Leserbrief zum Anschlag in Berlin
Besonnenheit ja, aber nicht tatenloses Warten

"Der Balken im eigenen Auge"

Zur öffentlichen Diskussion nach der Terror-Attacke von Berlin:

Die letzte Woche, war nicht angetan, weihnachtliche Stimmung zu fördern. Zwei NT/AZ-Kommentare (21. Dezember "Hassprediger" und 23. Dezember "Radikal-Spinner") und ebenso so der Weihnachtsbrief meiner Pfarrei ("Hasser und Hetzer") haben versucht, das Gegenteil zu bewirken. Sind dies die richtigen Versuche, den Hass-Reden zu begegnen? Sind Versuche, einem vermeintlichen Übel mit der gleichen Masche zu begegnen, nicht zum Scheitern verurteilt? Schon in der Bibel steht, wie die Gegner des großen Meisters fragten, als er einen Knaben geheilt hatte (Mat. 12.24): "Aber die Pharisäer sagten ... Er treibt die Teufel nicht anders aus, den durch Belzebub, der Teufel Obersten".

Beim gleichen Evangelisten steht aber auch (Mat. 7.5): "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr den Balken in deinem Auge".

Klingt es da nicht eher weihnachtlich, wenn der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strom das Gespräch sucht? Mein Neu-Jahres-Wunsch wäre es, künftig gelassener und toleranter mit einander um zu gehen. Beim Attackieren eines vermeintlichen Gegners könnte es der Objektivität dienen, wenn man auch um das eigene Auge besorgt wäre.

Hans Kohl, 92637 Weiden-Neunkirchen

Polizisten haben es oft schwer

Zum Tod des mutmaßlichen Attentäters Anis Amir:

Der Tod eines Menschen durch Menschenhand ist immer eine heikle Angelegenheit. Den Tod von Anis Amir kann jeder für sich bewerten; ich mute mir keine Aussage zu.

Ich stelle mir nur die Frage: Was wäre, wenn die Kontrolle des Terroristen nicht in Italien, sondern in Deutschland stattgefunden hätte? Wenn nicht ein italienischer Polizist Amir erschossen hätte, sondern ein deutscher Polizeibeamter? Hätte einer der Innenminister auch in so in überschwänglicher Form den Polizisten für ihren Mut und ihren gezeigten Einsatz seine Anerkennung ausgesprochen? Bei uns hätte die Staatsanwaltschaft zunächst einmal gegen die Polizisten ermittelt ...

Frau Künast oder ein anderer "Gutmensch" hätte die Frage gestellt, ob man Amir nicht mit einem gezielten Schuss kampfunfähig hätte schießen können, ohne ihn dabei gleich zu töten. Ich weiß nicht, ob Künast oder solche, die auch so denken, schon einmal in einer absoluten Ausnahmesituation gestanden haben: mein Leben oder das Leben eines anderen. Man bedenke auch die Uhrzeit der Personalien-Kontrolle, die auch bei uns täglich tausendfach durch Polizisten durchgeführt wird. Ich möchte feststellen, dass kein Polizist aus lauter Schießwut gerne einen Menschen tötet; auch er muss mit diesem Ereignis, mit diesem Bild, den Rest seines Lebens verbringen.

Unsere Polizisten leisten tagtäglich einen verantwortungsvollen Dienst zum Wohle der Allgemeinheit, zum Schutz und zur Sicherheit der Bewölkung. Nicht immer erhalten sie die notwendige Anerkennung durch die Politik oder aus einigen Reihen der Bevölkerung. Die Menschen in Polizeiuniform müssen ständig darum kämpfen, die beste Ausstattung zu bekommen, ein ordentliches Gehalt zu erhalten und Perspektiven in ihrem Beruf zu haben. Der Personalabbau bei allen Polizeien macht den Dienst der verbleibenden Polizisten nicht einfacher. Der Altersdurchschnitt steigt, zumindest in unserer Gegend, ständig.

Von der Politik wird uns Sand in die Augen gestreut, indem sie uns mitteilt, wie viele neue Stellen bei der Polizei geschaffen werden. Man erwähnt aber nicht, wie viele Stellen die letzten Jahre abgebaut wurden oder wann die "neuen" Polizisten einsatzbereit sind (in frühestens drei Jahren). Bis dahin gehen aber schon wieder sehr viele aus Altersgründen in Pension. Sicherheit hat nichts mit der aktuellen Lage zu tun, und lässt sich auch nicht an Ereignissen festmachen. Menschen haben immer das Recht auf Sicherheit und sollten dies auch stärker bei ihren Volksvertretern einfordern.

Hans Meißner, 92706 Neudorf bei Luhe

Nicht die Zeit für Ausreden

Besonnen haben die Menschen auf den Anschlag in Berlin reagiert, heißt es. Nun, jede Sache kann von mehreren Seiten betrachtet werden. Was dem einen als Besonnenheit erscheint, sieht der andere eher als Gleichgültigkeit und Apathie. Mein Empfinden mag auf der Tatsache beruhen, dass ich ein Konservativer bin und somit im weitesten Sinne des Wortes "rechts" stehe.

Weiterhin scheint der Terroranschlag mit seinen zwölf Toten weniger schlimm zu sein, als die Leute, die jetzt über Konsequenzen nachdenken, die aus diesem Ereignis zu ziehen wären, also Seehofer, AfD, die "Rechten". Solche Leute "instrumentalisieren die Toten", begehen quasi politische Leichenschändung.

Eine Frage daher an diejenigen Personen des öffentlichen Lebens, die jetzt zu Gelassenheit und Besonnenheit raten: Hätte - was Gott verhüten möge - ein rechtsextremer Verrückter einen Anschlag verübt und dabei zwölf Flüchtlinge getötet - würde dann auch zu Ruhe und Abgeklärtheit aufgerufen? Würde man dann auch sagen, man solle nun nicht in Panik verfallen? Wären diejenigen, die mehr Mittel für den "Kampf gegen rechts" fordern, auch der Instrumentalisierung der Opfer schuldig?

Sicher ist blinde Panik die falsche Reaktion. Aber ich halte es für die Pflicht der einflussreichen Akteure in Politik und Gesellschaft, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um derartige Anschläge in Zukunft zu verhindern. Die zutreffende Weisheit, dass es absolute Sicherheit nicht gibt, darf nicht zur Ausrede dafür werden, einfach gar nichts zu tun - und mit den Händen in den Hosentaschen auf den nächsten Anschlag zu warten.

Lorenz Reichenberger 92648 Vohenstrauß
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