31.01.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

LBV-Vortrag: Rückkehr des Wolfs nach Bayern Hitzige Diskussion

Der Wolf polarisiert. Während die einen begrüßen, dass es in vielen Teilen Deutschlands wieder Wölfe gibt, fürchten die anderen um ihre Wirtschaftsgüter - Schafe, Ziegen, Rinder. Im Postkeller prallen die Meinungen dazu aufeinander.

Am Wolf entzündet sich eine rege Diskussion, organisiert von (von links) Christoph Bauer von der Bezirksgeschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz, Dr. Nicole Merbald, der Beauftragten für Weiden, und Referent Dr. Peter Blanché.
von Autor hczProfil

Ende des 20. Jahrhunderts galten Wölfe in fast ganz Europa als ausgestorben. Nach dem Erlass eines Gesetzes zum Schutz der Wölfe habe sich, nach ersten Sichtungen im Jahr 1998, die Wolfspopulation wieder erholt, sagte Dr. Peter Blanché. Der Tierarzt ist Vorsitzender der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe und referierte am Dienstag auf Einladung des Landesbunds für Vogelschutz im vollen Postkeller-Saal.

In Deutschland seien Wölfe aus Österreich, Polen, Slowenien, Tschechien, Italien und der Schweiz eingewandert, berichtete Blanché. 73 Rudel habe man im November 2017 gezählt, in Bayern im Nationalpark Bayerischer Wald, im Mangfallgebirge bei Rosenheim und ein standorttreues Paar im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Blanché erklärte, dass der Wolf keine "Wildnis" als Lebensraum brauche. Entscheidend sei, dass er ausreichend Nahrung finde und ruhige Gebiete für die Welpenaufzucht zur Verfügung habe.

Wölfe könnten weite Strecken zurücklegen. Entscheidend für ihre Vermehrung sei das Angebot an Beutetieren. Dies seien Rehe, Wildschweine, Rothirsch, Damhirsch und Hasen. Wie die anderen großen Beutegreifer Luchs und Bär könne der Wolf dazu beitragen, dass wieder intakte Ökosysteme entständen.

"Herdenschutz" hielt Blanché für die entscheidendste Maßnahme, um das Nebeneinander von Wolf- und Nutztieren zu ermöglichen. Dazu würden sichere Zäune und Herdenschutzhunde gehören. Hier stieß die Meinung des Wolf-Freunds auf die der Wolf-Gegner, die im Postkeller weit in der Überzahl waren.

Johann Gloßner, ein Schafhalter aus Neumarkt/Oberpfalz, hielt dem Referenten entgegen, dass sein Vortrag "nicht mehr zeitgemäß" sei. Blanché gebe "Halbwahrheiten und Halbwissen" zum Besten und unterschlage die Erkenntnisse der letzten Jahre. Gloßner, der seit 32 Jahren Schafe, Lamas und Hirsche züchtet, belegte zahlreiche Fälle von gerissenen Nutztieren. Rinder und sogar Pferde seien dem Wolf schon zum Opfer gefallen. Er berichtete von Schafzüchtern, die ihre Zucht wegen der Wolfsgefahr aufgegeben hätten, und plädierte für gezielten Abschuss. 20 000 Herdenschutzhunde seien nötig, wenn man alle Herden durch diese sichern wolle.

Erika Sauer (Moosbach) sprach für den Fleischrinderverband Bayern. Sie sagte, dass sich die "Landwirte im Stich gelassen" fühlten. Zaun-Erhöhungen seien wegen der immensen Kosten unrealistisch. Extreme Probleme würden weniger für die Großbetriebe anfallen, aber die Nebenerwerbs- Betriebe könnten diese nicht meistern. Ein Pferdehalterin aus Plößberg stimmte ihr zu. "Der Wolf kommt immer durch", bezweifelte ein Rinderzüchter aus der Nähe des Truppenübungsplatzes die Wirksamkeit von Zäunen. Auch eine Jung- Landwirtin aus dem Steinwald sagte, dass selbst ihr 130-Zentimeter-Zaun keinen sicheren Schutz gewähre.

Norbert Übler aus Hirschbach im Landkreis Amberg-Sulzbach sagte, dass man mit Subventionen und Fördermitteln den Tod der Nutztiere nicht ungeschehen machen könne: "Wir wollen kein Geld. Wir wollen keine Schäden."

Ebenfalls viel Applaus erhielt Bund Naturschutz- Vertreterin Sonja Schuhmacher für ihre Feststellung, dass der Strukturwandel, dem 80 Prozent der Bauernhöfe zum Opfer gefallen seien, der verfehlten Landwirtschaftspolitik zuzuschreiben sei. "Wir Verbraucher haben's satt", sagte sie. Den Wolf begrüße sie als "Spätheimkehrer und Waldschützer". Ernst Lang, Wolfsbotschafter des Nabu, stellte fest, dass es derzeit "noch nicht einmal 500 Wölfe, davon 200 in der Lausitz" gebe.

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