09.04.2017 - 21:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Laufende Nase, juckende Augen Pollen haben wieder Saison

Endlich ist der Frühling angekommen. Doch nicht jeder freut sich über laue Lüfte und eine erwachende Natur - lässt genau diese Kombination bei manchen Menschen doch die Nase laufen und die Augen jucken.

Jetzt sind wieder massenhaft Pollen unterwegs - momentan etwa von der Birke. Bei vielen meldet sich deshalb der "Heuschnupfen". Bild: dpa
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Weiden/Vohenstrauß. Es sind Pollenallergiker, denen oft schon die ersten Kätzchen an den Bäumen Probleme machen. "Heuschnupfen" heißt das Leiden umgangssprachlich, und inzwischen sollen hierzulande 20 bis 25 Prozent aller Erwachsenen daran leiden. Auch in der Oberpfalz hat die "Saison" bereits begonnen. "Aber heuer ist alles ganz anders als üblich", sagt Dr. Matthias Loew, Allgemeinmediziner in Rothenstadt bei Weiden.

"Es kommt gerade alles zusammen", stellt Loew, der auch Vorstandsmitglied im Ärzteverbund Oberpfalz-Nord sowie stellvertretender Bezirksvorsitzender im bayerischen Hausärzteverband ist, fest. So seien die Pollen der Hasel heuer erst seit Ende Februar unterwegs. "Dabei fliegen sie eigentlich schon im Dezember oder Januar, sobald nur ein paar Tage lang Plusgrade herrschen. Da muss das Wetter gar nicht so toll sein." Umgekehrt habe die Blüte der Birke heuer ungewöhnlich früh eingesetzt. Somit seien binnen kürzester Zeit mehrere Allergieauslöser gleichzeitig in der Luft.

Infekt oder Allergie

Trotzdem wagt der Arzt keine "Diagnose", ob bereits vermehrt Heuschnupfenpatienten in die Praxen kommen. "Heuer ist nämlich auch die Grippesaison noch nicht ganz vorbei." Man wisse daher häufig nicht sofort, ob der Patient an einem Infekt oder einer Pollenallergie leide.

Den Pollen aus dem Weg gehen kann zwar niemand vollständig. Es ist aber durchaus möglich, die Belastung zu verringern. "An erster Stelle steht für Pollenallergiker die Vorbeugung", betont Dr. Loew. "Also Fenster zu, Pollenfilter nutzen und auch regelmäßig erneuern." Als zweite Maßnahme sei es wichtig, die Einwirkzeit des Allergie-Auslösers zu verringern. "Die Pollen sollten nicht zu lange auf der Schleimhaut liegen." Der Arzt empfiehlt hierzu Nasensprays und Augentropfen auf der Basis von Kochsalzlösungen. Auch Nasenduschen leisteten gute Dienste.

Trotzdem kommen viele Heuschnupfengeplagte nicht um weitere Maßnahmen herum. "An dritter Stelle steht die anti-entzündliche Behandlung", erklärt Dr. Loew. Sie erfolgt oft mit einem sogenannten Antihistaminikum. "Wer nur mit der Nase oder den Augen Probleme hat, sollte zunächst lokal behandeln", empfiehlt der Arzt, "bevor man gleich Tabletten mit Antihistaminika nimmt". Gut verträglich seien jedoch auch diese.

Inzwischen kommen zwar auch cortisonhaltige Nasensprays zum Einsatz, diese stellten, obwohl ebenfalls gut verträglich, aber nicht das Mittel der ersten Wahl dar. "Das ist eher etwas, wenn man das ganze Jahr über Probleme hat, dann hilft das grundlegend", erläutert Dr. Loew. Außerdem dauere es einige Tage, bis das Cortison wirke. "Ein Antihistaminikum dagegen hilft binnen einer Stunde."

