05.03.2018 - 19:08 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Letzter Warnschuss für jungen Dealer Bunte Pillen verhökert

Normalerweise sieht das Strafgesetzbuch für das "Bestimmen eines Minderjährigen" zum Handel mit Betäubungsmitteln fünf bis 15 Jahre Freiheitsstrafe vor. Ein 22-Jähriger muss jetzt - aus diversen Gründen - nicht in Haft. Es gibt für einen minderschweren Fall 21 Monate auf Bewährung.

von Autor RNSProfil

Sein Fall stand am Montag vor der 1. großen Strafkammer zur Verhandlung. Er hatte Ende 2016 einem 17-Jährigen drei Extasy- Pillen zum Weiterverkauf gegeben.

Der jetzt 18-Jährige hatte mit dem Weidener Angeklagten Kontakt aufgenommen, um auf eine Silvesterparty eingeladen zu werden. Quasi um seine Zuverlässigkeit zu beweisen, verlangte dieser von ihm, dass er zehn gelbe "Warner-Brothers"-Tabletten in seinem Auftrag verkaufen sollte. Dies war dem Jüngeren jedoch zu viel. Man einigte sich auf drei Pillen für zusammen 30 Euro. Eine davon nahm der junge Mann selbst, zwei verkaufte er an eine Mitschülerin weiter.

Durch die Handy-Auswertung in einem anderen Rauschgiftfall kam die Kriminalpolizei auf einen drogenrelevanten Chat, bei dem auch die Namen des damals 17- und des 21-Jährigen auftauchten und rollte den Fall auf.

Vor Gericht berief sich der Jüngere auf Erinnerungslücken. Er konsumiere Marihuana. Extasy habe er - angeblich - zum ersten Mal eingenommen. Der Angeklagte legte, gut beraten, über seinen Anwalt Rouven Colbatz ein vollständiges Geständnis ab. Dieser hatte vorher in zähen Verhandlungen mit Staatsanwältin Sandra Dechant und der Kammer erreicht, dass seinem Mandanten für diesen Fall eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt wurde.

Dechant und Colbatz führten in ihren Plädoyers an, dass sowohl die Grenze zur Volljährigkeit bei dem Jüngeren beinahe erreicht gewesen wäre, als auch die Grenze zur Jugendstrafe beim Angeklagten nur geringfügig überschritten gewesen war. Es habe sich um eine sehr kleine Menge Drogen gehandelt. Die Staatsanwältin forderte zwei Jahre auf Bewährung, der Verteidiger eineinhalb. Die Richter Markus Fillinger und Matthias Bauer blieben mit ihrem Urteil in der Mitte. Der Verurteilte wird für drei Jahre einem Bewährungshelfer unterstellt. Er muss, neben den Prozesskosten, 750 Euro an die Drogenberatung zahlen.

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