03.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Landtagsabgeordnete Annette Karl und Ruth Müller besuchen Donum Vitae in Weiden Gemeinsam gegen Verzweiflung

Verzweifelt, hilflos, alleine - die Beraterinnen von Donum Vitae sind für viele Frauen oft der einzige Ausweg aus aussichtslosen Situationen. Doch die Beratung von Schwangeren ist mit Problemen verbunden. Die SPD-Landtagsabgeordneten Annette Karl und Ruth Müller, Letztere ist frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, wollen nun Lösungen finden. "Wir wollen uns vor Ort die Probleme der Ehrenamtlichen anhören", betont Müller.

Annette Karl (von links), Ruth Müller, Nicole Bäumler (rechts) und Sabine Zeidler überzeugen sich bei einem Besuch bei Donum Vitae, wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtlichen, darunter Elisabeth Schieder und Bevollmächtigte Andrea Lang (Dritte und Vierte von links) ist. Bild: Schönberger
von Julia Hammer Kontakt Profil

Und vor Problemen stehen die vier Beraterinnen und zwei Verwaltungsangestellten häufig: Finanzierung, Fachkräftemangel, die Suche nach geeigneten Dolmetschern, fehlende Hebammen. Andrea Lang, Bevollmächtigte für Donum Vitae für die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt/WN, informierte die Besucher, darunter Stadträtin Sabine Zeidler und Nicole Bäumler, Ortsvereinsvorsitzende der SPD Schirmitz, über die Arbeit der Ehrenamtlichen. "Wir versuchen zu helfen, zu beraten, und die Frauen bei eigenständigen Entscheidungen zu begleiten." Eine der schwierigsten Aufgaben sei die Finanzierung. Zwar werde die Arbeit zu 95 Prozent staatlich gefördert, "trotzdem müssen wir 5 Prozent - etwa 27 000 Euro pro Jahr - selbst finanzieren."

Wie wichtig Donum Vitae für Frauen ist, zeigen die Beratungszahlen. 140 Schwangere suchten 2017 Hilfe bei einer Konfliktberatung. 305 Mal unterstützten die Mitarbeiter Eltern bei Fragen nach der Geburt. "Insgesamt gab es 942 Beratungskontakte." Karl, die "Donum Vitae seit Jahren verbunden ist", informierte sich über das Verhältnis von männlichen und weiblichen Klienten. "In 76 Prozent der Fälle kommen die Frauen alleine. Vor allem bei Konfliktberatungen", betonte Beraterin Elisabeth Schieder.

"Letztes Jahr ist ein Mann gekommen. Seine Freundin hatte einen Abbruch, er wollte darüber reden", erinnert sich Schieder. Doch das seien Ausnahmen. Vor allem kämen Männer mit ihren Partnerinnen, wenn es um Pränataldiagnostik oder die Elternzeit gehe. Schieder sprach ein weiteres Problem an: mangelndes Fachpersonal. "Bei uns gibt es nur Teilzeitstellen. Wir würden für unsere Sexualpädagogischen Veranstaltungen gerne einen Mann einstellen - finden aber keinen." "Die Stellen sind oft nicht attraktiv, weil sie nicht gut bezahlt werden. Es kann nicht sein, dass Menschen in Berufen, die der Gesellschaft helfen, so benachteiligt werden", betonte Karl. Auch Flüchtlinge würden die Beratung immer öfter in Anspruch nehmen, informierte Schieder. "Wenn ein Elternteil keinen Identitätsnachweis hat, bekommen sie weder Eltern-, noch Betreuungsgeld. Ihnen bleibt nur Kindergeld." Eine bedenkliche Entwicklung, wertete Karl. "Wir überlegen, eine Kindergrundsicherung einzuführen. Die würde sich durch die Ansprüche der Kinder definieren." Sorgen bereiten auch die Hebammen. Seit langem gebe es zu wenige Fachkräfte. "Hebammen arbeiten gerne flexibel, also selbstständig. Allerdings müssen sie hohe Haftpflichtprämien zahlen für den Fall, dass ein Kind Schaden nimmt. Das ist eine enorme Belastung", erklärte Müller. Die Politikerinnen versprachen, an Lösungen zu arbeiten.

Musikkabarett

Der Förderverein Donum Vitae präsentiert am Freitag, 20. April, ab 20 Uhr das Musikkabarett "Plötzlich rund" mit Josepha Sophia und Markus Wagner im Schafferhof in Neuhaus. Das Duo setzt sich mit dem Thema "ungewollte Schwangerschaft" auseinander. Die Einnahmen kommen den Beratungsstellen von Donum Vitae zu. Karten gibt es unter www.nt-ticket.de. (juh)

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