Leserbrief
"Gieriger und unersättlicher Kampf gegen die Natur"

Zu Landschaftsschutz, Windparks, Stromtrassen und Baumfällungen:

Bäume verursachen "Dreck" und werden abgesägt, weil sie eine "Gefahr" darstellen. In der Baumarkt-Werbung werden große Bäume als böse Monster dargestellt, mit denen es ein g'stand'ner Mann mit seiner Motorsäge aufzunehmen hat, um seinen leblosen Digital-Golfrasen und die zugeschotterten "Beete", in denen jedes noch so kleine wurzelnde Pflänzlein mit Gift weggespritzt wird, vor der "Bedrohung Baum" zu schützen. Hofpflaster und Mäuerchen werden mit kostbarem Trinkwasser "gekärchert", weil sich ein bisschen Patina angesetzt haben.

Immer breitere Straßen und Parkplätze werden für die immer aufgeblaseneren Autos und monströsen landwirtschaftlichen Fahrzeuge benötigt. Dafür werden, ohne mit der Wimper zu zucken, denkmalgeschützte Gebäude mitsamt ihrer Geschichte sowie den in ihnen enthaltenen, wertvollen materiellen und ideellen Ressourcen abgerissen, entsorgt und durch fragwürdige Billigbauten voller Plastik ersetzt. Die letzten grünen Eckchen werden geteert und artenreiche, romantische Bachläufe zubetoniert. Noch mehr Autos und Lastwagen in den eh schon stiefmütterlich behandelten Ortskernen, während sich immer mehr grässliche Neubau- und Gewerbegebiete immer noch brutaler in die kostbare Landschaft fressen.

Auch die Reste der idyllischen Wanderwege, Wald-, Weiher- und Wiesenlandschaften sind vor Raupen, Baggern und Schotterlastern nicht mehr sicher. Man hat das Gefühl, sich in einem riesigen Sandkasten für Erwachsene zu befinden. Da wird aus fadenscheinigen Gründen gerodet, begradigt, planiert und aufgeschottert, was das Zeug hält. Ich frage mich, ob es bei dieser Einstellung nicht besser wäre, gleich das ganze Land in ein einziges, riesiges Smarthome, inklusive vollautomatischem Logistikzentrum, Spielhalle und "Drive-in-Supermarkt" sowie angrenzenden Auto- und Startbahnen, Solar- und Windparks sowie Fäkalien entsorgenden Biogasanlagen (wie praktisch!) umzuwandeln.

Und dann? Noch mehr Stromverbrauch (eine Suchanfrage bei Google verbraucht 0,3 Wattstunden Elektrizität). Also pfählen wir unsere romantische Hügellandschaft und Reste mystischer Waldgebiete mit britzelnden Stromtrassen sowie hässlichen, Vögel zerhäkselnden Windrädern und beruhigen damit unser pseudo-ökologisches Gewissen. Mit der Folge, dass wir bedenkenlos noch mehr Strom verbrauchen. "Ist ja grüner Strom ...". Was die Natur in Jahrmillionen aufgebaut hat, zerstört der Mensch innerhalb kürzester Zeit. Ein gieriger und unersättlicher Kampf gegen die Natur, um sich rücksichtslos selbst zu verwirklichen - oder zu beseitigen.

Christine Schreiber, 92685 Floß
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.