Leserbrief
Pkw-Maut als Ablenkung von Verwandten-Affaire

Ob da viel unterm Strich rauskommt an Geldern für die deutschen Straßen? Geschenkt. Wie hat Horst Seehofer anlässlich seiner vorläufig abgeschmetterten Pläne für Volksbefragungen kürzlich gesagt: Alle seine politischen Einfälle sind sehr gut für die Bevölkerung - und werden über kurz oder lang durchgesetzt.

Dennoch möchte ich daran erinnern, wie diese Herzensangelegenheit von Seehofer zustande kam. Man brauchte so kurz vor den letzten Landtagswahlen ganz schnell etwas, um den höchst peinlichen Skandal um die Verwandten-Beschäftigungen zu überblenden, einfach irgendwas, um im Wahlkampf den Blick der Öffentlichkeit abzulenken. Und dieser Trick mit der Maut hat hervorragend hingehauen. Als persönliches Wahlgeschenk an sich selber setzt Seehofer den CSU-Bundesverkehrsminister samt Ministerium darauf an, diese unwichtige Angelegenheit durchzuboxen. Frage nicht, was das an Geldern gekostet hat. Als ob es nicht genug dringende Probleme gäbe.

Da lacht man über Italien mit ihrem Berlusconi, schlägt die Hände zusammen über Trump in Amerika und dabei werden wir selber seit Menschengedenken unausgesetzt von immer dieser gleichen christlichen Partei regiert. Man hat sich in der CSU so selbstverständlich an diese ewige Machtposition und alle damit verbundenen Strukturen gewöhnt, dass es immer unvorstellbarer wird, es könnte jemals anders sein.

Ich habe einen großen Teil meines Lebens im Ausland zugebracht. Da sieht man vieles mit anderen Augen. Auch Bayern ist ja an sich ein säkulares Staatswesen. Eine Vereinnahmung des Christentums durch eine Partei sollte allein anstandshalber unterbleiben. Die Christlichkeit einer Partei sollte man sehen und nicht hören. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Die CSU ist eine typische rechtskonservative Partei, die Profit schlägt aus der traditionellen Verbundenheit Bayerns mit dem Katholizismus. Vorsicht Brüder, Geld ist nicht alles.

Stephan Gleißner, Tirschenreuth
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