23.01.2018 - 16:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Maschinenring entfernt Bäume bei Wohngebiet Hammerwegsiedlung - Anwohnerin klagt über Maßnahmen "Unerträglicher Lärm"

Ein erholsamer Garten, Waldluft, Ruhe - Waltraud Stöckel lebt gerne im Wohngebiet Hammerweg. Doch als am Samstag Harvester anrücken, ist es vorbei mit der Idylle. Nachdem Mitarbeiter des Maschinenrings Bäume gefällt haben, sei sie täglich ab fünf Uhr dem Lärm der Firma ATU ausgesetzt. Völlig falsch, entgegnet das Unternehmen.

Einige Bäume stehen noch zwischen dem Wohngebiet und der Firma ATU. "Zu wenige, um den ganzen Lärm von uns fernzuhalten", beklagt eine Anwohnerin. Bild: Schönberger
von Julia Hammer Kontakt Profil

"Alles hat am Samstag angefangen", erzählt die Weidenerin. Bisher habe sie ein Waldstück - ein "Lärmschutzstreifen" - von der Bahnstrecke und der Firma ATU getrennt. Ihr Haus sei rund 30 Meter Luftlinie von dem Unternehmen entfernt. Um 13 Uhr rückten Arbeiter an, holzten die Bäume ab. Jetzt blickt Stöckel auf das "hässliche Gebäude", nur noch wenige Eichen seien geblieben. Doch das ist nicht das größte Problem. "Der Lärm ist unerträglich." Und das in doppelter Hinsicht.

Bereits um 5 Uhr beginne die Frühschicht bei ATU. "Es geht los mit Containergequietsche, Autos werden beladen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, auch nicht samstags." Dazu komme der Lärm der Züge, die alle halbe Stunde, "manchmal alle Viertelstunde", an ihrem Haus vorbeifahren. "Zudem wirbeln sie Staub auf." Informiert seien sie und ihre Nachbarn vorher nicht geworden.

"Uns wurde immer zugesagt, dass der Waldstreifen bleibt, er eine Art Naturschutzgebiet ist. Wenn etwas abgeholzt werden sollte, dann nur kranke und kaputte Bäume. Wir haben sie uns angesehen, da waren auch viele dabei, denen nichts gefehlt hat." 61 Jahre lang lebt Stöckel schon in dem Haus, fühlte sich bis zum vergangenen Wochenende sehr wohl. Gerne würde sie in ihrem Elternhaus bleiben, "doch jetzt denke ich darüber nach, aufs Land zu ziehen". Auch eine Wertminderung ihres Eigentums befürchtet sie. "Das bedeutet, wenn ich umziehen würde, hätte ich große finanzielle Verluste."

"Das ist so nicht richtig", entgegnet Markus Meißner, Unternehmenssprecher der Firma ATU Weiden. Zu einem Teil sei die Bahn für das Waldstück verantwortlich, zum anderen das Unternehmen. "Als Mieter müssen wir unserer Verkehrssicherheitspflicht nachkommen. Deshalb haben wir den Maschinenring beauftragt, brüchige und kranke Bäume zu entnehmen - damit vermeiden wir Gefahren durch umstürzende Bäume."

Die Mitarbeiter des Maschinenrings hätten enge Rücksprache mit dem Umweltamt Weiden gehalten. "Alles geht seinen richtigen Weg. Es werden nur kranke und kaputte Bäume entfernt, die im Vorfeld markiert werden." Auswirkungen auf die Schallemission sieht das Unternehmen nicht, "da der hochstämmige Bewuchs auch bisher nicht zum Lärmschutz beigetragen hat".

"Laut unseren Informationen wird derzeit der Waldstreifen entlang der Bahnlinie auf Höhe Dr.-Kilian-Straße 4 durchforstet", erklärt auch Norbert Schmieglitz, Pressesprecher der Stadt Weiden, im Namen des Umweltamtes. Bereits vergangene Woche seien Bäume an der Dr.-Kilian-Straße 1 anlässlich von Verkehrssicherungsmaßnahmen abgeholzt worden. "Bei dem Wald bei ATU handelt es sich um eine Festsetzung im Bebauungsplan: Wenn Bäume entfernt werden, sind die Lücken wieder mit heimischen Gehölzarten zu bepflanzen. Es ist zunächst davon auszugehen, dass diese Festsetzungen eingehalten werden."

Ob es sich bei den Forstarbeiten um Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang der Bahnlinie, dem Aufarbeiten von Sturmschäden oder um eine Durchforstung des Waldstreifens handelt, könne er nicht sagen. "Da es sich um Privatgrund handelt, geht es dabei nicht um städtische Maßnahmen." Paul Grötsch, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Hammerweg, hört zum ersten Mal von angeblichen Lärmbelästigungen. "Ich bin selbst Anwohner und habe natürlich mitbekommen, dass Bäume entfernt werden. Anrufe oder Beschwerden von aufgebrachten Nachbarn habe ich aber noch keine erhalten."

Beurteilen könne er nicht, ob mehr Lärm in die Wohnsiedlung dringe. "Dafür gibt es Umweltingenieure der Stadt Weiden, die das beurteilen müssen. Ich denke aber nicht, dass es ein Problem ist." Wichtig ist für ihn, dass die Aktion von der Stadt genehmigt ist und nicht willkürlich gehandelt wird - "und genehmigt ist es ja". "Ich kann mich noch an vergangenes Jahr erinnern. Da hat die Bahn Bäume entfernt - anlässlich ihrer Verkehrssicherheitspflicht. Natürlich ist es schöner, auf Bäume als auf ein Gebäude zu schauen, aber die Sicherheit wiegt einfach schwerer als die Ästhetik."

Natürlich ist es schöner, auf Bäume als auf ein Gebäude zu schauen, aber die Sicherheit wiegt einfach schwerer als die Ästhetik.Paul Grötsch, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Hammerweg

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