "Zur Heimat" die Bilder in den Zimmern inzwischen festgeschraubt. So kann nichts mehr passieren, meint er. "Die wenigsten Gäste haben ein Werkzeug dabei." Überhaupt hat er festgestellt: "Gestohlen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist." Bei ihm auch die Klassiker Handtücher und Bademäntel. "Pro Jahr sind das etwa 20 Bademäntel." Noch größer ist der Schwund beim Besteck. "30 bis 50 Besteckteile pro Jahr. Das wird ja nicht täglich nachgezählt, deshalb fällt es erst bei größeren Veranstaltungen wieder auf."

Metalldetektor für Besteck

Ähnliche Erfahrungen hat auch Beate Bothner schon gemacht. Doch sie geht davon aus, dass dieser Verlust zum Großteil hausgemacht ist. "Besteck wird vom Personal bei der Mülltrennung gerne mal in den falschen Eimer geworfen, und dann ist es weg. Deshalb gibt's dafür eigens Metalldetektoren." Sie habe zwar noch kein derartiges Gerät, "aber ich hab' schon mal darüber nachgedacht, so etwas anzuschaffen."

Josef Heining vermutet, dass der ein oder andere Gast so ein Besteckteil als Andenken mitgehen lässt. "Bei diesen Diebstählen geht es nicht um Bedarf, sondern um ein Andenken oder um den Kick." Der Adrenalinkitzel dürfte bei einigen Gegenständen, die im Hotel "Zur Heimat" bereits abhanden kamen, ganz schön heftig ausgefallen sein. "Vom Kerzenleuchter über Dekoration bis hin zum Wasserspender ist alles schon gestohlen worden." Ein Wasserspender? "Ja. Der fasst sicher fünf Liter." Die dürfte der Hotelgast vermutlich geleert haben, bevor er das gute Stück in seinem Koffer versenkte. (Angemerkt)

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