23.02.2018 - 16:14 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Märchen-Abend im "Café Mitte" mit dem Integrationsbeirat Verzauberte Badeschüsseln und Füchse

Es muss nicht alles picobello sein. Ein paar Krümel auf dem Boden, die Bücher unordentlich über die Regale verteilt, die Tischdecke etwas verklebt: Ein Kind kann die bisherige Ordnung im Haushalt gehörig auf den Kopf stellen. Und dennoch ist ein Kind der größte Segen auf der Welt - diese und viele andere Erkenntnisse brachte der Märchen-Abend. Der eigenartige Gast beim Sabbathfest sollte also Recht behalten. Ein Kind, das in die elterliche Ordnung einbricht, beseelt das Familienleben.

Die Mitglieder des Integrationsbeirates (von links) gestalten einen Märchenabend im Cafe Mitte: Ina Chmelnizki, Samuel Ioffe, Svitlana Ioffe, Tülay Koc, Sema Tasali-Stoll und Veit Wagner. Bild: uz
von Autor UZProfil

Jüdische, türkische, russische und deutsche Märchen wurden am Mittwochabend im "Café Mitte" erzählt. Die Geschichte vom geheimnisvollen Gast, der sich in der aufgeräumten Welt eines jüdischen Ehepaars überhaupt nicht wohl fühlt, erzählte zum Auftakt Svitlana Ioffe, die den Abend auch musikalisch umrahmte. Als bestes Beispiel für die familiäre Bereicherung durch ein Kind hatte sie ihren Sohn Samuel dabei.

Auf "Der Gast" folgten das "Herz der Erde" und das Märchen vom "Fuchs im Weinberg". Sema Tasali-Stoll, die ihre Märchen gemeinsam mit Külay Koc erzählte, plauderte eingangs aus dem Nähkästchen der türkischen Märchenwelt, in der es meist um Wünsche und Fantasien gehe. "Im Mittelpunkt steht immer das Böse, das besiegt wird", sagte Koc. Der böse Zauber werde gebrochen, der Held gewinne immer. Viele Erzählungen befassten sich auch mit dem ungerecht verteilten Reichtum auf dieser Welt. "Wenige Reiche besitzen alles, die große Mehrzahl der Menschen habe nichts." Die Erzählerin: "Im Märchen wird das dann alles umgedreht." Auf die orientalische Erzählweise wurde tänzerisch eingestimmt. Als Märchen hatte man sich für "Kelogan und die verzauberte Badeschüssel" und "Der Zauberer und der Lehrling" entschieden. Für den Märchenschatz aus Russland war Ina Chmelnizki verantwortlich. Zunächst wurde tänzerisch die Geschichte "Der Fuchs stiehlt den süßen Kloß" dargestellt. Nachdem der süße Kloß vom Fuchs bestohlen war, verschwanden die Tänzer erschrocken. Dann trat die Erzählerin mit Kolobok und Samowarkanne auf. Ihre Märchen: "Der süße Kloß" und "Schwesterchen Aljonuschka und Brüderchen Iwanuschka". Den Schlusspunkt setzte Veit Wagner, der den deutschen Märchenschatz präsentierte. Er erzählte vier Geschichten: "Der süße Brei", "Der kluge Knecht", "Die Scholle" und "Der Großvater und sein Enkel." Den Abend hatte der Integrationsbeirat der Stadt Weiden gestaltet, ein politisches Gremium der Bürger mit Migrationshintergrund. Ziel des Beirats ist es, den Interessen und Belangen dieser Menschen eine Stimme zu geben.

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