15.12.2017 - 21:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leserbrief: Zurück zu den Wurzeln des "Vaterunsers"

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Der Papst korrigiere Jesus, sagt der Regensburger Bischof. Schon als kleiner Messdiener hab' ich mich gefragt, wieso Gott mich in Versuchung führen will. Die Lösung brachte mir Jahrzehnte später der aus einer der frühen Kirchen des Nahen Osten stammende Theologe Dr. George M. Lamsa, der lehrt: Die Galiläer sprachen aramäisch und zwar einen wortkargen, harten Wüstendialekt ("reiß dein Auge aus!"). Das erklärt auch, wieso das dämliche Kamel nicht durchs Nadelöhr will; das Wort "gamla" bedeutet nämlich je nach Zusammenhang "Seil", "Balken" oder "Kamel", zum Nadelöhr gehört also das Seil.

Ich habe schon Geistliche erlebt, die das Evangelium an dieser Stelle in der Originalversion lasen. In aramäisch wurden auch auf Schriftrollen die ersten Aufzeichnungen des Neuen Testaments geschrieben. Jesus sprach dieses Aramäisch, in dieser Sprache betete Jesus auch: "... und lass uns nicht in Versuchung fallen". Er knüpft mit diesen Worten an orientalische Redewendungen an. Außerdem schreibt Jakobus: "Niemand sage, wenn er versucht werde, dass er von Gott versucht werde."

Neu ist die jetzt vom Papst angeregte Übersetzung von der Versuchung übrigens nicht. Das großartige lutherische Pfarrerehepaar A. und E. Schumacher (früher Neunburg v. W.) erklärte in einer Diskussion über den Theologen Lamsa, auch im portugiesischen Vaterunser würden Katholiken diese Version beten. Die Schumachers mussten es wissen, sie hatten lange Zeit Dienst in Brasilien verrichtet. Vermutlich knüpft Papst Franziskus auch an diese Übersetzung an. Er korrigiert nicht Jesus, sondern er geht zurück zu den Wurzeln.

Peter Pauly 92431 Neunburg vorm Wald

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