Auch Martin Wolf aus Vohenstrauß, Sprecher der Apotheker im Kreis Neustadt/WN und stellvertretender Bezirksvorsitzender im Bayerischen Apothekerverband, empfiehlt zunächst die Behandlung mit Antihistaminika. "Die neuen Präparate machen auch nicht mehr müde", betont er. Kochsalz-Sprays seien empfehlenswert, um die Schleimhäute zu befeuchten und die Pollen gut auszuspülen. "Zum Beispiel auch als Vorbehandlung für ein anderes Spray." Cortisonhaltige Präparate seien nun schon länger auf dem Markt und man müsse sich vor der Anwendung auch nicht fürchten.

Beiden Wirkstoffen gemeinsam ist, dass sie zwar die Symptome wirksam bekämpfen, die Allergie an sich aber nicht heilen können. Hierzu bietet sich die Spezifische Immuntherapie (SIT) oder auch Hyposensibilisierung an. Dabei wird der Körper allmählich an das krank machende Allergen "gewöhnt", so dass er schließlich nicht mehr darauf reagiert. "Die Trefferquote der SIT liegt bei etwa 70 Prozent", schätzt Dr. Loew. Dafür sei es allerdings nötig, die Behandlung bis zu drei Jahre vorzunehmen. "Dann ist man fünf bis zehn Jahre beschwerdefrei."

Ein Haken an der Sache ist, dass die Therapie noch vor der "Pollensaison" beginnen muss. Wer also jetzt erst bemerkt, dass er unter Heuschnupfen leidet, wird von einer Hyposensibilisierung nicht sofort profitieren. Da die benötigten "Impfstoffe" auch nicht ganz billig sind, empfiehlt Dr. Loew zunächst eine genaue Beobachtung der individuellen Beschwerden. "Ich würde in einer Art ,Basisjahr' erst einmal genau Buch führen, wann und wo habe ich Probleme, wie schlimm ist es, und was hilft", erläutert der Mediziner. Im Herbst könnte dann ein Haut- und Bluttest gemacht werden. Wer auf Baumpollen allergisch ist, müsse die SIT spätestens im November beginnen; wer auf Gräserpollen reagiert, habe noch bis Januar/Februar Zeit.

Apotheker beraten

Wolf betont, dass Apotheken den Patienten jederzeit Tipps zum Umgang mit Allergien geben: "Man sollte zum Beispiel erst abends oder nach Regenschauern lüften, die Bettwäsche häufiger wechseln, feucht wischen und sich vor dem Schlafengehen die Pollen aus dem Haar waschen", nennt er einige Maßnahmen.

Die neuen Präparate machen auch nicht mehr müde.Martin Wolf, Apotheker in Vohenstrauß
Die Kinder öfter im Dreck spielen lassen!Dr. Matthias Loew, Allgemeinmediziner aus Weiden

Vorbeugung

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf an sich harmlose Stoffe wie Pflanzenpollen, Tierhaare oder bestimmte Lebensmittel. 90 Prozent der Betroffenen leiden an einer Allergie vom Typ I, das heißt, der Körper antwortet binnen kurzer Zeit mit einer heftigen Entzündungsreaktion auf den Auslöser. Dabei reichen die Symptome von Juckreiz, Niesreiz, laufender Nase, brennenden, tränenden Augen und Hautreaktionen bis zu schwerer Atemnot oder lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen.

Die Bereitschaft, an einer Allergie zu erkranken, wird häufig vererbt. Eltern, die an Heuschnupfen leiden, sollten bei ihren Kindern so gut wie möglich vorbeugen. "Das heißt zuallererst einmal, das Baby zu stillen", sagt Allgemeinarzt Dr. Loew. Vier Monate lang sollte das Kind Muttermilch erhalten, eine längere Stilldauer habe keinen nachweislichen Effekt. Beim anschließenden Zufüttern sollten die Eltern nicht zu vorsichtig sein. "Bloß keine ,Schonkost' geben", sagt der Mediziner. "Ab einem halben Jahr kann das Baby schon ganz normal mitessen."

Die beste Vorbeugung vor einem übereifrigen Immunsystem ist jedoch der frühe und regelmäßige Kontakt zu möglichst vielen harmlosen Keimen. Man sollte also, wie Dr. Loew es formuliert, "die Kinder öfter im Dreck spielen lassen". (m)

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