28.06.2017 - 20:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landgericht Weiden verurteilt 32-jährigen Pakistani zu viereinhalb Jahren Haft Facebook verrät Schleuser

Das Landgericht Weiden hat am Mittwoch ein viertes Mitglied eines Schleuserrings zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der geständige Pakistani (32) ist Schwiegersohn eines der ungarischen Drahtzieher. Er begleitete im Juli 2014 die Kunden in Budapest von den Flüchtlingscamps zum Lastwagen.

Symboldbild: Volker Hartmann/dpa
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Der Mann verdiente damit innerhalb von vier Wochen mindestens 14 000 Euro - 50 Euro pro Kopf. 278 Personen enthält die Anklage von Staatsanwalt Christian Härtl. Die Bilder sind noch lebhaft in Erinnerung: 76 Pakistani und Afghanen drängten sich im Juli 2014 auf der Ladefläche eines Kleinlasters, als die tschechische Polizei die Plane aufhob. "Darunter waren ältere Herrschaften, Kinder", erinnert sich ein Waidhauser Bundespolizist als Zeuge vor Gericht. Die deutschen Beamten waren damals bei der Festnahme an der Autobahn bei Tachau dabei. Es handelte sich um den letzten von fünf Transporten.

Die beiden Fahrer (40 und 50) waren zunächst in Pilsen zu je drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Weiden legte im Januar für sie noch drei bzw. dreieinhalb Jahre drauf. Acht Jahre gab es für einen Spediteur (52), der in Ungarn festgenommen und direkt nach Weiden ausgeliefert worden war. Alle drei waren Ungarn.

Facebook verräterisch

Dem Pakistani kamen die Ermittler über mehrere Wege auf die Spur. Zum einen nannten die Schleuserfahrer einem Mithäftling ("Hammerweg-Räuber") in der Zelle seinen Namen. Zum Zweiten tauchte auf Handys von Flüchtlingen die Nummer des 32-Jährigen auf, der per SMS Bescheid bekam, wenn man Deutschland erreicht hatte. Schließlich verriet ihn auch noch sein Facebook-Account. Unter "Beziehungsstatus" hatte der junge Mann die Tochter eines Bandenführers markiert.

Die Festnahme gelang über die Auswertung seines Western-Union-Kontos, wozu die Waidhauser Ermittlungsbeamten Kontakt mit dem amerikanischen Anbieter von weltweitem Bargeldtransfer aufnahmen. Auf dem Konto des Pakistani gingen im Sommer 2014 erhebliche Zahlungen aus Griechenland, Serbien, Mazedonien ein, beispielsweise am Tag der dritten Fahrt 1000 Euro von einem arabischen Einzahler. Die Polizei fand heraus, wo der Angeklagte sein Geld abhob - und griff zu.

Es gab zwei Kundenkreise. Zum einen Migranten, die ab Afghanistan und Pakistan eine "Garantieschleusung" zum Festpreis von 800 bis 1100 Euro pro Person buchten. "Die Schleusung wird durchgehend organisiert, mit Statthaltern auf der Strecke", erklärte ein Bundespolizist. Andere waren als Flüchtlinge in Budapest gestrandet und nutzten das Angebot spontan. Der Angeklagte nannte am Mittwoch die Namen von drei Werbern, die in ungarischen Camps um Passagiere warben.

Verteidiger Stephan Schütz riet seinem Mandanten sinnvollerweise zum Geständnis. Dies und die Aufklärungshilfe waren maßgeblich für das Strafmaß von "nur" 4,5 Jahren verantwortlich, so Vorsitzender Richter Walter Leupold. Er honorierte damit auch die Aussage des Pakistani im Prozess gegen die drei Komplizen. Leupold ging von einer untergeordneten Rolle aus. Anderes sei nicht nachweisbar, auch wenn die Fahrer ihn einmal als "Kopf der Bande" bezeichneten, der mit Schleusungen eine Million Euro verdient habe.

Sohn eines Beamten

Wortkarg berichtete der 32-Jährige aus seinem Leben. Sein Vater ist Beamter in Pakistan. Mit Anfang 20 kam der Angeklagte nach Griechenland, später nach Serbien und Ungarn, wo sein Asylantrag abgelehnt wurde. Mit einem gefälschten englischen Pass wollte er nach England aufbrechen, kam aber nur bis Budapest. Es folgten sieben Monate Haft. Danach habe er sich mit Jobs durchgeschlagen, Gyros geschnitten. Dabei lernte er die Ungarin kennen, die er nach islamischem Ritus heiratete. Man hat einen Sohn (1). (Seite 6, Angemerkt)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp