22.11.2017 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lehrermedientag: Oberpfalz-Medien hilft im Online-Dschungel Wenn Lehrer noch was lernen

Beleidigungen, Rassismus, Empörungswellen und Falschmeldungen: Kinder und Jugendliche geraten im Internet schnell in die Schusslinie. Lehrer sollen helfen und Medienkompetenz vermitteln. Oberpfalz-Medien gab ihnen gestern dafür Tipps.

von Dominik Konrad Kontakt Profil

Weiden/München. (dko/dpa) Wie orientiere ich mich im Internet, was ist Lüge, was ist Wahrheit? Mit einem "Lehrermedientag" unterstützen bayerische Zeitungshäuser Lehrerinnen und Lehrer dabei, ihre Schüler durch den Mediendschungel zu lotsen. Ins Leben gerufen hat den Tag der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV). Erstmals luden gestern Medienhäuser landesweit Lehrkräfte aller Schularten zu Vorträgen, Workshops und Diskussionen. Gut 1200 Lehrer nahmen teil. Auch Oberpfalz-Medien beteiligte sich als eines von 16 Häusern.

"Das ist nicht bestellt"

Der Umgang der Jugendlichen mit Technik sei nicht automatisch dadurch besser, dass sie damit aufwachsen, erläuterte Verlegerin Viola Vogelsang zum Auftakt. "Was ist der Mehrwert? Dazu wollen wir Anregungen geben."

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Geplant waren eine Führung durch die Redaktion, Vorträge und eine Redaktionskonferenz. Oberpfalz-Medien hat die typische Lagebesprechung am Morgen in den großen Medienraum ins Erdgeschoss verlegt. Per Videoschalte waren die Lokalredaktionen mit dabei. Und dann ging es los mit der Kritik an der Zeitung des heutigen Tages. Was war gut? Was könnte man besser machen? Dann der Vortrag der einzelnen Ressorts: Was kommt morgen in die Zeitung? Welche Themen stehen in den Lokalredaktionen an?

Doch plötzlich ging die Tür auf, und Uwe Ibl aus der Weidener Redaktion flüsterte Chefredakteur Norbert Gottlöber ins Ohr - "Wir haben einen Leichenfund in Weiden", sagte Gottlöber in die Runde. "Da sehen Sie, mit welchen Problemen wir konfrontiert sind. Wir wissen nicht genau, was wir jetzt machen. Das ist nicht bestellt. Stellen Sie sich vor, wir stellen es online, und die Angehörigen wissen es noch gar nicht. Die Entscheidung, ob wir was bringen und in welcher Form, ist oft schwierig." Knietief im Tagesgeschäft stecken, und gleichzeitig auf besondere Situationen mit Fingerspitzengefühl reagieren: Das ist die tägliche Herausforderung für Journalisten. Besonders seit dem Aufkommen der neuen Medien. Facebook, Instagram, Twitter und Co. ermöglichen eine Berichterstattung in Echtzeit.

Scheitert an Ausstattung

In drei Gruppen lernten die Pädagogen danach die Arbeit der Zeitung von heute kennen. Gottlöber führte durch die Redaktion, erläuterte die Arbeit der Kollegen und beantwortete Fragen. Die Digital-Manager Tom Webel und Stefan Willeke erklärten Online-Themensetzung und den Umgang mit typischen Internetphänomenen. Wie können Nutzer ausgebremst werden, die mit ihren Kommentaren Unfrieden stiften, wie können Verschwörungstheorien entlarvt oder die Glaubwürdigkeit von Nachrichten geprüft werden?

Für Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist als Schirmherr die Frage nach Zuverlässigkeit ganz zentral. "Falsche Botschaften - Fake News - werden in den sozialen Medien nur allzu rasch als vermeintlich wahr verbreitet und können den gesellschaftlichen Kitt infrage stellen. Junge Menschen als kompetente und verantwortliche Mediennutzer sind mir wichtig", sagte er. Die Tageszeitungen stellten an sich selbst den Anspruch von Qualitätsjournalismus – dies sei ein gemeinsames Anliegen.

"An der Fortbildung scheitert's nicht", findet Tanja Fahrnholz, Referentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands für die Oberpfalz. "Die Lehrer bemühen sich, aber sie können das, was sie gelernt haben, oft vor Ort nicht umsetzen. Es fehlt die Ausstattung. Wir brauchen Laptops und Smartboards."

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