14.10.2017 - 21:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leserbrief Horst und Carlos: Masterplan der Gegner-Stärkung

Horst Seehofer und der Ex-Bayern-Trainer Carlos Ancelotti:

von Redaktion OnetzProfil

So wie sich die Dinge im Bayern entwickeln, gilt es zwei Personen des öffentlichen Lebens besonderen Dank abzustatten: Horst Seehofer und Carlos Ancelotti. Deren Führungsverhalten ist es geschuldet, dass in den beiden wichtigsten Wettkämpfen des Lebens, im Fußball und im Wählerfang, nach einer schier unerträglich langen Zeit einseitiger Machtverhältnisse wieder so etwas wie Spannung zu verspüren ist.

Horst und Carlos sind fast zeitgleich auf dieselbe bahnbrechende Idee gestoßen, dass sich die eigene Dominanz brechen lässt, wenn man dem Gegner konsequent in die Karten spielt. Betrachten wir - seiner gesellschaftspolitischen Wichtigkeit Rechnung tragend - zuerst König Fußball. Wie hat Ancelotti es hingekriegt, eine siegverwöhnte Weltklassemannschaft in eine traurige Looser-Truppe umzuformen, gegen die sogar harmlose "Wölfe" trotz klaren Rückstands einen Punkt mitnehmen? Oder dass die einst so stolz empor gereckten Köpfe der Bayern-Stars nach einem 0 : 3 im "Prinzenpack"-Stadion wie geknickte Primeln herabhängen? Zudem verbot der italienische Trainerfuchs dem verbliebenen Subprime-Spielermaterial, Angriffe des Gegners zu unterbinden. Der Erfolg dieser genialen Strategie ist mit Händen zu greifen und rechtfertigt zweifelsohne eine achtstellige Jahresgratifikation. Die Bayern machen so die Meisterschaft endlich mal wieder interessant und wecken bei den anderen Mannschaften eine ungekannte Vorfreude darauf, sie im eigenen Stadion zu empfangen oder ihnen die Lederhosen in der Allianz-Arena runterzuziehen.

Weil diese grandiose Trainerleistung nach Meinung der Verantwortlichen bei den Münchnern nicht mehr zu toppen ist, musste Carlos seinen Stuhl für einen Nachfolger räumen. Letzteres trifft auf CSU-Cheftrainer Horst Seehofer zwar (noch) nicht zu - kein Wunder, schließlich hat er im Gegensatz zu Ancelotti ja auch keine millionenschwere Abfindung zu erwarten. Ansonsten zeigen sich aber verblüffende Parallelen zwischen der Entwicklung des FC Bayern und der bayerischen Ex-Staatspartei. Was für den FC Bayern Tabellenplatz 3 ist, das ist für die CSU der Verlust der absoluten Mehrheit. Seehofer wollte die Obergrenze, und nun, weitaus früher als erhofft, hat er sie: Über 40 Prozent werden die Schwarzen wohl so schnell nicht mehr drüber kommen.

Auch hier war eine fein ausgeklügelte Strategie des Parteichefs Grundlage des Erfolgs, gemäß Ancelottis Masterplan der Gegnerstärkung. Der Horst hat immer genau dasjenige Wahlkampfthema zum Hauptgespräch gemacht, bei dem die wirklichen Freunde des deutschen Vaterlandes einfach einen klaren Kompetenzvorsprung haben. Die AfD hält eben viel besser, was die CSU verspricht. Weil ein Schließen der rechten Flanke alleine aber noch nicht gereicht hätte, in Bayern für ausgewogenere politische Machtverhältnisse zu sorgen, war es zudem noch richtig und wichtig, die Kanzlerin wiederholt abzukanzeln. Die Strategie der Selbstbeeinträchtigung ist so erfolgreich, dass sie ein neuer deutscher Exportschlager werden könnte.

Ulrich Lommer, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp