01.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landheimatpfleger Harald Fähnrich spricht über Naturdämonen Luz und Specht

Gegen die Naturdämonen Specht und Luz ist der Krampus eine wahre Heiligengestalt. Heimatpfleger Harald Fähnrich erzählt schaurige Sagen aus der alten Zeit.

Heimatpfleger Harald Fähnrich berichtet über das Brauchtum der Perchten. Bild: Kunz
von Autor UZProfil

Weiden/Plößberg. "Wie die Kinder damals die Adventszeit ohne psychische Betreuung überstanden haben, ist mir heute noch ein Rätsel", sagte Stadtarchivarin Petra Vorsatz bei Harald Fähnrichs Vortrag. Er erzählt über "Die stiftländische Specht - eine alte Perchtengestalt". Beim Heimatkundlichen Arbeitskreis referierte der Landheimatpfleger über Naturdämonen. Der wilde Nigglas oder Krampus sind gegen die alten Dämonen Specht und Luz wahre Heiligengestalten, glaubt man den Ausführungen des Referenten. Er berichtete von den Perchten, Gestalten aus dem bayerisch-österreichischen alpenländischen Brauchtum, die ihren großen Auftritt in der Dunkelzeit des Advents hätten. Während das Brauchtum in den Alpenländern auf touristischer Ebene Hochkonjunktur genieße, seien die Darbietungen der stiftländischen Specht seit den 1980er Jahren schon recht rar. Fähnrich erzählte die "furchtbaren" Kindheitserlebnisse von Werner Wilzek. Der ehemalige Mesner von St. Josef berichtete, dass er die Luz gesehen habe. Den Kindern sei früher eingebläut worden, dass dieser Dämon den Kindern den Bauch aufschlitze. Vor allem den bösen Buben. "Als kleiner Bub bin ich unter die Bank geschlüpft. Aus Angst." Denn mit der Märtyrerin Heilige Lucia habe die Luz gar nichts zu tun. Im Gegenteil: Die Luz habe das Messer gewetzt. Er sei froh, dass er diesen Luz-Besuch nur ein einziges Mal erleben musste, hatte Wilzek berichtet.

Fähnrich erzählte auch von der Specht. "Die hat mit dem Waldvogel überhaupt nichts zu tun." Die stiftländer Specht entstamme der Landkultur, sei also ein Naturdämon. Ihr Auftreten habe sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt und verändert. "Sie war ein schlimmes Erziehungsmittel für Kinder." Am Heiligen Abend sei die Specht gegen Mittag umgegangen. Fähnrich: "Kinder hat sie niemals angefasst. Die machte sie nur schiach." Die Kinder hatten eine ordentliche Gänsehaut, wenn ihnen jemand, verkleidet als Specht, gruselig hinkend und hüpfend hinterher gejagt sei.

Die Specht sei ein Gespenst gewesen. In Kleinkonreuth habe jahrzehntelang Johann Böhm die Rolle gespielt. Sein Nachfolger Berthold Bauer sei nur kurze Zeit eine Specht gewesen. Der Grund: "Es gab keine Kinder mehr im Dorf." Ganz anders habe die Figur in Wilchenreuth ausgesehen. "Hier war sie in Stroh gehüllt." Weitere heimatliche Formen zeigte Fähnrich als Fotos.

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